Archive for April, 2010

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Donnerstag, April 29th, 2010

Beaufort, NC, 29. April ’10

Liebes Internet,
wie geht es Dir? Uns geht es ganz gut. Wir sind froh gestern endlich die Schleifarbeiten beendet zu haben. Es war ein langer Tag aber am Ende war die Daddeldu, zumindest außen, komplett geschliffen. Anschließend wurde sie noch mit dem Schlauch geduscht um den Farbstaub los zu werden. Um halb acht dann der schwer verdiente Feierabend.

1700: Bierpause

Zwischendurch habe ich meinen vierten Ausflug zum Drucker gemacht und nun haben wir auch wieder einen (richtig geschriebenen) Namensschriftzug für unser Schiff. Der kommt aber erst drauf wenn wir mindestens zwei komplette Anstriche mit dem neuen Lack beendet haben und dieser ausreichend getrocknet ist.

Heute morgen um Punkt neun waren wir dann, halbwegs erholt und in Arbeitsklamotten, wieder am Start. Es galt den Zeitpunkt ab zupassen, wenn der Morgentau verdunstet ist, aber die Sonne noch nicht allzu heiß brennt. Leider gab es diesen Zeitpunkt nicht. Als das Deck trocken war hatten wir schon wieder weit über zwanzig Grad im Schatten und die Farbe zog im null Komma nichts an. Entsprechend schwierig gestaltet sich das Malen. Als erstes war der Wasserpass dran. Das haben wir gemeinsam erledigt. Ich mit der Farbrolle und der Skipper mit dem Schaumpinsel hinterher. Zum verschlichten (glatt Streichen). Im Anschluss daran habe ich mich auf’s Deck verzogen um dort mit Malerkrepp alles ab zu kleben. Derweil hat unser allseits beliebter Skipper die ausgebauten Backskistendeckel mit der ersten Schicht Farbe versehen. Als er damit durch war, begann er mit dem Streichen des Vordecks. Für uns beide eine lustige Krabbellei auf den Knien. Aber wir sind frohen Mutes.

Schneeweiss

Gegen Mittag dann ein kleiner Imbiss, aus amerikanischen Hot-Dogs bestehend. (Ich kann die Scheiße nicht mehr sehen!) Nach unserem kleinen Mahl war ich auch schon fast fertig mit Kleben und machte mich auf die Socken um unserem guten Freund und Kupferstecher Omar, dem Segelmacher, meine Aufwartung zu machen.(In Wirklichkeit heißt er Paul und hat den Laden nur nach seiner Katze benannt. Die Katze heißt wohl „Omar-Sailmaker“) Mein Bruder Christian erteilte ihm ja vor Jahr und Tag den Auftrag das Vorsegel zu ändern und uns ein flottes Segelkleid zu schneidern. Um diesem Auftrag gerecht werden zu können, nahm er damals die notwendigen Maße bei uns an Bord. Leider war die Jahresfrist zu knapp bemessen und so gaben wir ihm zwei weitere Wochen Aufschub, maßen selber nochmal nach und übertrugen die Messergebnisse in jene seltsamen Einheiten, die man diesseits des großen Wassers zu benutzen pflegt. Omar, seines Zeichens angehöriger des allseits hoch gerühmten Standes der amerikanischen Handwerker, gelobte nun die promte Erfüllung unseres Begehrs. Gar schon am letzten Montag wollte er das Werk vollendet haben. Um die Enge an Bord unserer stolzen Daddeldu wissend, gaben wir bis Mittwoch Frist. „No problem“, seine Antwort. Als ich am Mittwoch unsere bestellte Ware in Empfang zu nehmen gedachte, ward unser tapferes Schneiderlein nicht anzutreffen. 🙁 Solche Dinge inzwischen schon gewohnt blieb ich auch äußerlich ruhig, um heute einen weiteren Versuch zu starten unsere Ausrüstung zu vervollständigen. Gut gelaunt und braun gebrannt begrüßte Omar mich und fragte, scheinbar keiner Schuld bewusst, nach dem Grund für meinen Besuch. Nicht ohne Stolz berichtete er mir, die Segelpersenning sei bereits in Arbeit und das Vorsegel hat er auch bis morgen fertig. Nun gut denk ich mir, wenn er schon langsam und unzuverlässig ist, dann ist er ja vielleicht wenigstens teuer? Und ja richtig, er ist teuer. Na wenigstens etwas… Ich wette übrigens, dass er nicht bis morgen Nachmittag fertig ist wie er mir heute zweimal versprochen hat.

Egal, wir haben anderes zu tun als uns über solche Handwerker zu ärgern. Wenn er bis Di nicht fertig ist, dann bleiben wir eben noch ein paar Wochen hier. Arbeit genug haben jedenfalls noch. Und vielleicht hat Omar ja im Winter mehr Zeit und kümmert sich dann endlich um die Aufträge vom letzten Jahr.

Es ist übrigens viertel nach 5 und der Skipper malt immer noch.

Immer weiter...

Aufgrund meiner mangelden Erfahrung und der widrigen Umstände (es ist knalleheiß und ein kräftiger Wind weht) traut er mir die sensible Arbeit des Deckstreichens nicht zu. Wer mich kennt weiß, ich klage selten über zu wenig Arbeit. Und so blieb mir Zeit unter Deck den Abwasch der letzten drei Tage zu tätigen und ein wenig Farbstaub zu entfernen. Ferner plane ich unser Abendessen und schreibe an Dich, Liebes Internet.

Liebe Grüße, auch an die Anderen,

Dein Henning

Nu aber flott…

Mittwoch, April 28th, 2010

Beaufort, NC, 28. April ’10

Ich kann nur kurz schreiben, da uns die Zeit davon läuft.

Den verregneten Sonntag haben wir lesender weise zur Regeneration genutzt. Und seit zwei Tagen schleifen wir wie die blöden. Es dauert leider etwas länger als wir erwartet haben. Meine zarten Interlektuellenhände haben durch das Drahtbürstengeschrubbe kaum noch die Kraft ein

Schleifen, schleifen, schleifen…

Feuerzeug einhändig zu bedienen und dem Skipper faulen die Sehnen und Bänder weg durch die Dauervibration des Schwingschleifers. Meine wiederholten Ausflüge zum Drucker, der erst die Termine nicht eingehalten hat und jetzt auch noch das Kunststück vollbracht hat „Hamburg“ falsch zu schreiben sorgen nicht gerade für einen Zugewinn an Zeit. Das er „Daddeldu“ in zwei Worten gedruckt hat habe ich ja noch an Ort und Stelle reklamiert aber mit „Hanburg“ habe ich echt nicht gerechnet. Auch meine Insektenstiche von letzter Woche sind nach wie vor Aktiv. Die Cortisoncreme hilft zwar ein wenig, aber ich sehe immer noch aus wie ein mittelschwerer Neurodermitisfall und nutze hier die Möglichkeit euch mein persönliches Leid zu klagen.

Viel zu tun. Am Montag Sliptermin. (Für David: Das heißt das Schiff wird zu Wasser gelassen.)

Henning

Sunday, monday,…

Dienstag, April 27th, 2010

Heute war nix los. Bei euch ja offensichtlich auch nicht.

Bis nächste Woche.
Henning

All you can eat…

Sonntag, April 25th, 2010

Beaufort, NC, 25. April ’10

Es ist Sonntag morgen und hat sich hier richtig schön eingeregnet. Der Wind pfeift in den Wanten und die Geräuschkulisse ist beinahe wie auf See. Aber das soll mich nicht stören, das Internet läuft zur Abwechslung mal und so kann ich den Vormittag mit schreiben und lesen verbringen.

Nachdem ich gestern Morgen erst sehr spät mit der Arbeit begann, demontierten wir die letzten Beschläge in der Plicht. Alles Vorbereitungen für die…?…
Richtig! Die Malerarbeiten.

Wie, inzwischen, immer dabei, unsere Freunde die Gewitterfliegen. Mittlerweile gibt es hier auch Bremsen und anderes Fluggetier. Ich glaube es wird hier langsam Sommer und da ganz Carolina ein einziger Sumpf ist, ist es eigentlich nur logisch, wenn auch Mücken diese optimale Kinderstube für ihre Brut nutzen. Da werden wir auf dem Intra-Coastal-Waterway wohl noch viel Spaß haben. Aber ihr seht, wir sind in Gedanken schon fast im Wasser.

Ganz viele Fliegenbisse. Und das war Sa morgen. Inzischen sieht es schlimmer aus und juckt wie verrückt.

Nach meinem eher mageren Fruhstück, Müsli mit Banane, hatte ich natürlich schon bald wieder Hunger. Und da der Skipper noch mit dem Schleifen und Streichen des Backskistendeckels beschäftigt war machte ich mich an die Zubereitung eines herzhaften Lunches. Die letzten Scheiben Dosenbrot mit dick Butter, und Spaghettireste mit viel Speck (…mhhh, Speck…) angebraten. (Ihr seht schon, es wird kulinarisch heute.)

Nach dem Essen baute ich dann den Petroleum Tank von unserem Herd aus um ihn zu entrosten und neu zu verzinken. Aber so richtige Arbeitslaune kam bei uns beiden nicht auf an diesem Samstag. Jens ging rüber zu Dan um ihn zu fragen wo wir denn Teakholzleisten kaufen können, wir hatten ja drei durchgebrochen als uns der Motor auf der Sitzbank in der Plicht umgekippt ist. Leider war Dan nicht da. Aber als Jens gerade zurück war, kam Bill vorgefahren. Der hat uns auch sagen können wo man wahrscheinlich so was kriegen kann, wollte aber nochmal in seinen Holzvorräten gucken ob da nicht was Passendes dabei ist. Nach einigem Suchen fand er dann tatsächlich ein passendes Teakbrett. Mit Hilfe von Tischkreissäge und Dicktenhobel waren daraus schnell 3 passende Leisten gemacht. Als Lohn wollte er gerne bei Gelegenheit ein deutsches Bier und falls er mal nach Hamburg kommt auch den einen oder anderen Gefallen. Unsere Kneipenkontakte zahlen sich eben aus.

Wir hatten aber jetzt beide keinen Bock mehr zu arbeiten und wie aufs Stichwort fing es an zu regnen. Also das Werkzeug weg gestaut und Feierabend. Nach der Dusche mit Rasur (der Sonntag steht bevor und den Seemannsbart bewahre ich mir lieber für den Atlantik auf) auf nach Beaufort zum Baumarkt, Kleinkram besorgen. Dann weiter zu Food-Lion um unsere Vorräte auf zu stocken. Wir haben uns gleich am Anfang eine Most-Valuable-Customer-Card ausstellen lassen. Damit sparen wir pro Einkauf n knappen 10er. Aber geschickt wie wir sind haben wir den Zettel mit unseren Daten nicht abgegeben. Die Karte funktioniert trotzdem und wir sind sicher vor Werbung und Datenbanken über unser Konsumverhalten. Auf dem Parkplatz dann schnell noch eine kleine Zwischenmahlzeit eingeschoben. Schokodonuts mit Cremefüllung. Sehr lecker und das bei höchstens 2000 Kalorien pro Stück.

Nach so viel Zucker musste nun aber doch was herzhaftes her. Also ab in die Handle-Bar. Eine kleine Partie Billard, ach ne das heißt ja Pool, und ein gezapftes Bierchen. Mittlerweile hat auch der Letzte mitbekommen, dass wir aus Deutschland sind und am Schiff arbeiten. So werden wir immer gleich als erstes gefragt wie weit wir denn sind und wie lange wir noch bleiben. Dass wir quasi ganz alleine die Maschine gewechselt haben hat überall großen Eindruck gemacht und die ganzen Schrauber und Schiffer haben ganz schön Respekt vor uns. Aber das ja wohl auch zurecht. Egal, auf jeden Fall werden wir dauernd angequatscht und man erzählt uns die eigenen Erfahrungen mit Deutschland. Z. B. ist vor ein paar Tagen auf dem Sportflughafen von Beaufort eine russische Yak gelandet. Mit einem finnischen Piloten der in schwarz-rot-gold gekleidet war. Das ist schon ziemlich deutsch, oder nicht?
Da keine Schiffer da waren und wir essen gehen wollten holten wir uns Restaurant-Tips. (Ich wollte meinen Vater einladen, da ich Anfang der Woche per Mail erfahren habe, dass meine staatliche Anerkennung als Diplom Sozialpädagoge zur Abholung bereit liegt. Und das ist doch Grund zum feiern, wenn man mit 30 Jahren die erste Berufsausbildung abgeschlossen hat.) Uns stand der Sinn nach einheimischem Seafood. Am besten frisch und nicht aus der Tiefkühltruhe. Das könne man komplett vergessen, so die einhellige Meinung. Nach ein bisschen hin und her wurden dann aber doch drei Restaurants der mittleren bis oberen Kategorie gefunden, die frische, einheimische Produkte anbieten.

Wir also wieder ins Auto und ein wenig cruisen. Wir wollten uns die Läden erst mal von außen ansehen. Was wir dann zu sehen bekamen erschrak mich doch ein wenig. Beaufort ist am Wochenende überlaufen von Schickeriapack. Typen mit dickem Wagen und rosa Hemden, die ihre Tussis auf gefährlich hohen Schuhen ausführen. Da wollten wir jetzt nicht unbedingt dazwischen sitzen. Aber einer der Restaurant-Tips, das Net-House, sagte uns zu. Die seien berühmt für ihre Soft-Craps, und da gerade Saison für diese Tiere ist beschlossen wir hier einzukehren. Soft-Craps sind Krebse die sich gerade gehäutet haben, so das der Panzer noch ganz weich ist und man sie mit Haut und Haaren essen kann. Das Net-House ist ein rustikal eingerichtetes Fisch-Restaurant wo jetzt nicht nur Schnösel verkehrten. Die Bedienung war sehr nett und nicht ganz so nervig (is everything allright?) und unfähig wie der Durchschnittskellner in Amerika. Und das Essen war auch sehr lecker. Wir hatten zur Vorspeise Angels on Horseback. Das sind frittierte Austern im Speckmantel mit Zitrone und Meerretichdip. Ich hatte in meinem Leben bisher nur einmal Austern, und die haben wir vor Wangerooge selbst gesammelt. Aber diese Art der Zubereitung war zwar ganz lecker, kam mir aber wie die reinste Verschwendung vor, da man kaum noch was von der Auster geschmeckt hat. Nun ja selber Schuld, wer so was bestellt. Zum Hauptgang gab’s dann stuffed soft-craps mit geschmolzener Butter und Scallops panned in butter (was aussieht und schmeckt wie Tintenfischarme in Scheiben, aber wohl Kammmuscheln sind). Als Beilage hatten wir einen Salat und ne Backkortoffel mit sour-creme und Butter. Wir haben uns alles geteilt und es hat wirklich gut geschmeckt aber das eindeutig Beste war die Kartoffel. Da wir das Gefühl hatten heute noch nicht ausreichend gespeist zu haben, insbesondere die Butter kam zu kurz, gabs noch ein dickes Stück Torte zum Dessert.

Gegenüber vom Net-House war ein großes Festzelt aufgebaut und es gab Live-Musik. Leider hätte man im Vorverkauf 50$ abdrücken müssen um dort eingelassen zu werden. Das war uns dann doch zu viel und so beschlossen wir noch einmal zum Wasser zu bummeln. Im Dock-House (wo wir in der ersten Zeit öfter Burger essen waren) war auch Live-Musik, ohne Eintritt und direkt am Wasser. Ein kleines Bier wollten wir uns da noch gönnen, sind aber beide fast im sitzen eingeschlafen. Totale Fressnarkose kombiniert mit einer weiteren Woche Arbeit in den Knochen. Außerdem war es schon fast zehn, also schnell in die Koje…

Schönen Sonntag noch.

Henning

Neues vom Zinker…

Samstag, April 24th, 2010

Beaufort; NC, 24. April ’10

Es ist Samstag morgen 0900 und ich lasse heute mal ein wenig ruhiger angehen. Ich trinke gerade meinen Kaffee und wollte statt Zeitunglesen eigentlich schön ins Netz. Leider hat unser w-lan Anbieter sich für heute mal eine neue Fehlermeldung ausgedacht und ich kriege überhaupt keine Verbindung. So ist es eben. Aber ich kann ja auch offline schreiben.
Da fällt mir ein ich zeige euch mal einen Link vom neuen Lieblingsrapper des Skippers. Pigor, heißt der gute Mann und ist echt ganz lustig.

http://www.youtube.com/watch?v=xTorchdVl5c

Aber zurück zum Tagesgeschäft: Jens ist zu West-Marine gefahren um noch einige Farben und Rollen für unseren großen Staatsstreich nächste Woche zu besorgen. Wenn er wieder kommt geht’s hier mit schleifen weiter.

Ihr fragt euch sicherlich schon, was war denn gestern los im Land der unbegrenzten Möglichkeiten?
Morgens fuhr ich nach Beaufort um einigen Kleinkram zu besorgen und neue Folien für den Schiffsnamen in Auftrag zu geben. Ich habe mich tapfer durch ca. 4000 Schriftarten gescrollt und es hat mich sehr in den Fingern gejuckt das Schiff umzubenennen. „Else Kling“ in Frakturschrift war mein Favorit. Aber da es ja Unglück bringen soll ein Schiff umzutaufen habe ich mich dann angesichts des bevorstehenden Törns doch nicht getraut. Wenn der Drucker alles richtig macht, haben wir am Montag wieder einen sehr konservativen Daddeldu Schriftzug in weiss. Auf dem Rückweg habe ich noch meine Ideen zur Verbesserung des Speiseplans in Form von Ben&Jerry Eiscreme und fangfrischen Shrimps umgesetzt. An der Landstraße steht hin und wieder ein Fischer der seine Meeresfrüchte von der Pick Up Ladefläche verkauft. Die sollte es dann zum Abendbrot geben.

Zurück am Schiff wieder rein in die Arbeitsklamotten und weiter mit Schleifen und Zinken. Zwischendurch noch Mittag. Zur Abwechslung mal wieder Hot-Dogs, und weiter geht’s. Jens mit dem Exenterschleifer am Rumpf und ich an Deck mit Stahlwolle. Gegen 1700 war ich dann einmal rum und habe Feierabend gemacht. Jens hat noch ne Stunde länger gemacht und als er aus der Dusche kam mussten wir schnell los in die Handle-Bar unsere Kontakte pflegen. Das zahlt sich echt aus wenn man ab und an ein Bier ausgibt. Über Charles, aus der Handle-Bar, haben wir Mike kennengelernt, dem ja ein drittel der Werft gehört auf deren Gelände wir grad stehen. Mike wiederum hat uns den Schiffnamen und die Kontaktdaten von David gegeben. David ist Longline Fischer auf den Bermudas, wo wir ja bald hin wollen. Mike sagt ihm Bescheid das wir bald kommen und wenn wir in der Nähe sind werden wir David mal anfunken. Der kann uns dann Wetterinfos etc. geben und vielleicht auch an Land mit dem einen oder anderen Tip behilflich sein.
Leider waren wir mal wieder zu spät in der Bar, so das die ganzen Feierabendtrinker schon weg waren. Da wir beide ziemlich KO waren sind wir wieder abgehauen bevor der Freitag Nacht Trubel richtig los ging.

Auf dem Rückweg noch ein kurzer halt an der Tanke, wo sich Freitag abends die schwarze Jugend von Beaufort zum saufen trifft. Die Angestellten machen ihre Zigarettenpause übrigens, „for safety reasons“ wie ich vermute, direkt vor der Tür zwischen den Zapfsäulen. Diesmal wurde ich übrigens nur nach meinem Alter gefragt und musste nicht mal den Perso zücken. Wahrscheinlich sehe ich inzwischen so fertig aus, dass man mir auch so glaubt, dass ich über 21 bin.
Wieder auf der Daddeldu habe ich mich an die Zubereitung der Shrimps gemacht. Mit Olivenöl und Kobi angebraten und dazu Spagetti. Sehr lecker und alles zusammen sogar noch billiger als einmal Burger mit Pommes. Es ist übrigens nicht so, dass wir ernsthaft auf Junkfood und Rühreier stehen, aber wir haben weder Zeit noch Lust bei unserem Arbeitspensum auch noch stundenlang zu kochen. Das wird anders wenn unsere Badegäste, Chris und Ralf, erst mal hier sind und die Arbeiten abgeschlossen sind. Dann wird es wohl jeden Tag 2-3 warme Mahlzeiten aus selbst gefangenen Meeresfrüchten geben. 😉
Danach noch der übliche Abwasch und dann in die Koje.
Glaubt mir in Hamburg auch kein Mensch: Am Freitag Abend vor zehn ins Bett. Da bin ich sonst noch nicht mal in der U-Bahn um los zu fahren. Naja, kommt alles wieder…

So ich muss jetzt mal an die Arbeit.

You guys takin‘ care out there, ‚ight…?!

Henning

Stahlschwamm…

Freitag, April 23rd, 2010

Beaufort, NC, 22. April ’10

Das Wichtigste habt ihr ja schon gehört:
Der Probelauf der Maschine war erfolgreich! Kein Rauch und sie kam auf Anhieb. Echt toll!

Ist sie nicht schön?

Danach einige Besorgungen im Baumarkt und bei unserem Autoteilehändler wo wir inzwischen Stammkunden sind. Hätte wohl auch keiner gedacht, dass wir beide mal regelmäßig in einem Autoladen einkaufen. Aber Amerika verändert den Menschen. Oder auch nicht, wir brauchen halt Batteriezubehör und so weiter. Im Baumarkt trafen wir Rusty. Tja so groß ‚is Carolina eben doch nicht. Danach noch kurz zu Food Lion und dann Mittag. Irgendwie kommt’s mir so vor, als hätte ich das alles schon mal geschrieben. Oder bist Du, lieber Leser, etwa im Tag verrutscht? Ich weiß es auch bald nicht mehr…

Wieder zuhause bzw. an Bord hat Jens es sich wieder auf den Bodenbrettern im Salon bequem gemacht und die Batterien noch

Die neuen Batterien neu verkabelt!

einmal umgestellt und die Kabel gekürzt. Ich zog meine alten Shorts an und griff mir das Schleifpapier um weiter auf Rostjagd zu gehen. Das Wetter war gut und meine Laune auch. Schließlich hatten wir ’ne einsatzbereite Maschine. Die Mücken hatte heute wohl auch frei? Aber das ist auch egal, ich hab ja noch ein paar Andenken von gestern. Nach ein paar Stunden wurde es dann aber doch langweilig. Ich hatte zwar inzwischen auf Stahlwolle gewechselt aber so richtig der unterschied ist das nun auch nicht. Als Vaddern mit seinen Batterien fertig war hat er sich unseren neuen Exenterschleifer genommen und außen am Rumpf damit begonnen die Beulen, die damals der Mast in die Bordwand geschlagen hat als er baden ging, zu polieren und zu verzinken. Dann Spachtelmasse drüber und morgen nochmal schleifen und dann irgendwann mal lackieren. Um vier kamen die Mücken wieder und haben uns die Arbeit versüßt.

Gegen halb sieben machten wir dann Feierabend. Erstmal Nase spülen um den Rost- und Zinkstaub los zu werden. Heute wollten wir eigentlich ein bisschen feiern, schließlich sind wir ’n guten Schritt weiter gekommen. Auch wollten wir gerne die Highlights des HSV-Spiels im Internet sehen. Leider waren, wenn man der Youtube Suche glauben darf, die Highlights, das Labadia Interview. Obwohl nach dem Ergebnis, kann das schon hinkommen… Wir sind dann irgendwie bei Youtube hängen geblieben. Mal ein lustiger Film. dann wieder Ärger über die zusammenbrechende Verbindung oder erfolglose Suche. Selber schuld wenn man an Bord glotzen will. Zur Feier des Tages dann ein Steak und creolisches Okra aus der Dose. Gar nicht mal schlecht. Jetzt hören wir ein Charles Bukowski Hörspiel und Jens wäscht ab während ich hier schreibe.

So er ist fertig, ich kann aufhören. 😉

Good night and good luck.
Henning

Breaking News: Engine is running perfectly

Donnerstag, April 22nd, 2010

1000 h local time: engine tested succesfully – three cheers to the Lord!!!

Regen

Donnerstag, April 22nd, 2010

Beaufort; NC, 21. April ’10

Nachdem gestern alles so glatt gelaufen ist, war ja klar, dass es heute Rückschläge geben musste. Wenn auch nur kleine…

Der morgen verlief nach Plan. Jens bastelte an seiner Maschine herum. Er hat inzwischen die Halterungen und Abdeckbleche des alten Ladegerätes an die Maschine montiert und daraus Halterungen für allerlei Leitungen und Kabel gebaut. Am neuen Motor ist ja einiges anders als am Alten. Sieht gut aus, ist stabil und funktional. Langsam hat er auch alle Leitungen, Fühler, Geber, Hebel, Baugenzüge, Filter und was weiß ich noch alles angeschlossen.
Ich war derweil auf dem Vordeck mit Schleifen der Roststellen beschäftigt um sie anschließend mit Zinkspray rostsicher zu machen, damit wir später die Unebenheiten verspachteln, noch mal schleifen und dann x-mal streichen und lackieren können. Gesellschaft leisteten mir dabei die einheimischen Gewitterfliegen. Die sind so groß wie unsere Fruchtfliegen und beißen ziemlich gemein. Normalerweise kommen die nur kurz vor der Dämmerung kurz raus, aber da wir ja auf’s Gewitter warteten, machten die Viecher Überstunden. Das Gewitter kam zwar nicht, es wird jetzt heute Nacht erwartet, aber gegen Mittag fing es an zu Regnen. Nur sehr leichter Nieselregen aber es hat ausgereicht mein Schleifpapier erst völlig zu zukleben und dann aufzulösen. Also brach ich die Arbeit ab um uns Mittag zu machen.

Nach dem Essen immer noch regen und auch nach dem Abwasch keine Besserung in Sicht. Als wir damals in der Bilge herumkrochen, hätten wir uns über ’ne Abkühlung gefreut, aber jetzt hält es einfach nur auf. Das drückt auf die Stimmung. Jens hat zwar weiter gearbeitet, ist aber durch die offene Luke recht nass geworden und so richtig super drauf war er auch nicht. Gegen 4 hörte der Regen und somit meine Zwangspause endlich auf. Die rechte Motivation und Arbeitslaune wollte sich trotzdem nicht mehr einstellen. Und den Mücken schien das Wetter zu gefallen. Egal wir haben bis kurz vorm Dunkelwerden weitergemacht und sind dann duschen gegangen. Jetzt geht’s uns besser und es ist echt viel schöner wenn man zurück an Bord kommt und die gemütlichen Salonlampen brennen.

Jetzt noch ’ne Scheibe Dosenbrot von 2006 und dann ab in die Koje. Morgen will der Skipper endlich mal einen Probelauf der Maschine wagen. Also schön Daumen drücken.

Gute Nacht.
Henning

Strom!!!

Dienstag, April 20th, 2010

Beaufort, NC, 20. April ’10

Heute war ein guter Tag. Wir haben endlich Strom!!!

Aber der Reihe nach. Am morgen war der Skipper schon am ‚rum werkeln, als ich gegen 8 die Koje verließ. Nach einem Minifrühstück sind wir gemeinsam nach Beaufort zu Omar unserem Segelmacher. Gestern Abend haben wir ja noch kurz das Groß angeschlagen und sehr gewissenhaft die Maße genommen die es zusammengelegt am Baum hat. Hoffentlich schafft Omar es jetzt uns ein passendes Segelkleid zu nähen. Auch die alte Fock sollte er bis Mitte nächster Woche so umgestaltet haben, dass sie in unsere neue Rollanlage passt. Na ja, das sollte wohl zu schaffen sein.

Anschließend ein paar Besorgungen beim Autohöker. Batterieklemmen und Schläuche etc. und auf dem Rückweg Mittagessen bei Burger-King. Die haben hier einfach das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Aber wenn ich dieses Land wieder verlasse, werde ich wohl entweder burgersüchtig sein oder nie wieder so ein Teil anfassen.

Wieder an Bord dann Arbeitsteilung. Ich nach draußen, um dort die alten Namenszüge und so weiter abzupulen. Ja wir bereiten uns langsam auf’s Schleifen und Streichen vor. Leider sagt der Wetterbericht Gewitter für die nächsten Tage vorraus, was das Streichen leider unmöglich macht. Zwischenzeitlich hat sich der Skipper frei gemacht um bei über 30 Grad unter Deck in Unterhose auf dem Boden herum zu kriechen und dort unsere neuen Batterien anzuschließen. Und siehe da, er hatte Erfolg! Das heißt wir können jetzt endlich in unseren Kojen lesen, haben überall Licht, können über die Anlage Musik hören und auch der Rest der Elektrik, die wir später auf See brauchen, läuft. Das ist Wirklich ein riesiger Luxusgewinn und wir freuen uns beide sehr. Um dies zu feiern stellte ich erst einmal eine Playlist zusammen mit der wir beide Leben konnten und wir genossen die Musik, die jetzt aus dem Laptop über ein Kassettenadapterkabel ins Bordradio gespeist wird und dann in recht annehmbarer Qualität aus den Bordlautsprechern kommt. Wirklich toll! Christian hat uns unterem anderem den Soundtrack von „Das Boot“ überspielt. Ich dachte mir das können wir voll aufreissen wenn wir an der Norfolk Naval Base vorbei segeln. Leider, denke ich, werden die Ammis wohl die Titelmelodie auch nicht erkennen wenn sie in voller Lautstärke auf ihren Sonarmonitoren erscheint. Ja ja, die lustigen Gedankenspiele eines einsamen Mannes…
Jedenfalls erledigten wir, bei laufender Musik, noch einige Kleinigkeiten und werden uns jetzt mal überlegen was es zum Abendbrot gibt.

Dann geht’s in die Koje. Diesmal mit Buch!!!

Gute Nacht, Henning

Monday Oldies

Dienstag, April 20th, 2010

Beaufort, NC, 19. April ’10

Na ja, so ’ne kleine Drohung scheint doch zu helfen. Herzlichen Dank für Eure Interessenbekundungen. Machen wir also erst einmal weiter, aber nur kurz.

Heute morgen war es ganz schön kalt hier, nur 15 Grad C beim Morgenkaffee und noch jede Menge Tau auf Deck. Deshalb haben wir es etwas ruhiger angehen lassen und erst gegen 10 richtig losgelegt. Ich will Euch nicht mit den ganzen technischen Details langweilen, aber wir haben die Maschine fast startklar. Nach dem Einfüllen der Kühlflüssigkeit waren alle neuen Schlauchverbindungen dicht. Morgen die Elektroanschlüsse und dann hoffentlich ein erfolgreicher Probelauf.

Das Deck ist inzwischen auch wieder leer geräumt, die Ankerkette aus dem Kasten und von Henning mit frischen Längenmarken versehen. Bis auf den Blister sind alle Sachen aus dem Lager geräumt und im und unter dem Schiff verteilt. Die neuen Batterien stehen in den ihnen zugedachten Abteilungen, passen prima.

Also viel Kleinkram erledigt.

Jetzt bereitet Henning gerade unser Abendbrot zu: Rührei mit Speck und Pilzen (natürlich scharf). Der Duft zieht durch den Salon und mich hält es nicht mehr am Laptop.

Bis Morgen

Euer Jens