Heading up north…

A. B. d. Daddeldu, ICW, Belhaven, NC, 8. Mai ’10

Vorab ein Gruß an alle Mütter die heute ihren Ehrentag haben. Deutschland ist euch dankbar! 😉 Ne, im Ernst, das ist in Amiland einer der wichtigsten Feiertage überhaupt, und wir gratulieren auf diesem Wege recht herzlich.

Aber es geht hier nicht um Frauen, sondern um die tapfere Crew eines kleinen Schiffes fern ab der heimatlichen Küste. Also was geschah?

Am Freitag morgen war der Start unserer Reise geplant. Soweit so gut. Wir luden Roy und Bill noch auf einen letzten Morgenkaffee zu uns an Bord ein. Sie haben die Daddeldu ja bisher nur von außen gesehen. Ich bin nach der Morgentoilette noch auf die Veranda vor dem Shipshop um dort meine E-Mails zu checken. Und siehe da, mein verzweifelter Hilferuf trug Früchte, ich hatte tatsächlich ein Paar persönliche Nachrichten erhalten. Das hat meine Laune sofort um ca. 2-300% gebessert und ich beschloss: egal was noch kommt, ich lass mich nicht unterkriegen!

Abschiedsbesuch.

Der Skipper ganz oben.

Nachdem wir von unserem Besuch viele Komplimente und dumme Sprüche bekommen hatten ging es an die Arbeit. Die letzten Ausrüstungsgegenstände sicher und ordentlich verstauen und das Schiff klar zum auslaufen machen. Um halb 11 waren wir soweit. Die Tide leider noch nicht. Wir hatten immer noch ablaufend Wasser und recht ordentliche Strömung. Nach unserem Crash beim letzten Manöver wollten wir lieber wenig Strom. Na gut, das gehört auch zum Segeln, auf die richtige Tide warten, und ne Pause kam uns auch nicht ungelegen. Aber irgendwie dauerte das alles ein bisschen zu lange. Irgendwann stellten wir fest, dass das Wasser schon wieder Stieg, aber Strömung immer noch nach Süden lief. Der, pünktlich zur Abfahrt einsetzende, Nordwind hatte uns einen Strich durch die Rechnung gemacht und die regulären Strömungsrichtungen ausgehebelt. Egal dann eben ohne Stauwasser ablegen.

Stärker als die Jarrettbay.

Kurze Manöverbesprechung, dann bin ich auf’s Vorschiff und der Skipper an die Pinne. Die ersten Leinen weg genommen und dann sollte es richtig los gehen. Die Maschine läuft langsam rückwärts und wir sind schon fast los. Dann passiert mal wieder Scheiße…
Die Achterleine bleibt an dem Drillingsdalben (mit dem wir schon mal Ärger hatten) hängen und fällt jemandem (ich nenne keine Namen, aber ich war’s nicht) ins Wasser… Der rückwärts laufende Propeller greift sich gierig den Tampen und die Maschine wird abgewürgt. Wir treiben, halb aus der Box, in der Strömung und Hektik kommt auf. Gott sei dank haben wir noch eine Leine an Land und ziehen uns wieder in Position. Schiff vertäuen und Maschinenraum öffnen. Der erfahrene Leser kann sich wohl denken was jetzt kommt? Richtig! Die Welle wurde wieder gezogen. Diesmal nur ein Stück, aber uns reicht es. Uns ist eigentlich zum Heulen zu Mute, aber ich hatte mir ja was vorgenommen und Heulen und Lachen liegen dicht beieinander. Jens ist echt fertig, aber ich bin ja heute gut drauf und gebe ihm keine Zeit zum Verzweifeln, sondern mache einen dummen Spruch, drücke ihm unser Fischmesser und den Schleifstein in die Hand und hole meine Taucherbrille. Zack, dann bin ich schon im trüben Wasser. (27 Grad Celsius, selber gemessen.) Ich tauche und denke noch wo ist denn endlich die Schraube da taucht sie ca. 30cm vor meiner Brille auf. Keine große Sichtweite, doch es reicht. Ich klariere erst mal die losen Enden und denke, so schlimm sieht es doch gar nicht aus. Aber lieber nichts sagen um keine falschen Hoffnungen zu wecken. Ich brauche zwar einige Tauchgänge, habe aber Glück, dass wir uns den dicken Festmacher aus Naturfasern und keine dünne Plastikleine rein gefahren haben. Nach einigen Minuten schaffe ich es tatsächlich die Leine ohne einen einzigen Schnitt von der Welle zu bekommen. So stark und geschickt bin ich! 🙂

Bei Schritt zwei ist wieder unser Skipper dran, schließlich ist er Navigator, Schlosser, Tischler, Maler, Psychologe, Rigger, Segelmacher, Koch, Klempner, Logistiker, Mechaniker, Fotograf und noch einiges mehr in einer Person. Inzwischen weiß er auch auswendig welches Werkzeug in welcher Größe man braucht um die Welle wieder zu richten. Begeistert ist er nicht, aber ich bin ja heute für die Laune zuständig. Wir haben ca. 30 Grad im Schatten und im Maschinenraum ist es noch heißer. Der Schweiß rinnt ihm in Sturzbächen in die Augen und muss regelmäßig per Handtuch entfernt werden. Nach ’ner viertel Stunde ist es dann so weit und wir sind wieder startklar.

Also neuer Anlauf. Ablegen rückwärts mit Strom von Backbord. Wir haben gleich mal getestet ob die frische Farbe auf der Scheuerleiste hält, aber dafür ist sie ja da und ja, der Lack hält ganz gut. Einige Kringel auf dem Kanal und dann Anleger an der Tanke. Ich bin noch etwas ungeschickt mit den Leinen und wir haben beide ’ne Menge Lampenfieber obwohl kein Publikum zu sehen ist. Nachdem ich meine Leinen klar habe und wir wir das Manöver ausgiebig geplant haben geht’s an den Steg. Mit Steuerbord Seite an einen ausreichend langen Liegeplatz mit vielen Dalben, die alle eine Klampe tragen. Sollte wohl zu schaffen sein aber wir haben immer noch Strom und sind nach den Erfahrungen etwas nervös. Jens fährt mit der kaum zu bewegenden Pinne (noch nicht gefettet) einen perfekten Anleger und ich steige mit Spring und Vorleine über. Spring belegt. Jens dampft in die Leine ein, ich belege die Vorleine und gehe zügig aber nicht hektisch nach hinten um die Achterleine in Empfang zu nehmen und zu belegen. Perfekt! Motor aus, wir können es doch noch.

Wir tanken einiges an Diesel, 200 l Jarrettbay Stinkewasser (welches inzwischen übrigens nicht mehr stinkt und besser schmeckt als das gechlorte Standardleitungswasser) und einen Kanister Benzin für unser Dingy, kaufen noch einen Beutel Eis für den Kühlschrank. Dann noch kurz das Deck gewaschen, wobei ich es mir nicht nehmen lasse, noch meine Sandalen mit dem Schlauch vom Steg zu ziehen. Noch ein kurzer Rettungsschwimmereinsatz zur Rückgewinnung meines modischen Schuhwerks und dann endlich los…?

Ja, genau, dann endlich weg von dieser bad luck bay!!!

Der Ableger läuft genauso perfekt wie der Anleger, ich klariere das Deck und löse Jens an der Pinne ab. Der ist nämlich verständlicherweise besorgt um die einwandfreie Funktion unseres Dieselaggregats. Die Geräusche lassen erst mal nichts nichts schlimmes vermuten. Hört sich eigentlich gut und rund an. Jens öffnet den Maschinenraum vom Salon aus und entdeckt: der Motorblock raucht! Wir vermuten es liegt an diversen Flüssigkeiten die bei der Montage ausgetreten sind und nun verdampfen. Aber nach den Erfahrungen? Man bleibt misstrauisch…
Der Maschinenraum ist offen und folglich ist es recht laut an Bord. Aber andererseits, wir haben 30 Grad, ein lauer Wind weht uns entgegen, die Maschine macht gleichmäßige fünf Knoten Marschgeschwindigkeit, der Himmel ist blau, Jarrettbay verschwindet langsam in unserem Kielwasser, wir passieren noch eine Werft dann kommen ein paar Villen und dazwischen Natur, die vorbeifahrenden Boote grüßen ehrfürchtig die deutschen Segler, die von soweit weg kommen, und was wollen wir eigentlich mehr!?! FUCK YOU! WE ARE ON OUR WAY!!!

Leaving Jarrettbay.

Ein Seemann darf nicht zurück schauen.

Amerika wir kommen… Die Maschine scheint zu halten, das Geräusch und die Temperatur sind konstant und wir genehmigen uns ein eisgekühltes Bier. Wir sehen die ersten Delphine, die uns entgegenkommen, lassen die letzten Villen hinter uns. Am Ufer des Kanals beginnt ein Urwald aus Nadelbäumen, wir sehen zehnköpfige Adlerfamilien, der Bootsverkehr hört auf und so langsam entspannt sich auch der Skipper. Nach einigen Meilen endet der Kanal und wir kommen in den Adams Creek. Hier weitet sich das Flussbett ein wenig und weite Schilflandschaften erstrecken sich links und rechts vom Fahrwasser. Auf den Baken, die unsere Route bezeichnen, sitzen Kormorane oder Adlerhorste mit Küken drin. Verschiedene Möwenarten fliegen vorbei und Hummerkörbe liegen auf der Zweimeterlinie. Wir fahren weiter nach Norden und kommen in den Neuse-River. Bill und Roy hatten geunkt, der hieße so, weil man da immer auf die nose kriegt. Und richtig: es wird frisch und ich muss mir ein T-shirt überziehen. Wir haben schwache vier Windstärken und es beginnt nach Meer zu riechen. Wir kreuzen den Fluss, der eher so wie die Ostsee im Sommer wirkt und sehen Graureiher und Gänse, die dicht über der Wasseroberfläche dahinfliegen. Wir lassen Oriental an Backbord liegen und steuern Nordost-Kurs in den Abend hinein.

Einer...

Viele...

Baby im Horst.

Wir sind beide müde und entscheiden uns angesichts der ungeschützten Flussmündung und der nicht ganz klaren Wetterentwicklung (unsere Antenne läuft noch nicht) lieber ein wenig weiter zu fahren und dafür einen geschützten Platz im Broad Creek zu suchen. Der Name täuscht. Es ist ein recht enger und verwinkelter Minifluss der in den Neuse-River mündet. Angeblich soll das Fahrwasser 2m Tiefe haben. Leider sind unsere Karten etwas veraltet und die Betonnung ist recht spärlich. Wir werden aber nach der etwas haarigen Ansteuerung mit einem sehr geschützten Ankerplatz belohnt. Am Ufer stehen zwei Ferienhäuser und ein Segler liegt schon hier vor Anker. Wir packen uns dazu und ankern auf zwei Metern tiefe. Nachdem wir den Motor aus haben, ist der Platz absolut ruhig und nur zwei kleine Motorboote kommen noch spät abends vom Fischen nach Hause. An den Ufern stehen Nadelwälder und das Ganze hat etwas von einem schwedischen See.

Kormorane.

Es gibt einen Campari-O als Anleger und da wir am Dienstag das letzte mal ein Auto zum Einkaufen hatten (von Dan), unsere berühmten Rühreier mit Speck zum Abendbrot. Wir hatten ja kein Mittag. Um neun liegen wir beide in der Koje. 23 Seemeilen gemacht. Trotz des verzögerten Starts.

Feierabend...

Zum Frühstück ein Stück Schokolade und Kaffee, dann hieß es Anker auf. Leider gestaltete sich die Ausfahrt aus dem Creek noch etwas tückisch. Wir sind dreimal aufgelaufen. Zu unserer großen Zufriedenheit bringt die Schraube jetzt aber auch rückwärts richtig Kraft ins Wasser. Also alles kein Problem. Zurück im Neuse-River hatte das Wetter etwas aufgefrischt und ich musste schon morgens ein T-shirt tragen. Wir hatten schon so etwas ähnliches wie Wellen (ca. ’nen halben Meter) und ab und an ist sogar etwas Wasser übers Deck gegangen. Wir sind bestens zurecht gekommen und nach einigen Meilen auf verschiedenen Flüssen ging’s wieder in den Kanal. Alle zwei Stunden wurde der Steuermann abgelöst und nach meinem Mittagsschlaf bei dem ich fast an Dehydration verreckt wäre, so heiß war es auf dem Kanal, erreichten wir den Goose-River der in den Pamlico-River mündet. Ihr stellt euch jetzt vielleicht so kleine Flüsschen vor, aber der Neuse-, Pamlico- und Pungo-River sind schon ein paar Meilen breit und haben eher Ostseekarakter. Jedenfalls war es sehr angenehm, ein paar Vögel zu beobachten, ab und zu weht der Wind ein Nase voll Kiefernduft aus den Wäldern und es war richtig schönes Segelwetter. Nur das wir leider nicht segeln konnten, da unsere Vorsegel (noch) nicht passen und die Pinne so schwergängig ist, dass man überhaupt kein Gefühl hat. Aber hey, die Maschine läuft rund!

Er grübelt wieder...

Im Pungo-River liegt das schöne Städchen Belhaven. Dort wollten wir die Nacht verbringen um zu Duschen, Einzukaufen, was zu Essen (gab’s heute noch gar nicht) und vielleicht diese frohe Nachricht hier los zu werden. Als wir hinter die Mole kamen, lag eine kleine, etwas marode Marina Steuerbord quer ab. Aus unserem einzigen Führer für die Gegend wussten wir, dass sie wohl kommerziell genutzt wird und es noch eine öffentliche für lau gibt. Da unsere Bordkasse nicht mehrt all zu prall ist wollten wir an die städtische und fuhren weiter. Leider hatten wir wieder recht ungünstige Seitenwinde und fühlen uns noch nicht so souverän wir wir es vor drei Jahren waren. Egal, das kommt alles wieder. Die städtischen docks waren gespickt mit vergammelten Pfählen die knapp aus dem Wasser ragen und mit Sicherheit auch ein paar die nicht zu sehen sind. Fällt also flach. Es gab noch einen neuen Anleger der vor einer Apartmentanlage stand und ganz gut aus sah.
Leider liefen wir trotz unseres geringen Tiefgangs von nur 1,4m kurz vor dem Steg auf. Zum vierten mal an diesem Tag.

Zurück zur kommerziellen River Forest Marina. Verdammt enge Einfahrt und nicht ersichtlich wie tief das Wasser vor den Stegen ist. Dazu der Seitenwind und unser Lampenfieber. Als wir schon beschlossen hatten uns an den Stegkopf zulegen kam der Hafenmeister angelaufen und lotste uns in eine Box näher am Ufer. Jens wollte ihm nicht so recht trauen, wegen der Tiefe. Doch letztlich hat er auf den Hafenmeister gehört und sich in die Enge Boxengasse gewagt. Hatte ich schon erwähnt das wir Seitenwind hatten? Egal jedenfalls war es (für uns) recht aufregend, aber der Skipper hat seine Sache sehr gut gemacht und uns ohne Berührung in die Box gebracht. Der Hafenmeister war übrigens eine echte Hilfe mit den Leinen. 35 Seemeilen geschafft.

Als das Schiff ordentlich geparkt war und wir unsere erste Zigarette nach dem Anleger rauchten erschien ein Schwede am Steg und sprach uns auf Deutsch an. Ein bisschen smalltalk und es stellte sich heraus der gute Mann war sternhagelvoll, aber wollte uns unbedingt sein Auto zum Einkaufen leihen. Na gut, da kann man nicht nein sagen. Er verschwand wieder und wir gingen ins Hafenmeisterbüro und zum Duschen.

Der Skipper ist gerade wieder aufgewacht und weist mich darauf hin, dass es halb zwei ist und ich mal schlafen sollte. Ich glaub er hat recht. Mal sehen vielleicht schaffe ich es ja morgen noch weiter zu schreiben. Obwohl eher nicht. Denn es dauert wohl noch ne Stunde diesen Text mit Bildern zu versehen und hoch zu laden. Ihr macht euch ja keine Vorstellungen… Ich hab auch noch Privatkorrespondenz zu erledigen.

Inzwischen ist es sechs Uhr morgens und der Skipper sitzt an den Tasten, bereitet die Fotos zum Hochladen vor.

Henning ist wieder wach. Ich hab so lange wie schon ewig nicht mehr geschlafen, nämlich bis neun. Beim Morgenkaffee erfuhr ich die frohe Nachricht, dass auch Jens jetzt merkt wie tiefenerschöpft wir eigentlich sind. Wir wollen uns heute erholen. Sprich bis mittags bleiben und dann nur ein paar Meilen weiter ankern. Dieser Liegeplatz kostet nämlich 65$ die Nacht.

Weiter im Text: Als wir aus der Dusche kamen, saß der Schwede mit einem neuen Drink vor der Daddeldu auf dem Steg. Jens verschwindet unter Deck aber ich lasse mich leichtsinnigerweise in ein Gespräch verwickeln. Eric heißt der Gute und ist seit seinem 1. Lebensjahr Amerikaner. Er erzählt mir seine gesamte Lebensgeschichte inklusive beruflicher Laufbahn in drei Minuten und erklärt, dass er sich als Botschafter der Völkerverständigung sieht. Irgendwie ist er mir nicht geheuer und so richtig symphatisch ist er auch nicht. Dann fängt er an von seiner Ex-Frau und seinem Sohn zu faseln und er heult beinahe. Anstrengend… Irgendwie schaffen wir es ihn vom Schiff weg zu lotsen, denn wir befürchten ihn nicht mehr los zu werden wenn er erst mal an Bord ist. Er lässt es sich nicht nehmen uns sein Auto aufzuschwatzen, welches er übrigens geholt hat als wir duschen waren. Er gibt uns eine Einweisung in die für uns neue Automatikschaltung, die mit einem Hebel hinter dem Lenkrad bedient wird. Er erklärt uns den Weg zum Supermarkt und als wir in die Landstraße einbiegen, an der die Geschäfte liegen, bin ich entsetzt. Es ist eine eins zu eins Kopie von Beaufort. Die Ähnlichkeit ist so verblüffend das man nicht glauben will. Wir also zu Food Lion und Gemüse etc. eingekauft.

Auf dem Rückweg überlegen wir schon wie wir es wohl schaffen Eric wieder los zu werden, denn eigentlich müssten wir ihm ja jetzt mindestens ein Bier ausgeben. Und als wir auf den Steg zufahren kommt er auch schon mit einem neuen Drink angewankt. Wir bedanken uns artig aber er scheint uns gar nicht richtig war zu nehmen. Wir bringen die Einkäufe an Bord und als ich mich nochmal umdrehe sehe ich wie er mit seinem Dodge davon fährt. Scheiße, wenn das mal gut geht…

Wir legen noch eine Achterspring, denn am Horizont sieht es nach Gewitter aus, und Verstauen die Vorräte. Dann machen wir uns zu Fuß auf den Weg in den Ort. Es ist halb acht und wir haben den ganzen Tag noch nichts gegessen und wollen jetzt nicht auch noch kochen. Endlich mal einige Schritte laufen, das tut gut. Nicht weit vom Hafen entfernt finden wir einen Imbiss der von schwarz und weiß gut besucht ist und ganz nett aussieht. Man kann draußen sitzen und die Kellnerin scheint sehr geschäftstüchtig. Sie bricht mit einem Redeschwall über uns herein und wir haben schon angst hier doch nicht in Ruhe essen zu können. Sie berät uns sehr freundlich und ist aufmerksam und schnell ohne zu nerven wie wir befürchteten. Wir teilen uns fish and chips aus Wahoo(?) und eine Portion pork chops. Der Fisch ist OK aber das Schweinefleisch ist roh. Wir reklamieren das und unsere Kellnerin überschlägt sich vor Entschuldigungen. Nach einer weile kommt sie schamesrot zurück an unseren Tisch. Leider war es das letzte Stück Schweinefleisch und sie könnte uns höchstens noch ein Steak anbieten. Na gut, nehmen wir. Wir kriegen den Rest von unserem Schwein zurück, diesmal durch und dazu ein well done Rindersteak. Sie entschuldigt sich tausendmal aber wir sind ganz locker, da unser Hunger schon einigermaßen gestillt ist. Als wir unser Bier ausgetrunken haben und die Rechnung beglichen ist wollen wir los denn wir sind ausnahmsweise mal total müde. Aber wir müssen noch ein weiteres Bier aufs Haus trinken. Als das auch geschafft ist sind wir froh an Bord zu dürfen. Ich will nämlich noch unbedingt einen kurzen Bericht schreiben um meine Liebsten wissen zu lassen, dass sich unsere Stimmung gebessert hat und wir ohne größere Probleme losgekommen sind.

Nachtschicht.

Um kurz vor zehn sind wir an Bord und stellen fest, unser teures Internet funktioniert unter Deck nicht. Also muss der Laptop auf die Sprayhood gestellt werden. Es dauert einige Zeit bis die Mails abgerufen sind. Aber immerhin habe zumindest ich welche bekommen. Ich mache mich erst mal an den Blog, da haben schließlich alle was von, stelle dann aber fest, dass der Bericht wohl länger werden wird wenn er vernünftig sein soll. Um viertel nach elf legt Jens sich in die Koje und ich schreibe zügig weiter. Wenn wir unterwegs sind geht ja nicht mal das offline schreiben, da der Akku vom Laptop nur ’ne knappe Stunde hält und nicht über das 12V Bordnetz zu betreiben ist. Also kann man nur mit Landstromanschluss tippen. Den Rest der Nacht kennt ihr schon aus den Zwischenanmerkungen. Es ist jetzt viertel vor elf am Sonntag morgen und wir haben gerade kurz mit unseren Frauen telefoniert. Jetzt werde ich mal sehen ob ich den Kram auch hochgeladen und mit Bildern bestückt kriege. Puh, draußen ist es kalt geworden über Nacht wir haben eisige 17 Grad und es ist windig. Ich werd‘ mir wohl ’nen Pulli anziehen.

Schönen Sonntag noch und take care of yourselves.

Es grüßt die „Krew“ von der Daddeldu.

Ach ja, was mir noch einfällt: Wir sind endlich unterwegs und „I’m on a boat!“

Ist vielleicht nicht jedermanns Humor, aber ich kann mich darüber königlich amüsieren.

PS
Wir sind echt ausgelaugt und haben keinen Bock mehr auf Stress. Außerdem ist noch ’ne Menge Kleinkram und die eine oder andere größere Sachen zu erledigen. Wir brauchen also noch ein paar Hafentage zum Arbeiten und werden es wohl nicht rechtzeitig bis Philly schaffen. Wahrscheinlich müssen Ralf und Christian wohl nach Norfolk kommen.

H.

3 Responses to “Heading up north…”

  1. Steffi sagt:

    Schönen Guten Abend Ihr Beiden!

    Es tut so gut in Eure strahlenden Gesichter zu sehen und somit zu merken, wie gut es euch tut endlich auf dem Wasser unterwegs zu sein…

    Ich bin echt sehr stolz auf euch!!!

    Schiff ahoi?!

    die Steffi

  2. Mone sagt:

    Hallo ihr beiden,

    schömal ein paar Bilder von der Gegend zu sehen. Wir freuen uns das ihr endlich unterwegs seid!
    Mathis sitzt auf meinem Schoß und war sehr fasziniert von dem Video – er darf doch eigentlich nicht fernsehen ;o)

    Gruß, Mone

  3. Björn sagt:

    Moin, moin!

    Schön zu sehen, dass Ihr wieder auf dem Wasser seid.
    Ich hoffe, Ihr könnt mit jedem Tag die Zeit an Bord wieder mehr genießen und das alte Vertrauen in Maschine und Schiff wieder aufbauen.
    Coole Bilder und der Wahnsinn was die Amis für Naturschauspiele in einem Fluß haben….ohne darüber nachzudenken.

    Weitermachen
    Björn

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