Den Helder (Fortsetzung)

Also wie gesagt wir sind damals aufgrund einer Starkwindwarnung und dem Verdacht einer Fehlfunktion der Lichtmaschiene (Ab ca. 2300 Umdrehungen gab es keinen Ladestrom mehr und die Batterie wurde belastet) im Morgengrauen und bei Regen nach Den Helder rein. Sehr enger und voller Hafen den der Königliche Yachtclub da hat. Nach anfäglichen Schwierigkeiten fanden wir aber durch Anweisung der netten Hafenmeisterin eine passende Box und hatten Zeit für einen kleinen Anleger und warmen Brunch. Wenn ich mich recht entsinne wurde ein ausgiebiger Mittagsschlaf gehalten und und im Anschluss daran Körperhygiene betrieben um dann ausgeruht und wohlduftend das WM-Finale (mein Gott is das lange her) im königlichen Clubheim zu genießen.

Denkste war so voll, das wir nichtmal einen Stehplatz abbekamen. Also nix wie raus und nach Alternativen gesucht. Kleiner Yachthafen mitten auf dem Marinegelände umgeben vom grossen Industriehafen. Keine Kneipe oder ähnliches in Sicht. Erstmal durch die Sicherheitsschleuse der Marine, am Fährterminal vorbei und durch den Hafen. Nach einem ca halbstuendigen Fußmarsch haben haben wir dann eine ziehmlich große mehrstöckige Hafenkneipe gefunden wo wir im Keller auf einer Großbildleinwand zusammen mit ein Paar Holländern und einer Gruppe englischer Seeleute dem Abschied von Zidane (dem french  bastard) beiwohnen durften und uns schonmal auf den englischen Humor einstimmen konnten. (Mayday we´re thinking. What are you sinking about?)

Nach dem Abpfiff sind Günter und Skippy ins Clubheim zurück und Chris und ich haben einen nächtlichen Stadtbummel gemacht. Nach Pommes mit Knoflocksauce (Rechtschreibung?) landeten wir dann in Cocos Bar (sehr zu empfehlen wenn ihr mal nach Den Helder kommt). Das is ne Hafenbar die über eine beeindruckende Sammlung von Crewkappen und Mitbringseln aus aller Herren Länder verfügt. Dort wurden vom Wirt sehr  herzlich empfangen und bekamen  von einer sehr lustigen Gruppe philipinischer Seemänner wegen unserer Sangeskünste eine Dose von den schärfsten Erdnüssen die ich je probiert habe ausgegeben. Irgendwann in der Nacht haben wir uns dann stark angetrunken auf den Heimweg gemacht wobei wir einen ausgiebigen Blick auf das Familienleben in holländischen Wohnzimmern gewährt bekammen. Pornos gucken und/oder Nachwuchs zeugen am offenen Fenster scheint dort sehr beliebt zu sein. Irgendwann standen wir dann vor der Sicherheitsschleuse der Marine wo Christian dann, diplomatisch wie er ist, nach alter Tradition Deutscher im Ausland über die Gegensprechanlage Einlass verlangte:“Ey, wir sin´ vonner Daddeldu! Mach ma´ie Tür auf!“ Keine Antwort vom Wachhabenden. Woraufhin ich, nachdem ich meinen kleinen Bruder ermahnt hatte sich anständig zu benehmen, mich nach den Englischkenntnissen meines Gesprächspartners erkundigte und ihm unser Begehren erläuterte. Siehe da das Tor öffnete sich und wir konnten in die Koje.

Wie es weiterging erfahrt ihr bald, ich muss nämlich zu Oma, Gardinen waschen.

Henning

7 Responses to “Den Helder (Fortsetzung)”

  1. christian sagt:

    Großartig, der Fockaffe meldet sich wieder zu Wort. Wenn das so weitergeht haben wir unseren Crewbericht ja schon bald fertig. Und ausführlich, das sag ich euch….ein wahre freude zu lesen.

  2. Jens Quade sagt:

    Mein leiber Scholli, was du so alles erlebt hast, Henning, da waere ich ja auch gern dabei gewesen!

    Dein Vater

  3. Hubert Heeger sagt:

    Hallo Henning,
    mit großem Vergnügen habe ich von eueren nächtlichen Erlebnissen in Den Helder gelesen. Eine sehr lebhafte und unterhaltsame Schilderung. Klasse, dass du (natürlich auch Christian, nicht zu vergessen Geli und Simone) deinen Vater so solidarisch unterstützt und schon dem nächsten Segelabschnitt in einem Jahr entgegenfieberst. Lass nicht nach in deinen Bemühungen.

    An die Daddeldu,
    hallo an Bord, hoffe, dass ihr gesund und munter seid, günstige Segelbedingungen habt, nichts kaputt geht und dass der Spaß nicht zu kurz kommt. Oft denke ich an euch und versuche mir vorzustellen, wie es gerade bei euch zugeht und wie sich ein Leben in der Atlantikdünung im Wechsel der Wachen anfühlt. Bin schon sehr gespannt auf den nächsten Bericht von euch.

    Macht’s gut
    Hubert

  4. skipper jens sagt:

    Hallo Hubert,

    sind jetzt sit 36 Stunden auf Porto Santo, kommt uns vor wie seit einer Woche. Zeitempfindungen verschieben sich. Was die Atlantikduenung anbelangt, finde ich es nicht so tragisch, aber an Bord ist schon jeder Schritt muehsam. Es fehlt mir so ein seefester Smut wie du. werner hatte so seine liebe Not mit der latenten seekrankheit, aber tapfer durchgehalten, was seine Wachen anbelangte. Jetzt sind wir dafuer um so relaxter.

    Gruss Jens

  5. Hubert Heeger sagt:

    Hallo Jens,

    Glückwunsch zu Porto Santo. Habe mir gerade mal den Hafen auf dem Satellitenbild von Google Earth angesehen. Sieht gut geschützt und nicht voll aus. Du bist ja bestens im Zeitplan. Wünsche euch, dass weiterhin alles so gut weiter läuft.

    Gruß Hubert

  6. Mone sagt:

    Hallo alle zusammen,

    ja, schön das die Berichte weiter gehen, ich warte auf mehr Geschichten!
    Ich habe am Wochenende auch versucht mal bei Google Earh nach eurem Standort zu suchen aber bei mir hat die Instalation irgendwie nicht richtig geklappt. Aber ich werde mich weiter bemühen!

    Viele Grüße,

    Eure Mone

  7. Torben sagt:

    Sehr schöner Bericht, hat spaß gemacht zu lesen. Ich bin am Wochenende in Hamburg und würde mich freuen dort von Dir mehr davon in verbaler Form zu erfahren. Bis denne Torben

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