Archive for Juni, 2010

Bermuda-Azoren II

Mittwoch, Juni 30th, 2010

Horta, 30.06.06.

Ich fasse noch mal kurz zusammen was uns auf der zweiten Atlantik Hälfte so widerfahren ist.

Sonntag der 13. Juni war Angelverbot, wie künftig jeden Sonntag. Nicht das wir schon was gefangen hätten, aber das ist unsere Geste an den Wal. Wir sichten viele Delphine und sie sind sehr aktiv und springen viel. Es gibt hier viele unterschiedliche Delphinarten aber ich kann sie leider nicht benennen. Der Wind nimmt ab aber unter Blister laufen wir immer noch vier Knoten. Als es dunkel wird bergen wir ihn wieder, leider bin ich etwas nachlässig und belege das Fall nicht richtig. Es rauscht aus und als ich den Fehler bemerke ist es schon zu hoch um noch dran zu kommen. Also müssen wir es wohl oder übel ganz wegnehmen. Schöne Scheisse! Wenn der Seegang es zu lässt muss wohl einer in den Mast um es wieder ein zu fädeln. Is‘ klar, wer der dumme ist und auf See in den Mast muss!?!

Drollige Gesellen.

Schon am nächsten Tag herrscht wieder Flaute. Wir sichten eine Schule Pilotwale und machen eine Badepause. Kommt gut, sich nach über einer Woche mal wieder zu waschen. Nach dem Bad ist die See ruhig genug und ich darf endlich in den Mast. Ich habe manchmal ein wenig Höhenangst aber ich hab’s verbockt und bin auch noch der Leichteste. Also einfach nicht nach unten sehen und ab in den Bootsmannsstuhl. Christian zieht mich hoch. Ich bin mit dem Lifebelt an den Mast gesichert damit ich nicht zu weit auspendeln kann. Aber trotz der relativ ruhigen See schauckelt man mehrere Meter zu beiden Seiten wenn man so hoch oben ist. Trotz des Lifebelts muss man sich festhalten da man sonst zu hart einruckt und das ist schmerzhaft. Sehr anstrengend. Ich brauche meine ganze Kraft um mich an den Mast zu klammern trotzdem verliere ich zwei, drei mal den Halt. Als ich wieder unten bin, bin ich total fertig und außer Atem, aber wir können den Blister wieder einsetzen. Nächstes mal werde ich besser auf Fallen achten.

Von oben.

Am Dienstag kommt wieder Wind auf und wir machen richtig gute Fahrt. Der Blister schiebt uns mit Kraft nach vorne und die Laune steigt. Der Wind wird immer mehr aber wir wollen die Geschwindigkeit ausnutzen. Das Segel ist am Limit aber wir lassen es stehen. Das Schiff gleitet sonst über die Wellen hinweg aber es ist soviel Druck im Rigg das uns der Blister einfach durch die Wellen hindurch drückt. Wir rauschen ruhig wie auf Schienen voran. Wir laufen Spitzengeschwindigkeiten von über zehn Knoten. Das ist weit über der Rumpfgeschwindigkeit (Wikipedia) und das Rigg vibriert. Es ist auch unsere alte Rekordmarke, allerdings wurde der Rekord mit einem zwei Meter höheren Mast unter Genua aufgestellt. Wir sind euphorisiert und drücken uns die Daumen, dass das Segel nicht platzt oder uns den Mast weg reißt. Wird schon gut gehen. Dann fällt eine Böh ein und die Selbsteueranlage kann das Schiff nicht mehr halten. Es gibt einen lauten Knall und das Segel fällt ein. „Bergen!!!“ Tönt das Kommando und Christian und ich stürzen aufs Vorschiff. Ich glaube so schnell war noch nie ein Blister im Sack. Regatta tauglich. Na gut dann eben die Fock. Wir reffen das Gross und machen immer noch 6-7 Knoten. Ein richtig guter Tag und es ist ja nochmal gut gegangen.

Ruhig wie im ICE. Briefeschreiben.

Oh happy day!

Der Wind legt auch am Mittwoch weiter zu und es herrscht Dauerregen. Mit gerefftem Gross und Fock kratzen wir in einer Schauerböh wieder die zehn Knoten Marke. Diesmal aber nur von unten. Trotz des kräftigen Windes bleibt die See für Atlantik Verhältnisse relativ ruhig und der ungemütliche Regen lässt sich auch verkraften wenn man auf die Logge schaut. Leider zerfleddert uns der Starkwind das Achterliek unserer zehn Jahre alten Fock.

Der nächste Tag wird wieder ungemütlich. Flaute und drei bis vier Meter Dühnung. Das macht echt keinen Spass und das Schiff rollt unangenehm, aber wir nutzen die Zeit um die Fock zu reparieren. Der Salontisch wird zur Nähstube.

Tage vergehen ohne Ereignisse. Wir sichten viele Delphine und auch die Schiffsbegegnungen werden mehr. Wir nähern uns Europa und sehen im Schnitt 3-4 Schiffe in 24 Std. Mal ist das Meeresleuchten intensiv mal der Sternenhimmel. Eintönigkeit.

Halbzeit.

Langsam geht uns der Strom aus und so will unser Bordelektriker Christian die Multifunktionanzeige der Kompassanlage vom Netz nehmen. Dabei fällt plötzlich der Hauptkompass und somit auch die Cockpitanzeige aus. Das ist jetzt nicht so cool. Ohne Kompass auf dem Ozean. Wir haben zwar noch GPS und zwei Handkompasse aber die Handgeräte haben natürlich ne starke Ablenkung durch den Stahlrumpf. Egal Christian findet den Fehler und diagnostiziert, dass der Hauptkompass durchgebrannt ist. Er tauscht ihn gegen ein Reservegerät aus und wir können wieder navigieren. Die See ist zu unruhig um die Deviationstabelle (Wiki) für den neuen zu erstellen aber wir gleichen ihn jetzt eben bei jedem Kurswechsel mit dem GPS ab.

Portugisische Galeere...

Wir baden nochmal an einem der folgenden Tage ansonsten passiert nicht viel. Bordroutine. Langsam nähern wir uns den Azoren und sichten jetzt alle drei Stunden Delphine oder Wale. Auch gibt es wieder Vögel zu beobachten. Weit draussen auf dem Meer gab es nur die Wellenreiter (keine Ahnung wie die wirklich heissen). Das sind große Möwen ähnliche Vögel die immer ein paar Zentimeter über der Wasseroberfläche segeln und die uns den ganzen Törn begleitet haben. Ich glaube die kommen nie an Land. Wahrscheinlich brüten die auf Gischtkämmen.

Wir befinden uns im Azorenhoch und es herrscht Flaute. Wir müssen drei Tage Motoren. Als ich am Montag den 24. Mai aus meiner Koje krabbel ist Fajal zu sehen. Steil wächst der Vulkan aus dem Meer. Die Insel ist herrlich grün und von schwarzen und roten Lavaströmen durchzogen. Wir sind alle tief bewegt und… keine Ahnung… geht euch nichts an!

Entering Portugal.

Fajal

Fajal.

Mann am Rohr.

Als wir schon den Badestrand von Horta sehen können macht die Maschine komische Geräusche. Der Skipper reagiert blitzschnell und reißt den Stop-Baugenzug. Wir öffnen den Maschinenraum und stellen fest: Die Maschine ist trocken gelaufen. Kein Öl mehr. Obwohl wir regelmäßig nachgefüllt haben. Es raucht aus dem Ölnachfüllstutzen. Das wär’s noch. ‚N Kolbenfresser an der neuen Maschine. Fünf Meilen vor dem Hafen. Gott sei Dank springt sie wieder an nachdem wir Öl nach gefüllt haben. Wir schaffen das letzte Stück in den Hafen auch noch, ich fahre mit reichlich Lampenfieber einen perfekten Anleger und den Rest kennt ihr…

Klarmachen zum Einlaufen.

Ich möchte nochmal allen Leuten die mir geschrieben haben von ganzem Herzen danken. Ihr habt es echt, jeder auf seine Art, geschafft mir wieder ein wenig Kraft zurück zu geben und mich auf zu bauen. Den Rest schaffen wir auch noch! Ist ja nicht mehr weit.

Henning

Letzter Tag Azoren

Mittwoch, Juni 30th, 2010

A. B. d. Daddeldu, Horta Marina, Azoren, Portugal, 28.06.’10

Guten morgen Europa.

Heute ist der erste morgen an dem ich nicht wie erschlagen aufwache. Vielleicht bin ja über den Berg und die Tiefenerschöpfung lässt langsam nach?
Ich habe in einer persönlichen Mittteilung um Nachsicht gebeten, falls der Blog in Zukunft nicht mehr ganz so liebevoll gepflegt wird, aber ich merke wie mir das alles zu viel wird. Also seit nicht traurig aber das ist alles sehr, sehr anstrengend und die Erlebnisse und Gefühle sind mir oft zu persönlich fürs Netz.

Inzwischen ist unser neues Crewmitglied Werner vom Hotel ins Vorschiff gezogen und wir haben die Zeit mit Erholung verbracht. Abends haben wir es meistens noch geschafft uns aufzuraffen und etwas essen zu gehen aber den Tag haben wir mehr oder weniger schlaff in der Bar da Marina, im Bett oder der Dusche verbracht. Wir waren echt total KO. Gott sei dank gab’s Fussball, da konnte man wenigstens Fernsehen. Richtiges WM Fieber kam allerdings nur beim Deutschland Spiel auf, selbst in einer großen Gruppe Oranjes zu sitzen konnte mich nicht wirklich mit reißen mich für eine oder die andere Seite zu begeistern.

Die Insel ist wirklich schön, zumindest nehme ich das an, hab ja noch nichts gesehen. Aber wir haben heute ’nen Mietwagen und werden gleich mal zu dem neuen Vulkan am anderen Inselende fahren und danach einkaufen und Baden. Es tut wirklich gut wieder in Europa zu sein. Das Essen ist größtenteils super und es gibt wieder so zivilisatorische Errungenschaften wie Kaffee, die noch nicht in der neuen Welt angekommen zu sein scheinen.

Heute Abend werden wir natürlich noch Portugal gegen Spanien anschauen müssen und dann werden wir wohl morgen RICHTUNG IRLAND AUSLAUFEN. Wir werden sehen wie das Wetter ist aber wenn Rasmus es zulässt werden wir nach Cork oder Baltimore segeln. Das sind ungefähr 1200 Seemeilen, also ca. knappe 2000 km die wir in langsamer Fahrradgeschwindigkeit bis Hamburg zurück legen werden, wenn alles gut geht.

Wir haben inzwischen auch die Genua…

Horta, 30.06.’10

Ich musste weg zur Inseltour. Jetzt bin ich wieder da und in wenigen Stunden werden wir auslaufen. Das übliche. Klar Schiff machen Wasser bunkern etc. Ambivalente Gefühle. Aber das positive überwiegt. Der letzte lange Schlag steht bevor. Irland liegt ja quasi an unserem Heimatteich der Nordsee. Von da aus ist es nur noch ein Katzensprung nach hause.

Ja wir haben die Insel doch noch besichtigt. Den „neuen“ Vulcan gesehen der erst vor 50 Jahren ausgebrochen ist und waren baden in den Eiskalten Natur Pools im Vulkan. Abends haben die anderen Fussball gesehen und zu geguckt wie unsere Gastgeber ausgeschieden sind. Ich habe die Ruhe an Bord genutzt um Liebesbriefe zu schreiben, wurde dann aber nachdrücklich von Christian weg beordert um unser Bild an der Kaimauer vor zu bereiten. Ich hatte zwar keine Lust aber als wir erstmal dabei waren hat es doch sehr viel Spaß gemacht.

Vulkan.

Am späten Abend sind wir noch in Peters Cafe Sport um einen letzten Drink zu nehmen und auf heute an zu stoßen. Bei Peter gibt es den besten Gin Tonic in 1000 Meilen Umkreis und bei einem Preis von 2,25€ haben wir uns nicht lumpen lassen. Also nicht das ihr denkt wir würden immer nur Bier trinken. 😉 Wir haben zusammen mit Igor und Robert getrunken. Den Polen die wir auf Bermuda kennen gelernt haben. Die sind eigentlich schon vor fünf Tagen ausgelaufen. Leider ist ihnen das Ruder gebrochen und so kamen sie nach ein paar Stunden zurück. Selber Schuld. Die haben kein Bild hinterlassen und das bringt bekanntlich Unglück. Kann uns nicht passieren.

Horta

So ich schreibe jetzt im anderen Artikel weiter.

Henning

PS.
Die Genua ist repariert und umgenäht. Wir haben also jetzt ein viertes Vorsegel und gehen davon aus sie ausgiebig ein zu setzen. (Blister, Genua, Fock und Sturmfock)

Das war England 4:1,…

Sonntag, Juni 27th, 2010

Moinsen,

gerade zurück an Bord, nachdem großartigen Spiel gegen unsere Inselfreunde. Einige Impressionen.

Jens, Balthasar und irgendwer - 3. Generationen Segler

Blick nach draußen...

Schwarz - Rot - Gold

http://www.youtube.com/watch?v=m2EkFYmX3NU

Nun sitzen wir mit Balthasar, unserem schwedischem Freund, und lassen alles Revue passieren…

gruß euer
Christian

Bermuda-Azoren I: Atlantik Crash Kurs.

Samstag, Juni 26th, 2010

Bar da Marina, Horta, Azoren, Portugal, 26.06.’10

Inzwischen läuft hier wieder Fussball und es ist recht laut. Ich bin auch nicht so wirklich motiviert zu schreiben aber ich kann euch ja jetzt nicht hängen lassen. Ich fang‘ mal an, vielleicht kommt die Motivation ja bei der Arbeit.

Es war Sonntag der 06.06.’10, der erste Geburtstag meines Neffen, als wir in St. George, Bermuda ausgelaufen sind. Morgens noch letzte Arbeiten, Wasser bunkern, Besuch beim Zoll und so weiter. Um 16:15 dann Leinen los und ein paar hundert Meter zur Tankstelle. Für viel Geld nochmal den Dieseltank auffüllen und dann weg. Über Funk: „Bermuda Radio! Bermuda Radio! This is sailing vessel Daddeldu. We aquire clearence for Town-Cut-Channel outbound.“ „Sailing vessel Daddeldu! Daddeldu for Bermuda Radio! We expect no comercial vessels at the moment. You are clear to pass Town-Cut-Channel outbound. […] Have a safe trip and good by.“

Das war’s. Ein letzter Blick zurück über die türkise Bucht. Einfahrt in den engen Kanal und dann wurde das Wasser wieder tiefblau. Eine leichte Welle steht auf der See, wir setzen Segel und lassen die Insel hinter uns. Kurs 50 Grad. Fast 2000 Meilen liegen vor uns. Das letzte kalte Bier wird geöffnet und langsam versinkt Bermuda im Meer. Ein schönes aber auch seltsames Gefühl. Wir machen fünf Knoten, sind zufrieden und die Gedanken gehen in Richtung Heimat und das große Wasser das vor uns liegt. Was uns wohl erwartet? Man weiß es nicht, aber wir sind zuversichtlich. Wir passieren die Ansteuerungstonne Bermuda und jetzt sind wir wirklich wieder alleine auf dem Ozean…

Vorwärts!

Zum Abendbrot gibt es Spagetti alio al oilio, schmeckt gut aber wir waren zu lange an Land. Christian und ich sind wieder leicht Seekrank. Aber ohne kotzen. Als der Abwasch gemacht ist sitzen wir zusammen im Cockpit und sprechen über die neuen Wacheinteilungen. Ralf musste uns ja leider vorzeitig verlassen und jetzt sind wir nur noch zu dritt. Wir wollen also Einzelwachen gehen. Von 21-06 Uhr. Jeder drei Stunden. Ist vielleicht auch nicht schlecht wenn man ein bisschen Zeit alleine sein kann.

Wie gesagt, das Wasser ist relativ ruhig und wir machen gute Fahrt. Aber um 20:05 passiert es dann.
Wir hören ein dumpfes Blasen direkt vor dem Bug. Definitiv kein Delphin. Bevor irgendjemand reagieren kann gibt es plötzlich einen heftigen Stoß und lautes Poltern am Rumpf. Das Schiff wird schlagartig von über fünf Knoten Fahrt auf unter einen Knoten abgebremst. Das Wasser unter uns beginnt zu brodeln und färbt sich braun vom Blut. Wir sehen noch eine flache Rückenflosse abtauchen. Das Schiff nimmt wieder Fahrt auf und wir stürzen an die Reling. Zwei Bootlängen hinter uns taucht er nochmal kurz auf. Eine Möwe stürzt sich gierig auf das verletzte Tier. Wir haben tatsächlich einen schlafenden Wal gerammt! Ich dachte immer so etwas gibt es nur in Büchern, aber es ist tatsächlich passiert. Kein Seemannsgarn!

Wir vermuten das es ein Pilotwal gewesen ist. Aber sicher sind wir nicht. Jedenfalls kann er so klein nicht gewesen sein, wenn er unser 13 Tonnen Schiff aus voller Fahrt fast zum Stillstand bringt. Da zahlt es sich für uns aus ein Stahlschiff zu haben. Für den Wal wohl nicht. Der hat mit Sicherheit einige gebrochene Knochen und so wie der geblutet hat wird ihm die scharfe Kielspitze wohl die Seite aufgerissen haben. Ich glaub nicht das er das überlebt. Da werden sich wohl die Haie drum kümmern.

Ein anderer Pilotwal.

Wir segeln mit einem ganz schön beschissenen Gefühl im Bauch weiter. Gott sei dank scheint nichts kaputt gegangen zu sein. Auch die Windfahnensteuerung hat es wohl unbeschädigt überstanden. Aber ob das ein schlechtes Omen gewesen sein soll? Die Crew von Columbus hätte das wohl so gedeutet. Wir wissen es noch nicht.

Ich habe immer noch einen Kater und das fragwürdige Glück die erste Wache zu haben. Aber wenigstens hat der Adrenalinstoß durch den Crash meine Übelkeit vertrieben. Ich bin hundemüde aber ungefähr in der Mitte meiner Wache höre ich einen weiteren Wal in der Dunkelheit blasen. Das Geräusch ist unverkennbar und nicht mit Delphinen oder Wellen zu verwechseln. Das macht mich schlagartig wieder wach.
Als ich endlich in die Koje darf und der Skipper die Verantwortung trägt werde ich vom poltern des schlecht gestauten Proviants wach gehalten. Ja, wir müssen uns noch ein wenig einrichten bevor wieder ruhige Bordroutine einkehren kann. Mitten in der Nacht löst sich wieder der Spiebaum, der mir damals den Lüfter weg geschlagen hat. Jens schlägt ihn ab und sichert ihn an Deck. Jetzt sollte er fürs erste Ruhe geben.

Der Montag verläuft ruhig. Wir machen zwischen vier und sechs Knoten Fahrt und sind alle noch müde. Der ungewohnte Seegang ist noch anstrengend und wir schlafen alle drei recht viel. Die beiden kleinen sind noch ein wenig seekrank und essen nur mit Mühe. Wir sind mit unserem Etmal von 134 Meilen netto Annäherung an die Azoren sehr zufrieden. Am Nachmittag streichen wir die Bermuda Gastlandsflagge. Jetzt sind wir wirklich wieder im Blauwasser. Nachts habe ich wieder eine unheimliche Begegnung. Das Meeresleuchten ist sehr intensiv. Die Bugwelle sieht aus wie eine grüne Wunderkerze und das Kielwasser wie die Milchstraße. Dann fahren wir plötzlich durch eine Wolke von Elektrikern die wie ein einziger Organismus blinkt. Sie ist ca. zwei mal drei Schiffslängen groß und es kommt mir so vor als wäre ich auf den Schwarm gestoßen, den Frank Schätzing in seinem Buch beschrieben hat.

Am Dienstag gibt es Steaks. Christian und mir geht es langsam besser aber durch das Fleisch wird uns wieder leicht übel. Trotzdem schaffen wir es die Mahlzeit bei uns zu behalten. Es gibt einen ersten Regenschauer aber wir sind froh über unser gutes Etmal von 150 sm.

Am Mittwoch wird das Wetter schlechter. Es gibt heftige Regengüsse und im dicksten Schauer müssen wir natürlich reffen. Machen mit gerefftem Groß immer noch über sechs Knoten. Mittags flaut der Wind wieder ab und wir reffen aus. Christian liest angeblich 500 Seiten in seinem Buch und macht die Angel klar. Leider erfolglos. Jens bereitet uns sehr leckere Bratkartoffeln und ich habe jetzt seit über 16 Stunden seltsame Kopfschmerzen. Nicht so schön. Ich schlafe viel aber das hilft auch nicht. Drei Aspirin schaffen schließlich Abhilfe aber das kann es irgendwie nicht sein.

Es gibt kein schlechtes Wetter...

Donnerstag bleibt der Wind weg. Wir angeln aber fangen immer noch nichts. Die segeln schlagen und wir machen mit mühe und Not ein bis zwei Knoten. Das nervt und leichter Frust kommt auf zumal die Dühnung noch recht hoch ist und nicht mal dem Blister setzen können. Der würde nur tierisch schlagen und das bringt dann auch nichts.

Aber schon am Freitag sind die Bedingungen komplett verändert. Der Wind legt immer weiter zu und es gibt wieder starke Schauer. Wir werden immer schneller und müssen am frühen Abend wieder im Strömenden Regen reffen. Wir haben an die acht Beaufort und die See baut sich auf. Wer vom Vorschiff kommt ist wieder durchgeweicht. Aber das kennt ihr ja schon. Wir erreichen Spitzengeschwindigkeiten von über neun Knoten! Und das mit gerefftem Groß. Das ganze Schiff vibriert aber wir freuen uns über die Rauschefahrt. Am Abend wagt sich Jens an den Herd und bereitet uns ein Gulaschsuppe, was wirklich eine Leistung ist bei der Lage und dem Stampfen. Gierig verschlingen wir das Dosenessen. Wer weiß wann es das nächste mal was zu Essen gibt?

Ein bisschen Wind...

...schadet nicht.

Wir kommen gut voran und Samstag Mittag fällt die Logge wieder auf „lahme“ fünf Knoten. Wir reffen wieder aus und stellen fest: Wir sind so weit nach Osten gekommen, dass es Zeit wird die Borduhr wieder eine Stunde vor zu stellen.

Logbucheintragungen.

So, mir reicht’s jetzt für heute. Ich werd‘ noch ein paar Fotos hochladen aber das sollte kein Problem sein. Wir sind wieder in Europa und hier ist das Netz zwar immer noch langsam aber es funktioniert!

Liebe Grüße, Henning

Ankuft in Europa

Samstag, Juni 26th, 2010

Bar da Marina, Horta, Azoren, Portugal, 26.06.’10

Hier ist er wieder, der Auslandskorrespondent ihres Vertrauens. Back in the EU! 🙂

Es war wieder ’ne lange Überfahrt aber wir haben sie gut überstanden und sind ohne Probleme nach Horta gekommen. Wir hatten diesmal günstigere Winde als auf dem letzten Schlag und sind auch beinahe auf der direkten Kurslinie geblieben. So haben wir die ca. 1800 Seemeilen in guten siebzehn Tagen geschafft. Der letzte Wetterbericht in St. George hat den Skipper dazu bewogen unseren ursprünglichen Plan mit der stürmischen Nordroute, die eigentlich der klassische Weg gewesen wäre, fallen zu lassen und lieber direkten Kurs zu fahren. Hat sich ausgezahlt. Wir hatten genug Wind, sind gut voran gekommen und die Polen, die wir noch aus St. George kennen, haben uns erzählt sie hätten auf der Nordroute permanent auf die Mütze gekriegt.

A long way home...

Ich melde mich jetzt erst bei euch weil ich erst mal ankommen musste und abwarten wollte bis der feste Boden unter meinen Füssen aufhört zu schwanken. Jetzt geht’s wieder und der Kater vom Ankunftstag ist weg. Nachdem wir am Do den 24.06. gegen 15:45 an der Rezeption der Marina zum Einklarieren fest waren gab es natürlich erst mal einen kleinen Rum. Dann wurde getankt und an einen der letzten Stegliegeplätze verholt. Nach einem weiteren Rumcocktail ging es dann auf Landgang. Horta ist ein kleines charmantes Städtchen mit einer netten Marina und tollem Blick auf den Pico, den Vulkan auf der Nachbarinsel. Man merkt sofort, dass man wieder in Europa ist. Die Stadt ist hübsch aber alt und teilweise ein wenig rustikal. Nicht so Disney mäßig wie Amerika oder die Bermudas.

Warten auf den Zoll.

Unser erster Weg führte uns natürlich zu Peters „Cafe Sport“, der berühmtesten Kneipe im Atlantik. Hier kehren seit hundert Jahren die Fahrtensegler ein. Leider war der Laden wegen eines Feiertages geschlossen. Genau so wie auch alle anderen Lokalitäten in Hafennähe. Aber wir hatten echt Hunger und vor allen Dingen ordentlichen Brand. Also nicht aufgeben sondern weiter suchen. Am Badestrand fanden wir dann ein kleines Strand Cafe das uns symphatisch war. Hier gab es ’ne schöne Terrasse mit Meerblick, den hausgemachten Azoren Frischkäse, Quische (keine Ahnung wie man das schreibt), wirklich leckeren portugiesischen Kuchen und vor allem endlich wieder richtiges Bier aus echten Gläsern! Das beste Bier seit Hamburg. Na ja was soll ich sagen? Wir haben uns nicht lumpen lassen und nach zweieinhalb Wochen Abstinenz hat das Bier auch recht schnell Wirkung gezeigt. Wir haben die Reise Revue passieren lassen und uns danach das erste WM-Spiel angesehen. Kamerun vs Holland. Is‘ klar für wen wir waren, ne? Jedenfalls nicht für Holland!

Bier und Käse.

Nett haben wir es hier.

Nach dem Spiel sind wir gut angeditscht wieder an Bord. Auf dem weg zum Steg hat der Skipper ein wenig die Orientierung verloren kam aber wenig später doch noch an Bord und hatte auch noch unseren „Neuen“ dabei. Werner! Eigentlich wollten wir ja in die Koje aber das musste natürlich begossen werden. Es gab noch Rum und ich habe keine Ahnung mehr wann und wie wir ins Bett gekommen sind. Müsst ihr Werner bei Gelegenheit mal nach fragen der weiß wahrscheinlich als einziger noch wie der Abend geendet ist.

Am nächsten Tag alle ’ne dicke Birne und Frühstück bei Peter viel auch aus. Stromausfall. Egal Kaffee kochen können wir auch an Bord. Werner und seine Freundin Irene kamen zu Besuch. Ich glaube wir waren schon mal fitter am Frühstückstisch, aber da muss man dann durch. Gegen Mittag gab es wieder Strom und wir mussten leider ins Cafe da Marina zum Fussi gucken. Portugal vs Brasilien war Pflicht. Der Laden war gerammelt voll und überraschend viele Brasilianer hatten sich eingefunden. Mir brummte noch etwas der Kopf aber gegen Abend ging es wieder. Wir waren mit Irene und Werner im Cafe Sport zum essen verabredet. Sehr lecker und diesmal ist es nicht ganz so ausgeartet.

Hooligans!

Jedes Schiff hinterlässt ein Bild an der Kaimauer.

Heute morgen wurden dann die Fotos gesichtet und verkleinert und das große Putzen gestartet. Ich bin jetzt frei gestellt und schreibe hier in der Bar während nebenan die Wäsche läuft. Wir sprechen zwar kein Portugiesisch und das Englisch der Leute hier ist schlecht aber wir geben uns Mühe und kommen mit ein paar Brocken aus dem Reiseführer ganz gut klar. Es tut gut wieder in Europa zu sein.

Henning

Wir sind wohl jetzt da!

Freitag, Juni 25th, 2010

Alles klar, uebermorgen schlagen wir England! Wir haben noch einen dicken Kopf vom Anleger und so. Demnaechst mehr.

Herzlichst

Eure DADDELDU Crew

Jetzt sind wir wohl länger weg.

Sonntag, Juni 6th, 2010

A. B. d. Daddeldu, Captain Smokes Marina, St. George, Bermuda, 6.6.’10

So,…
Wir sind gleich klar zum Auslaufen. Wasser ist gebunkert und noch ein paar kleine Reparaturen sind beendet worden. Wir haben nach dem Abschied von Ralf noch ein bisschen selbst verordnete Ruhe genossen und viele Versuche mit der Internetverbindung gemacht. Am Sa wurde gearbeitet und ich bin mit den Israelis vom Nachbarschiff zum Einkaufen gefahren. Hauptsächlich Gemüse und Trinkwasser. Abends gab es eine längere Grillparty zusammen mit den Israelis. Als unsere Nachbarn im Bett waren haben Christian und ich noch ein paar Fotos ins Netz geladen und als wir gerade auch schlafen wollten kamen die kanadischen Jungs noch zu uns. Na ja… wir waren um halb drei im Bett. Heute morgen dicke Köpfe und der vergebliche versuch an Land ein Frühstück zu bekommen. Dann wieder arbeiten an Bord. Es ist jetzt viertel nach drei und wir müssen gleich los. Die Tanke macht um fünf zu und wir brauchen noch Diesel für den möglichen Flautengürtel um die Azoren herum.

Nach dem Tanken geht’s auf See. Diesmal sind wir nur zu dritt und erwarten einen etwas sportlicheren Schlag. Die Nordrute kann manchmal etwas windig sein, aber keine Sorge, wir kriegen das schon hin und sind wie immer Vorsichtig.

Der Schlag ist ca. 1850 Seemeilen lang und wir hoffen um den 23.6. herum dort zu sein.

!Aber das ist nur unsere ETA. Also nicht gleich verrückt werden wenn wir uns um ein paar Wochen verspäten! 😉

Bis bald, und drückt uns die Daumen für GÜNSTIGE Winde.

Henning, Christian und Jens.

Good night and good luck.

Miles and more (Part two) und der Landfall

Samstag, Juni 5th, 2010

Captain Smokes Marina, St. George, Bermuda, 04.06.’10

Leider hatten wir in den letzten Tagen keine Möglichkeit online zu gehen, was man an der differenz zwischen Erstellungsdatum des letzten Blogeintrages und der Veröffentlichung sehen kann. Aber jetzt scheint es wieder zu laufen.

Den Mittwoch, 2.6., brauchten wir erst mal um unsere nassen Sachen zu trocknen und wenigsten ein bisschen unter Deck aufzuklaren. Ich habe einige Stunden in meinem selbstgebauten Offline-Cafe verbracht und geschrieben. Christian und Jens haben versucht die Lichtmaschine zu reparieren damit wir in Zukunft auch unterwegs unsere Bordnetzbatterien laden können. Leider mit mäßigem Erfolg. Aber das Problem wird langsam eingegrenzt. Ralf hatte morgens ein Telefonat mit seinem Chef. Das traurige Ergebnis des Gespräches war, dass er aufgrund unserer Verspätung leider nicht mehr bis zu den Azoren bei uns bleiben kann. Die Pflicht ruft und er wird uns leider heute, am Freitag verlassen müssen. Das ist sehr schade für uns, da wir Ralf als Crewkameraden vermissen werden und außerdem auf dem langen Schlag, der vor uns liegt, nur noch zu dritt sein werden. Für Ralf ist es aber noch trauriger, dass er nun auf dem großen Seestück nicht mehr dabei sein kann.
Er fuhr also am Mittwoch mehrmals zum Flughafen um seine Rückreise zu organisieren. 🙁

Scheiden tut weh...

Am späten Nachmittag waren wir Zeugen eines schlimmen Motorbrandes. Ein Motorboot hatte Feuer gefangen und trieb lichterloh brennend durch die Bucht aufs Ankerfeld und den Hafen zu. Wir waren zwar in Luv des Unfalls aber es kamen trotzdem unangenehme Gefühle auf. Als das Feuerlöschboot endlich vor Ort war um den Havaristen vom Ankerfeld wegzuschleppen war das Boot schon bis auf die Wasserlinie ausgebrannt.

Vorher.

Nachher.

Der Geruch nach verbranntem Plastik lag noch bis spät in die Nacht über der Bucht und vermieste uns den abendlichen Landgang. Luxusprobleme…

Am Donnerstag packten wir endlich unsere Badetaschen und machten uns auf Inseltour. Um endlich mal wieder etwas Wasser zu Gesicht zu bekommen stiegen wir auf die Fähre und fuhren zum Kreuzfahrtterminal am alten Fort auf der Nord-Westspitze der Insel. Abseits der ausgetretenen Touristenpfade, lediglich von ein paar hundert amerikanischen Rentnern begleitet begaben wir uns auf Entdeckungsreise in der örtlichen Shoppingmall. Als wir damit durch waren wollten wir endlich Schnorcheln gehen. Leider kostete der Strand 5$ eintritt und so beschlossen wir mit den öffentlichen Bussen lieber einen anderen Ort zum Baden zu suchen. Wir stiegen auf blauen Dunst einfach irgendwo wieder aus und begaben uns über kleine Nebenstrassen auf den Weg zum Wasser. Leider war die schöne Bucht nicht wirklich interessant und dicht bebaut mit privaten Villen so das wir keinen rechten Zugang zum Wasser fanden. Also wieder zum Bus und noch ein paar Stationen weiter. Die Straßen hier sind übrigens in sehr gutem Zustand und die Busse modern. Allerdings sind die Straßen sehr eng und kurvenreich und die Busfahrer fahren sehr ambizioniert im Nascarstyle. D.h. Accelerating in the curves.

Nette Häuschen...

Private properties...

An der Horse-Shoe-Bay verließen wir das rasante Gefährt. Eine steile Straße führte den Weg zum Strand hinab. Eine Hufeisenförmige Bucht (wer hätte das gedacht) mit rosa Strand und türkiesem Wasser. Eingerahmt von steilen Felsen mit einem vorgelagertem Riff. Der Strand war gut besucht aber nicht überfüllt und so fanden wir noch ein ruhiges Plätzchen für unsere Handtücher. Das Wasser war herrlich. 23 Grad warm. Wir legten sofort unsere Schnorchelausrüstung an und ab zum Riff. Leider war das Wasser nicht ganz so klar wie es wirkte und auch die Unterwasserwelt war für Karibik verwöhnte Taucher nicht allzu aufregend. Trotzdem schön. Endlich ein richtiger Strandnachmittag.

Horse-Shoe-Bay.

Baywatch II

Gegen 1700 Uhr machten wir uns wieder an den Aufstieg zum Bus. Weiter nach Hamillton, der Hauptstadt der Insel. Dort gingen wir ein wenig spazieren und suchten uns dann ein nettes Bistro um eine Kleinigkeit zu essen und endlich den berühmten Rum-Swizzel zu probieren. Auf den Bermudas ist alles schweineteuer und das Bistro machte da keine Ausnahme. Also verholten wir in eine Sportsbar, die laut Reiseführer die billigsten Getränke der Stadt hatte. In etwa Kiezniveau. Ralf war schon früh müde geworden und verabschiedete sich gegen 9 um schon zurück an Bord zu fahren. Die drei Quades saßen noch ein wenig länger beisammen, nahmen aber auch um viertel vor elf den Bus zurück nach St. Georges.

Einer ist hier falsch.

Langweilig...

An Bord bzw. im Offlinecafe gab es noch einen Absacker und da der große Frachter inzwischen wieder ausgelaufen war hatten wir auch wieder eine wackelige Netzverbindung. Keine drei Stunden und eine menge Gefluche später war der letzte Artikel samt Fotos auch schon hochgeladen.

Aber es wurde ja noch gar nicht berichtet wie es uns in der zweiten Woche auf See erging. Hier ist mein Bericht:

Nach unserem Badeausflug und Frühstück am Donnerstag den 27. starteten wir ja unsere Maschine und liefen den ganzen Tag und die ganze Nacht mit Motorkraft. Auch nervig weil das Schiff stärker rollt und die Maschine ziemlich laut ist. Aber wir machten einige Meilen und das war uns inzwischen doch wichtiger geworden. Christian und ich sind seit dem Sturm einigermaßen Seefest geworden und uns wird jetzt beim Kochen nicht mehr schlecht nur weil wir Bratendüfte und Spiritus- bzw. Petroliumgeruch in der Nase haben und sich die Küche mehrere Meter auf und ab bewegt.

Flaute...

Longtail.

Gegen sechs Uhr morgens geben wir der Maschine eine Pause und setzen wieder Segel. Wir haben nur 1 bis zwei Windstärken und kommen nur langsam voran. Dafür ist wieder Ruhe. Der Wind
legt zu und um 8 haben wir wieder 6-7 Windstärken. Die See war ja ohnehin noch recht hoch und türmt sich jetzt wieder ordentlich auf. Gute 3-4 Meter Welle aber das beeindruckt uns jetzt nicht mehr. Wir reffen und machen trotzdem sieben Knoten. Geiles segeln! Gegen Mittag verliert Ralf unter Deck den halt. Er fliegt durch den Salon und knallt mit vollem Kampfgewicht gegen den Tisch. Dieser hält dem Druck nicht stand und reißt aus der Verankerung. Ralf ist gottseidank nichts passiert aber der Tisch fliegt nun durch die Gegend. Wir schmeißen uns fast weg vor lachen. Der Skipper sagt ganz locker: „Das muss der Tisch eigentlich ab können. Wenn er das nicht kann müssen wir das besser machen.“ Trotz Seegang etc. werden die Werkzeugkisten rausgeholt und Christian bohrt mit dem Handbohrer die Bodenplatte durch. Jetzt wird der Tisch anständig durch gebolzt und ’ne Stunde später sieht man nichts mehr von dem Vorfall.

Alle Tische fliegen hoch...

Wir brettern mit sechs Knoten durch die Nacht. Am morgen lässt der Wind etwas nach auf fünf später vier Beaufort. Um drei wird die Bordzeit eine Stunde vorgestellt. Wir sind jetzt soweit nach Osten vorgedrungen, dass wir nur noch fünf Stunden hinter der deutschen Zeit liegen. Um sechzehn Uhr reffen wir aus und laufen jetzt wieder unter Vollzeug.

Am Samstag ändert sich nicht viel aber am Sonntag morgen schläft der Wind wieder ein. Um vier bergen wir die Fock und starten die Maschine wieder. Um achtzehn Uhr beschließen wir noch eine Badepause zu machen und lassen die Maschine kurz abkühlen. Wir bereiten uns ein anständiges Sonntagsessen. Kartoffelbrei aus frischen Kartoffeln und dazu Spiegeleier und Erbsen und Möhren aus der Dose. Zum Nachttisch Fruchtcocktail aus der Dose. Saft aus richtigen Gläsern. Das tut gut und so starten wir nach zwei Stunden Pause wieder den Jockel.

Nachts sichten wir das erste Schiff seit vier Tagen und machen unsere Positionslichter doch lieber für eine halbe Stunde an. Stromsparen damit wir noch Reserve haben um Bermuda-Harbour anfunken zu können.

Am Montag ist wieder Action angesagt. Leichter Wind mit ein bis zwei Beaufort kommt auf. Das besondere ist, er kommt zum ersten mal aus Westen! Sonst immer nur von vorne. Das ist zwar lächerlich wenig aber das bietet uns die Chance endlich den neuen Blister auszuprobieren. Nicht zuletzt durch die eine Millionen Klicks in diesem Blog hier sind wir ja inzwischen weltberühmte Hochseelegenden geworden. Somit haben wir auch standesgemäß einen Sponsor. Ralfs Firma MARTRADE SHIPPING hat uns großzügiger weise das neue Segel spendiert. Also packen wir das gute Stück jetzt mal aus. Neunzig Quadratmeter strahlend weißes, ultra leichtes Segeltuch. Ein Ballonsegel für leichte Winde von achtern. Ralf dokumentiert das erste Setzen mit der Videokamera und Christian und ich schlagen das Teil an. Wir ziehen den Schlauch hoch, legen die Schoten klar, kontrollieren nochmal alles und dann der große Augenblick da. Wir ziehen den Schlauch ab und wusch, breitet sich der Ballon aus. Der stolze Orka von MARTRADE SHIPPING zieht uns vorwärts. Wir haben kaum Wind aber der Orka zieht uns mit sechs Knoten. Der Hammer! Fotos werden gemacht und wir sind froh und stolz das alles so gut geklappt hat. Das ist nämlich mit so einem Blister schon ein bisschen anders als mit anderen Vorsegeln. Und das beste, wir segeln ausnahmsweise mal in die richtige Richtung.

90 m²...

...werden bestaunt.

Das geht noch bis zum Abend so weiter, dann wird der Wind zu unsteht und wir haben angst, der Blister könnte Schaden nehmen wenn man in der Dunkelheit die Winddreher nicht rechtzeitig mitbekommt. Dann fällt er nämlich zusammen und wenn er dann vom Wind schlagartig wieder aufgepoppt wird entstehen ganz schöne Kräfte, die dem Tuch nicht gut tun. Man muss sehr aufmerksam Ruder gehen wenn der Blister oben ist und schnell jeden Winddreher mitsteuern wenn man das Schlagen des Segels vermeiden will. Die Selbststeueranlage schafft das nicht. Als es dunkel wird starten wir die Maschine wieder.

Wäsche waschen

our new girlfriends

Ich sitze hier mal wieder im Waschsalon und schreibe. Leider habe ich die Logbücher vergessen und so habe ich momentan Schwierigkeiten mich an die genauen Ereignisse der letzten Tage auf See zu erinnern. Ich glaube wir hatten viel Flaute und ein paar Tage wenig Wind aus nur bedingt günstigen Richtungen. Jedenfalls war Bermuda schon deutlich zu erkennen als ich am Dienstag um acht aufstand. Zuerst war ich ein wenig enttäuscht, da die Insel im Dunst recht unspektakulär aussah. Aber als wir näher kamen konnte man erkennen, dass sie im richtigen Licht wohl doch recht hübsch sein muss. Auch war es eigentlich egal wie sie aussieht. Nach so langer Zeit auf See war ich einfach nur froh bald wieder anlanden zu können. Wir fuhren ca. eine Meile vom Ufer entfernt die Südostküste entlang und langsam verzog sich der Dunst. Die Sonne kam raus und die Insel wurde immer schöner. Das Wasser wurde türkies und unheimlich klar. Mit unheimlich meine ich gruselig, da man trotz 15 m Wassertiefe die Felsen auf dem Grund sehen konnte.

Land in Sicht

endlich neue Gastlandsflagge setzen

Als wir das Ostende der Insel erreichten waren wir schon alle hellauf begeistert und dann fuhren wir in den Town-Cut-Channel ein. Eine fünfzig Meter breite in den Felsen gesprengte Fahrrinne die in die Bucht von St. George führt. Links und rechts der Einfahrt liegen pastellfarbene Villen am Hang, Palmen und subtropische Blütengewächse. Als wir durch die Engstelle hindurch sind öffnet sich ein weite, rundum geschlossene und türkies blaue Bucht vor uns. Wunderschön. Rechts neben uns liegt das Ankerfeld mit ca. zwanzig Segelyachten. Viele Kanadier ein paar Ammis und einige Europäer. Voraus liegt die kleine Zollinsel mit einem Uralten aber top gepflegten Zollhäuschen, dahinter der kleine aber inzwischen gottseidank still gelegte Cruiseship-Terminal. Am rechten Ufer liegt das kleine Städtchen St. George. Sehr hübsch alles.

Ralf macht klar zum Einlaufen

Wir müssen beim Zoll einklarieren und halten auf den Zollanleger zu. Der einzige Liegeplatz ist aber noch von einem Kanadier belegt. Der Zollbeamte am Ufer ruft uns zu wir sollen uns einen Augenblick gedulden. In zehn Minuten können wir wiederkommen. Also drehen wir ab und fahren ein paar Kringel in der Bucht. Erstmal einen Überblick verschaffen. Hinter dem alten Cruiseship-Terminal ist der „Industriehafen“, eine Kaimauer mit Platz für einen mittleren Frachter. Noch ein Stück weiter liegen drei Yachten mit dem Heck zum Land an einer kleinen Kaimauer. Captain Smokes Marina. Das sieht eigentlich ganz nett aus. Sehr ruhig vor allem. Das ist wichtig, denn wir haben inzwischen ein wenig Angst vor Menschen und vor allen Dingen keine Lust gleich in irgendwelchen Trubel zu geraten.

Customs Office

Ex - Cruiseshipterminal

Aber bevor auch nur einer von uns an Land darf müssen wir beim Zoll das OK abholen. Der Kanadier liegt immer noch wo er war und drehen wir weiter unsere Runden, sind mächtig aufgeregt ob des bevorstehenden Landgangs. Und wir sehnen uns nach Eis und kühlen Getränken, einer Dusche und etwas leckerem zu Essen. In der Bucht ist es fast Windstill und die Sonne brennt unbarmherzig vom Himmel.

Nach ca. einer Stunde sehen wir wie der kanadische Skipper wieder an Bord geht und die Crew die Leinen los schmeißt. Endlich sind wir dran. Jens legt einen souveränen Anleger hin und Ralf und ich steigen lässig mit den Leinen über. Das Schiff liegt und ein sehr freundlicher und höflicher Zollbeamte heißt uns willkommen. Er hat einen Stapel Papiere mitgebracht die wir jeder ausfüllen müssen. Aber das ist schnell erledigt. Der Skipper nimmt die Papiere und unsere Pässe an sich und verschwindet im Zollhaus. Wir anderen müssen an Bord warten. Wir beginnen schon mal damit den Kühlschrank leer zu schöpfen (geschmolzenes Eis von vor zwei Wochen) und ihn gründlich zu reinigen. Der stinkt nämlich auch ganz schön. Dann wird er mit Büchsen gefüllt und ist nun bereit für einen frischen Sack Eiswürfel.

Jens kommt zurück, aber wir freuen uns zu früh. Er muss unsere Seenotrettungspistole abgeben und noch irgendwelche Unterlagen nachreichen. Nach ca. einer Stunde ist es dann aber geschafft. Wir haben die Erlaubnis die Insel zu betreten. Direkt neben der Zollinsel sind ein paar Liegeplätze aber sie befinden sich direkt am Marktplatz und einer Bar aus der laute Musik dröhnt. Sieht zwar nett aus ist uns aber viel zu stressig. Wir müssen uns erst mal wieder an den Großstadttrubel dieses 1000 Einwohner Ortes gewöhnen. Also verholen wir zu Captain Smoke da wir Strom für unsere Bordbatterien brauchen und gerne Duschen wollen. Deshalb lieber nicht Ankern.

Als wir einigermaßen vernünftig liegen wird Christian von Bord um Eis zu besorgen. Es gibt als Anleger einen Campari mit Grapefruitsaft und Eis! Den Rest kennt ihr.

Erstmal trocknen

Henning

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Die in diesem Blog veröffentlichten Meinungen und Kommentare sind lediglich private Äußerungen des Autors und entsprechen nicht den Ansichten von MARTRADE SHIPPING oder deren Mitarbeitern.

Miles and more (Part one) oder: Die große Überfahrt (Teil eins)

Freitag, Juni 4th, 2010

Ein echter Akt, aber hier ist er endlich:

A. B. d. Daddeldu, Captain Smokes Marina, St. Georges, Bermuda, 2.6.’10

Land in Sicht!

Guten morgen Liebe Leser,
wir haben die erste Nacht im Hafen seit fast zwei Wochen sehr genossen. Zum ersten mal wieder länger als vier Std. am Stück geschlafen und sind jetzt fast wieder ausgeruht. Nachdem Christian gestern als erster von Bord geschickt wurde um einen herrlichen Sack Eis zu besorgen, gab es erst mal einen Anleger. Ihr verwöhnten Stadtmenschen könnt euch nicht vorstellen wie gut so ein kaltes Getränk tun kann. Echt der Hammer!

Der Eismann.

Anschließend sind ich und Ralf duschen gegangen und haben uns eilig auf den Weg zum Postamt gemacht um meine heiß ersehnte Post in Empfang zu nehmen, die dummerweise nur bis zum 31. postlagernd auf mich warten sollte. Leider hat die relativ hilfsbereite Postbeamtin mir recht glaubhaft versichert, dass nichts für mich gekommen, geschweige denn weggeworfen worden sei. 🙁 Ich soll mich Montag nochmal melden. Da sind wir aber leider nicht mehr hier. Tja das sind die persönlichen Schicksalsschläge die man so erleidet… Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf. Vielleicht kommt sie ja noch mit dem nächsten Postschiff?

Deutsche Touristen!

Jedenfalls haben wir beide bei unserem Postausflug gleich mal einen Blick auf das wunderschöne Städtchen St. Georges werfen können. Kleine alte Häuser und enge Gassen, liebevoll in Stand gehalten und in Pastelltönen gestrichen. Palmen und Oleander, Subtropische Pflanzenwelt und trotz des kleinen Kreuzfahrtterminals und einer gewissen, touristisch orientierten, Struktur sehr angenehm. Die Einheimischen sind sehr nett und höflich ohne dabei aufdringlich zu sein. St. Georges liegt an einer rundum geschützten türkies blauen Bucht in der Segelschiffe ankern. Die Insel ist insgesamt sehr grün und hügelig. Steile Felsen wechseln sich mit leicht rosanen Stränden ab und zumindest die Ecke in der wir sind ist nicht zu eng bebaut. Der erste Eindruck ist wunderbar! Wir sind bis zum Rathausplatz geschlendert haben uns die Restaurants angesehen und sind dann zurück an Bord.

Einlaufen in den Town-Cut-Channel.

Dort hatten Jens und Christian inzwischen das Schiff etwas aufgeklart, die Selbststeueranlage demontiert und vor allem das Deck von der dick auskristalisierten Salzkruste befreit. Jetzt können wir endlich unsere Matratzen an Deck trocknen, die seit ’ner guten Woche, schön durch genässt, vor sich hin modern. Als die beiden auch geduscht waren und wir eine erste Nachricht über die gewohnt wackelige Internetverbindung abgesetzt hatten, ging es gemeinsam auf Landgang.

Auf dem Weg zum auserkorenen Restaurant wurden wir von einer Frau in der typischen Tracht des 18. Jahrhunderts angesprochen und eingeladen ihrer Darstellung von Frauenbestrafungen der alten Tage beizuwohnen. Auf dem Marktplatz waren ein paar Stände mit kubanischen Zigarren und T-Shirts etc. aufgestellt. Ein DJ beschallte den Platz mit Steelband Rhythmen. Viele Einheimische und ein paar Touristen standen in losen Gruppen beisammen oder saßen auf Bänken um den Platz vor dem historischen Rathaus und genossen den lauen Abend. Chris und ich organisierten vom nahen Supermarkt ’ne Runde Kaltgetränke, die wir stilecht in braune Papiertüten gehüllt verzehrten.

Brown bags.

Dann ging die Show los. Die Frau war angeklagt ein Lästermaul zu sein und ihrem Mann widersprochen zu haben. Ganz klar, das muss bestraft werden! Also ab auf den Tauchstuhl mit ihr. Eine lange Wippe mit einem Stuhl am einen Ende, auf dem die Frau unter lautem Wehgeschrei postiert wurde, sollte ins Hafenbecken getaucht werden. Leider zerrte der Richter mich und Christian aus der Zuschauermenge und so mussten wir an dem sadistischen Spektakel aktiv teilnehmen und zusammen mit ein paar Schotten den Tauchstuhl bedienen. Die Frau wurde ein paar mal im Wasser versenkt bis sie einsah, sich in Zukunft besser zu benehmen. Das Publikum hatte wohl ähnlichen Spaß an der Sache wie die Leute früher. Nur das die Frauen damals wohl ernsthaft gefesselt waren und nicht nur kurz eingetaucht wurden sondern beinahe ertränkt. Was für eine Gaudi!

Helfershelfer...

...und Opfer.

Nach dem Auftritt als Henkersgehilfen hatten wir uns nun aber doch was zu Essen verdient. Also ab ins White Horse. Ein Restaurant in dem man schön draußen an der Waterfront sitzen konnte. Guter Blick auf den Hafen (wir brauchen halt das Wasser) und den Marktplatz. Es gab Fish and Chips und ein Bierchen. Nach dem Essen noch ein wenig in den Raucherbereich, wo Rolf auch in Ruhe seine Cohiba genießen konnte. Eine kleine Nachbesprechung des letzten Schlages und Planung für die nächsten Tage. Dann hundemüde zurück an Bord und erst mal ausschlafen…

Ja, das war gestern, aber bis dahin war es ein weiter Weg übers Wasser. Ich versuche mal, unter Zuhilfenahme der Logbucheintragungen, das Erlebte zu beschreiben:

Am Freitag den 21. Mai 2010 sind wir früh aufgestanden. Klar Schiff machen zum Auslaufen, die letzte Dusche für diese Woche (?) und dann Leinen los. Pünktlich um halb acht lagen wir am Tankstellen Steg zum Diesel und Wasser Bunkern. Noch schnell die letzten Briefe beim Hafenmeister abgegeben und einen Sack Eis besorgt damit wir zumindest noch zwei Tage ungeschmolzene Butter etc. haben. Die Hafenmeisterin schoss noch ein Gruppenfoto von der unerschrockenen Crew und dann hieß es endgültig: Farewell, land of the free!

To boldly go...

Unter Maschine raus aus der Marina und vorbei an der Skyline der Innenstadt durch den Stadthafen. Deck aufklaren, Fender und Festmacher weg stauen. Den Kram brauchen wir jetzt vorläufig nicht mehr. Die Stadt bleibt achteraus im Kielwasser und wir passieren die Werften und Containerterminals, biegen um die Ecke und vor uns tauchen die Marineanlagen auf. Ein riesiges Kriegsschiff neben dem anderen, soweit das Fernglas reicht. Ganz schön bedrückend. Das Funkgerät plärrt unentwegt Security-Meldungen von auslaufenden Kriegsschiffen, die um Sicherheitsabstand bitten. Irgendwann lassen wir es einfach, uns noch darum zu kümmern. Wir fahren außerhalb des Fahrwassers, dicht neben dem Tonnenstrich und von so großen Pötten halten wir uns ohnehin frei. Dann taucht die Carrierpier vor uns auf. Hier liegen zwei große und ein kleiner Flugzeugträger. Es herrscht reger Helikopter verkehr, die Dinger fliegen immer im Kreis um ihre Mutterschiffe und passen auf das keine Terroristen zu nahe kommen.

Die Sonne scheint, es ist warm und ein ganz leichter Wind hauch weht von Osten her. Die Bucht weitet sich aber hier ist immer noch zu viel Verkehr um bei dem unsteten Wind zu segeln. Wir passieren den Chessapeake-Bay-Bridge-Tunnel und als wir gerade durch diese Engstelle hindurch sind, kommt ein Flugzeugträger von hinten auf und überholt uns. Ich habe den Namen leider vergessen aber ich glaube es war die USS Warcrime, oder so ähnlich. Ein kleines Boot der Küstenwache mit Maschinengewehr auf dem Vorschiff schiebt sich zwischen uns und den Träger. Safety-reasons. Die passen auf das wir mit unserem sprengstoffbepackten High-Speed-Boot nicht zu nahe kommen und vereiteln so unseren Anschlag. Wir dampfen weiter ostwärts. Irgendwann entpuppt sich die große Tonne voraus, als der Turm eines einlaufenden Atom-U-Bootes und das gleiche Spiel mit einem bewaffneten Begleitboot beginnt von vorn.

Don't touch!

Wir fahren ein paar Kreise um unseren Kompass richtig einzustellen. Den brauchen wir Zukunft. Als wir die Ansteuerungstonne der Chessapeake-Bay erreichen setzen wir zum ersten mal nach vier bzw. drei Jahren die Segel. Dann wird die Maschine endlich abgestellt und herrliche Ruhe kehrt ein. Alles ist perfekt, nur der Wind weht genau aus Richtung Bermuda. Wir laufen 2,5 bis 3,5 Knoten und müssen kreuzen. Aber noch sind wir unverzagt. Bei so geringem Wind kann die Daddeldu kaum Höhe laufen und Abdrift und Strom setzen uns uns wieder nach Westen. Wir segeln praktisch auf der Stelle von Norden nach Süden und wieder zurück vor der Chessapeake Mündung.

Es wird Abend. Ralf und der Skipper bilden die Backbordwache und Christian und ich die Steuerbordwache. Die Schichten sind von 2000 bis 0000, von 0000 bis 0400 und von 0400 bis 0800 Uhr. Tagsüber nach Bedarf, so das jeder sich mal ein paar Std. hinhauen kann und immer eine Nacht mit Doppelschicht auf eine Nacht mit nur einer Wache folgt. Wir überstehen die erste Nacht auf See sehr gut. Es gibt ein reichhaltiges Frühstück, zum Mittag ein Stück Obst und gegen 1900 ’ne warme Mahlzeit. Diesen Speiseplan behalten wir auch in den nächsten Tagen bei. Christian und ich haben leichte Anzeichen von Seekrankheit und mögen nicht so gerne unter Deck. Ralf und Jens haben keine Probleme und so kümmern sie sich in den ersten Tagen meistens um die Backschaft. Gegen Mitternacht bleibt der Wind ganz aus und wir dümpeln ein paar Stunden ‚rum. Aber auch das gehört zum Segeln und wir sitzen die Flaute aus ohne zu motoren. Für die Strecke zu den Bermudas reichen unsere 400 Liter Diesel eh nicht aus. Am Horizont sieht man Wetterleuchten. Genau in der Richtung wo wir hin wollen. Wir sind nicht ganz sicher ob wir uns das Gewitter wirklich her wünschen sollen. Wahrscheinlich ist da Wind drinnen, aber vielleicht auch zu viel.

Tagsüber sehen wir ein paar Vögel und Delphine, die vorbei schwimmen, es ist interessant aber nicht spektakulär. Spektakulär ist der Blick aus meinem improvisierten (Internet)-Cafe. Ich sitze in der Marina, die eigentlich nur eine Kaimauer ist, und Platz für ca. 7 Schiffe hat, die römisch-katholisch, mit dem Heck zum Kai an Mooringankern liegen. Momentan liegen hier nur wir und noch ein französisches Pärchen. Es gibt ein kleines Duschhäuschen und einen Grillplatz mit Sonnenzelt unter dem Ich gerade sitze und schreibe. Ich blicke auf unser Schiff und die blaue Bucht, ca. 100 m neben mir wird gerade ein Frachter beladen und es weht ein erfrischender Wind. Aber weiter:

Hemmingway.

Wir segeln auf und ab und nach 48 Std. sind wir mal gerade 27 Meilen von der Küste frei gekommen. Wir können noch nicht mal nach Süden ablaufen, da wir uns noch nicht von Cape Hatteras frei gekreuzt haben und somit Gefahr laufen würden auf dem „graveyard of the outer banks“ zu enden wenn wir zu weit nach Süden kommen. Dort gibt es Sandbänke die weit in den Atlantik raus reichen und auf die haben wir keine Lust. Nach zwei Tagen fällt der Satz: „Der Wind muss jetzt endlich drehen. Egal wo hin. Ich will nur noch weg von diesem […] Amerika!“

Am Pfingstsonntag gibt es natürlich besonders leckeres Essen. Steaks mit Reis und Paprika Gemüse. Aber wir haben immer noch Flaute. Nachts kommt leichter Nebel auf, man sieht wieder Wetterleuchten am Horizont aber sonst passiert nicht viel. Wir machen ein bis zwei Knoten Fahrt durchs Wasser und haben ein Etmal (gesegelte Strecke in 24 Std.) von 35 Meilen, sind aber nur zehn Meilen nach Osten gekommen. Immer noch 570 Seemeilen nach Bermuda. Langsam kommt leichter Frust auf. Auch das ist Segeln.

Einer der eher unspäktakulären Sonnenuntergänge. Die wirklich schönen wurden nur genossen.

In unserer Hundewache (von 0000 bis 0400) Sonntagnacht kriegen Christian und ich einiges zu sehen. Das Schiff läuft mit 2 Knoten unter der Windfahnensteuerung und es ist ein phantastischer Sternenhimmel mit vielen Sternschnuppen. Gegen eins hören wir komische Geräusche im Wasser und sehen helle Schatten durchs Meer gleiten. Der Mond geht auf und wir beobachten ein kleine Schule Delphine, die in unserem Kielwasser folgt. Es sind mindestens zehn Tiere und eine Mutti mit ihrem Jungen ist auch dabei. Sie tauchen immer wieder unter dem Schiff durch und folgen uns über eine Std. Sie scheinen sogar auf unsere Anwesenheit zu reagieren, denn immer wenn wir an einer Stelle des Schiffes zusammen stehen und ins Wasser blicken, dauert es nicht lange bis die Delphine sich auch genau an der Stelle sammeln, wo wir über die Reling blicken. Irgendwann sind sie dann aber weg. Ist wohl doch zu langweilig geworden.

Der Himmel zieht zu und es wird dunkler. Dafür können wir jetzt die Elektriker besser sehen. Das ist phosphorisierendes Plankton und kleine Quallen die anfangen zu leuchten wenn sie durch das vorbei fahrende Schiff gestört werden. Andere Leute behaupten es seien die Seelen der von Günther freigestellten Siemens Mitarbeiter. Das Kielwasser und die Bugwelle leuchten gespenstisch grün in der Schwärze der Nacht. Meeresleuchten. Gegen halb drei ziehen sich zwei Fronten in denen es reichlich blitzt am Horizont zusammen. Unser Kurs führt genau in der Mitte hindurch. Ausweichen ist eh nicht, also bereiten wir uns auf’s Reffen vor, ziehen Parka und Schwimmwesten an und legen die Lifebelts bereit falls wir auf die Mütze kriegen und auf’s Vorschiff müssen. Es blitzt und donnert zwar aber es kommen nur ein paar wenige Regentropfen vom Himmel und der Wind legt nur sehr wenig zu. Als wir um vier die Wache übergeben sind wir schon durch die Front hindurch und der Skipper macht sich lustig über uns weil wir unser „Badezeug“ tragen. Aber auch das ist Segeln.

Ralf und Jens lassen uns gnädig bis um zehn schlafen und als wir an Deck kommen scheint die Sonne. Es hat aufgefrischt wir haben über zwei Meter Welle und laufen sechs Knoten. Geil! Solche Segeltage hat man in Deutschland nur ein bis zweimal im Jahr. Ich brauche etwas Abstand und trinke meinen Kaffee auf dem Vorschiff. Dann sichten wir eine größere Schule Delphine Steuerbord quer ab. Ich setzte mich in den Bugkorb und lasse meine Beine über Wasser baumeln. Aber die Delphine sind wieder weg. Wir haben die Ausläufer des Golfstroms erreicht und das Wasser ist unbeschreiblich. Ein intensives Saphirblau. Die Sonne strahlt und es ist ein herrlicher Vormittag. Plötzlich sehe ich unter mir ein paar helle Schatten durch Wasser schießen. Ich denke schon ich halluziniere, doch dann tauchen sie auf. Die Delphine sind wieder da! Es sind mindestens zwanzig Stück. Im zick-zack Kurs kreuzen sie unsere Kurslinie und einige springen richtig hoch aus dem Wasser. Ein atemberaubendes Schauspiel und das bei fast schon kitschigen Licht- und Farbverhältnissen. Nach ein paar Minuten sind sie eben so schnell wieder weg wie sie aufgetaucht sind.

Wir kommen gut voran wenn auch nur in halbwegs passende Richtung. Es tauchen vermehrt Portugisiesche Galeeren auf. Das sind Feuerquallen, deren Körper aus dem Wasser ragt und ein kleines Segel hat mit dem sie vorwärts kommen. Unter dem Körper hängen ihre fast unsichtbaren Nesselfäden, die angeblich bis zu zwanzig Meter lang werden können und ein starkes Gift enthalten. Eine Berührung damit soll sich wie ein Bienenstich anfühlen und da man sich beim Schwimmen meistens total darin verheddert kann man wohl an dem Schock sterben. Jedenfalls vergeht uns bei ihrem Anblick die Badelust. Außerdem machen wir ja gute Fahrt und werden jetzt nicht anhalten nur weil wir langsam anfangen zu müffeln.

Der Wind legt weiter zu, die See baut sich auf und wird steiler, da wir nordöstliche Winde haben und der Golfstrom gegen den Wind steht. Christian und ich schlafen am Nachmittag noch ein wenig. Der Skipper vermutet zu recht, dass das Kochen in den nächsten Tagen schwierig wird und macht uns nochmal was anständiges zu Beissen. Baked Beans und gebratenen Speck. Als Christian und ich aus der Koje kommen herrscht unter Deck ein Rauchinferno. Wir schieben 40 Grad Lage, das Schiff stampft und Jens und Ralf stehen, mehr schlecht als recht, festgekeilt vor dem Herd. Jens eine Pfanne in der Hand, Ralf reicht ihm den Teller mit dem bereits fertigen Speck an damit Jens nachlegen kann. Die Küchenrolle auf der der Speck abtropfen soll brennt. Es liegt ein wahrlich köstlicher Geruch von Speck, Bohnen, Petrolium und Feuer in der Luft. Man kann kaum bis zum Niedergang gucken. Aber unter solchen Bedingungen überhaupt etwas zu kochen ist eine wahre Heldentat. Und das ohne zu kotzen. Respekt. Wir verschlingen gierig unsere letzte Mahlzeit und dann macht Ralf auch noch den Abwasch damit nicht auch noch das Porzellan durchs Schiff fliegt.

Langsam kommt Druck auf die Pinne und sie ist auch mit zwei Händen immer schwerer zu halten. Es wird dunkel und die See ist jetzt weit über drei Meter. Wir Reffen um Mitternacht das Groß aber der Wind nimmt weiter zu. Beim Reffen im dunklen auf dem Vorschiff ist es echt ungemütlich. Im Cockpit bekommt man, trotz Sprayhood, in unregelmäßigen Abständen Kübelweise Wasser in den Nacken geklatscht. Aber übers Vorschiff wäscht grünes Wasser! Hier kann man sich nur angeleint bewegen und braucht im Prinzip beide Hände und beide Füße um sich festzuhalten. Dabei wird man mit Ladungen Wasser beschossen die dem Inhalt von mehren Badewannen entsprechen. Dabei braucht man eigentlich noch drei Hände um das Segel zu bändigen. Wer nach vorne geht ist danach, trotz Ölzeug, buchstäblich nass bis auf die Haut. Das Vorschiff Stampft mehrere Meter auf und ab und in Christians Vorschiffskoje kann man beim besten Willen und aller Erschöpfung nicht mehr schlafen. Dazu kommt, dass die Lukendeckel dem grünen Wasser nicht standhalten und alles im Vorschiff überschwemmt ist. Christian versucht es trotzdem. Nach drei Stunden vergeblicher Mühe wird er vom Skipper gerufen. Das reißt ihn aus seiner apathischen Lethargie und er stürzt durch den Salon zum Niedergang um sich mitten ins Cockpit vor die Füße von Ralf und Jens zu erbrechen. Auch das ist Segeln.

Die Koje vom Skipper wird nur leicht feucht, aber sie liegt auf der Luvseite. Also auch nicht zu benutzen. Jens pennt in meiner Koje und Christian in Ralfs. Als ich nach meiner Wache ziemlich erschöpft in meine vorgewärmte Koje klettern will muss ich leider feststellen, dass das Wasser Literweise aus der Deckenverkleidung läuft. Der Spinnakerbaum hat meinen Lüfter weggeholzt und nun bringt jeder Brecher frisches Salzwasser in meine gemütliche Luxuskabine. Also ist die nächste Leekoje unbewohnbar. Viel haben wir nicht mehr zur Auswahl. Ich krieche in die Hundekoje, die sonst Ralfs Domizil ist und Christian nimmt im Salon auf dem Sofa platz. Ein Paar Std. „Ruhe“. Leider lässt sich der Lüfter in der Hundekoje nicht mehr richtig schließen. Eins der Dinge die wir in der Jarrett-Bay nicht mehr geschafft haben und die sich jetzt rächen. Ich verschließe den Lüfter notdürftig mit alten Handtüchern und jetzt tropft es nur noch. Aber hey, es ja nur das Fußende! Also Scheiß egal, Hauptsache liegen. Auch das ist Segeln.

Um sechs Uhr morgens ist die Pinne nicht mehr zu halten und wir bergen das Großsegel ganz. Nur unter Fock laufen wir immer noch sieben Knoten in Böhen auch mal acht. Das ist für unsere Verhältnisse ziemlich schnell, aber auch ungemütlich bei dem Seegang. Egal, wir haben die Nacht überstanden und bei Licht wirkt das ganze nicht mehr ganz so bedrohlich. An Kaffeekochen oder gar was zu Essen ist bei diesen Bedingungen nicht mal zu denken. Wir haben seit Montag Abend nichts vernünftiges mehr gegessen. Nur ab und zu ein kleiner Schluck Wasser, damit man nicht so oft pinkeln muss und alle acht Stunden einen Müsliriegel. Die ohnehin schon müffeligen Klamotten die komplett durchgeweicht sind bilden zusammen mit der Ausgelaufenen Flüssigkeit aus dem Klobürstenhalter eine wahrlich Atemberaubende Geruchskomposition unter Deck. Aber das interessiert nicht. Wir haben andere Dinge über die wir nachdenken. Ja, auch das ist Segeln.

In der Sicherheit des Tageslichtes mache ich mich auf zum Vordeck um dort wenigstens Notdürftig das Loch vom Lüfter zu stopfen. Das Deck Stampft immer noch ungemein und ich habe keine Chance da irgendeine sinnige Konstruktion zustande zu bringen. Ich schreie meine Wut laut in den Wind, aber das hört wohl keiner. Ich stopfe noch ca. zwanzig Minuten vergeblicher Versuche einfach eine Tüte ins Loch, und begebe mich an die Reling um ein wenig zu würgen. Es kommt aber nichts. Was denn auch? Nach dem ich meinen Blick wieder an den Horizont heften kann geht’s mir wieder gut.

Wetter ist besser, also Reparaturarbeiten.

Als der Wind ein wenig nachlässt, halten wir das Messgerät hoch. Es zeigt immer noch 7-8 Beaufort. Zwischendurch hatten wir mehr. Im Logbuch steht die See hatte stärke 5-6 das heisst nach Definition: grobe bis sehr grobe See. Klingt so nüchtern aber wenn fünf Meter Brecher auf dich zu rollen und du bei Wellenüberlagerungen in 10 Meter tiefe Täler blickst, dann weißt du, dass mehr nicht unbedingt brauchst.

Dienstag Abend um zehn flaut der Wind auf sechs Beaufort ab und wir setzen wieder das gereffte Grosssegel. Wir haben immer noch nichts gegessen und brettern weiter bei Starkwind durch die Dunkelheit aber nach den Stunden zuvor kommt uns das alles nicht mehr wild vor. Man teilt sich die letzten zwei, nur leicht nassen, Schlafplätze und ist trotz Nässe und Gestank einfach nur froh pennen zu können. Auf unserer Nachtwache sagt Christian zu mir: „Du Henning, wenn morgen das Wetter wieder besser ist, dann trinken wir ein schönes Glas Grapefruitsaft, ja?“ Ich bin einverstanden und wir sitzen total glücklich im Cockpit und grinsen beide debil vor uns hin und freuen uns darauf, morgen eventuell ein Glas Saft trinken zu können.

Am Mittwoch morgen haben wir nur noch 5 Windstärken und es gibt wieder was zu Essen. Ein Glas Wasser und ’ne Dose Corned-Beef. Dazu eine Scheibe Dosenbrot für jeden. Die erste richtige Mahlzeit seit 36 Std. Männerfrühstück. Die See ist immer noch um die drei Meter, jetzt aber nur noch „mäßig bewegt“. Christian und Jens bauen die alte Lenzpumpe aus und die Reservepumpe ein. Jetzt können wir die, inzwischen gut gefüllte Bilge lenzen. Wir haben unseren ersten kleinen und gottseidank kurzen Sturm ohne Verletzte überstanden.

Endlich was zu Essen...

Der Wind nimmt weiter ab. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag haben Christian und ich die Doppelschicht. Wir laufen wieder unter Selbststeueranlage, die übrigens zwischendurch auch kaputt ging, aber mit Bordmitteln bei voller Fahrt repariert wurde. Unter Deck ist immer noch alles nass, Salzwasser trocknet nicht. Auf Nachtwache ist es bei Chris und mir so, dass einer von uns steht und Ausguck hält, während der andere daneben sitzt und döst. So fertig sind wir noch von dem kleinen Sturm. Wir tauschen dann stündlich. Als die Sonne aufgeht greife ich mir Ralfs Videokamera und fange ein wenig die Stimmung ein. Wir machen es uns gemütlich und spielen eine Partie Backgammon. Als wir gerade die zweite Partie am laufen haben, flaut der Wind ganz ab. Die Windfahnensteuerung läuft aus dem Ruder und als wir die zweite Pantentwende fahren beschließen wir die Segel wegzupacken und einen kleinen Badeausflug zu wagen. Der Skipper ist natürlich aufgewacht als die Daddeldu aus dem Ruder lief (so was kriegt der immer mit) und kommt kurz zu uns, gibt sein OK für unseren Plan und verschwindet wieder in der Koje.

Als wir das Groß runter holen wacht Ralf auf. Wir berichten ihm vom Plan und ich glaube er freut sich noch mehr als wir. Schnell die Solardusche mit kostbarem Süßwasser gefüllt, die Badeleiter und einen Fender aussenbords gebracht, Handtücher und Taucherbrillen bereit gelegt und los geht’s. Das Wasser ist hier ca. 5000 m tief und die nächste Küste (Bermuda) über 400 Meilen entfernt. Ein bisschen komisches Gefühl jetzt über Bord zu springen. Aber das Wasser ist herrlich. Tiefblau und 23 Grad warm. Man kann unter Wasser über zwanzig Meter weit sehen und hat das Gefühl in Unendlichkeit zu versinken wenn man unter Wasser ist. Immer zwei Leute planschen im Wasser und einer Steht an Deck, als Haiwache. Wir rechnen zwar nicht wirklich mit Haien aber vor den Portugiesischen Galeeren haben wir Respekt. Nach dem Bad Duschen wir uns endlich das Salzwasser von der Haut. Wir hatten uns zwar an den erotisch, männlichen Körpergeruch unserer, seit sechs Tagen ungewaschenen, Crewkameraden gewöhnt, aber es ist trotzdem ein Traum wieder sauber zu sein.

Die Königin der Feuerquallen.

Nach dem Bad steht Jens auf und darf auch ins Wasser, Christian und ich bereiten das Frühstück. Es ist Seemannssonntag und das soll entsprechend begangen werden. Es gibt Bratnudeln von gestern mit den letzten Brotscheiben und dazu ein Weichgekochtes Ei. Zum Nachtisch Obstsalat. Nach dem Essen setzen wir wieder Segel und dümpeln mit ein bis zwei Knoten vor uns hin. Um 1400 haben wir die Faxen dicke und bergen die Fock, starten die Maschine. Jetzt wollen doch mal ein paar Meilen in die richtige Richtung machen…

Der Skipper, frisch gebadet.

So ich glaube das reicht für heute. Ich weiß noch nicht wann und wie ich dies hier hochladen kann und wie es mit den Fotos aussieht aber ich gebe mein Bestes.

Fortsetzung folgt.
Henning

Insgesamt ca. 12 netto Arbeitsstunden von verschiedenen Leuten. Nur mal zur Info.

Breaking News: Daddeldu safely arrived at the Bermudas!

Dienstag, Juni 1st, 2010

A. B. d. Daddeldu, Captain Smokes Marina, St. Georges, Bermuda, 01.06.’10

Ich kann euch sagen, es war ne lange Überfahrt!

Wir hatten für die 650 Seemeilen ca. 7 Tage geplant. Gesegelt sind wir 1040 Seemeilen und haben fast zwölf Tage gebraucht.
Das Wetter war abwechsungsreich, gesehen haben wir einiges, zu Essen gab es manchmal was und ansonsten sind wir, den Umständen entsprechend, gut klar gekommen und haben heute das Paradies (?) entdeckt.

Der Wind wollte nicht so wie er sollte und so zog sich der Schlag etwas in die Länge. Wir hatten ein paar Flauten, viele beinahe Flauten, wenig guten Segelwind, ein paar Tage Starkwind und einen kleinen Sturm. Aber eines war kostant: der Wind kam IMMER direkt von vorn. Das hat teilweise ganz schön an den Nerven gezehrt aber wir haben es durchgestanden und sind heute mittag in die wunderschöne Bucht von St. George eingelaufen. Nach einigem Zeitaufwand für Zoll etc. haben wir nun einen guten Liegeplatz und laden nun unsere Batterien. Sowohl vom Schiff als auch die der Crew.

Wenn der letze aus der Dusche gekommen ist werden wir uns ein schönes Restaurant suchen und erstmal was essen gehen was nichts mit Corned-Beef zu hat. Morgen werde ich mal anfangen die Überfahrt etwas detailierter zu beschreiben. Jetzt brauchen wir erstmal nen Augenblick um anzukommen…

Henning