0409 Irgendwas is‘ immer…

Beaufort, NC, 9. April ’10

0409

Heut‘ Nacht hat’s hier mächtig gewittert. Aber besser jetzt als auf See. Kam ’ne ganze Menge Regen runter und heut‘ Vormittag hielt der Regen immer noch an, so schliefen wir, oder zumindest ich ein wenig länger. Gegen 10 hörte dann der Regen auf und das ganze Werftgelände stand unter Wasser. Schon komisch, der ganze Platz fast eine einzige Pfütze und das hier, wo sonst täglich ein Feuerwehrwagen rum fährt und sprengt damit es nicht ganz so sehr staubt. Aber ganz erfrischend mal ein wenig Staubfreie Luft zu atmen. Jedenfalls wollte keine rechte Arbeitslaune aufkommen. Wir also zu Rich ins Lager und unsere Seefrachtpaletten durchgesehen die dort stehen. Ein paar Kartons mit Ersatzteilen haben wir dann mit an Bord gebracht und verstaut. Gegen 11 ließen wir uns dann die neue Maschine mit dem Stapler liefern und neben’s Schiff stellen. Jetzt können wir Teile von der alten ab montieren, frisch machen und gleich an der neuen anbringen. Im Anschluss dann wieder ins Auto und los zur Werkstatt wo ja noch unsere Seewasserpumpe (gestern fälschlicherweise als Dieselpumpe bezeichnet) in Reparatur lag. Diesmal war der Werkstattheini etwas gesprächiger. Fred heißt er und kommt aus Michigan, ist aber deutscher Abstammung und steht auf deutsche Würstchen. Ein bischen Chity-Chaty und Fachgesimpel, ein 10 $ Schein wechselt den Besitzer und wir haben unsere Seewasserpumpe wieder. Er hat die Schraube raus bekommen ohne das Gewinde zu zerstören. Jetzt brauchen wir nur noch ’n Laden der europäische Messingschrauben führt. Aber auch da konnte Fred uns einen Tip geben. Wir wieder ins Auto und nach Beaufort zum Elektronic-Repair-Shop. Auch so ’ne bessere Garagenwerkstatt. Fast ein wenig jamaicanstyle. Ein sehr freundlicher und interessierter Marokaner führt den Laden, der voller Grossbildglotzen und Computer steht. Unsere Batterieladegerät ist durchgebrannt und die internen Sicherungen alleine sind es nicht. Der Shopbesitzer hat offensichtlich noch nie ein solches Teil gesehen, ist aber zuversichtlich das hin zu kriegen. Nach einigem Palaver überlässt der Skipper dem Elektriker, etwas widerstrebend, das teure Gerät. Er will bis morgen sehen ob er es zum Laufen bringt. Jens meint wenn er das schafft will er all seine Vorurteile über Bord werfen. Mal sehen…

Langsam ist Mittagszeit und so halten wir auf dem Rückweg noch bei Andy’s Farmshop. Das ist ’ne Bretterbude (kein Haus) am Highway wo der Farmer selbst seine Produkte anbietet. Wir kaufen ein wenig Gemüse und selbst eingelegte Peperoni und machen uns an Bord sehr leckere Truthahnbrust-Sandwiches zum Mittag. Es ist mittlerweile 3 Uhr und die Ammis sind schon alle im Wochenende. Da wir einige Verletzungen zu beklagen haben (kleine entzündete Hautabschürfungen an den Händen) sehen wir uns leider außer Stande heute noch weiter zu arbeiten. Also lesen wir ein wenig in unseren Büchern (Tageslicht ausnutzen) und dann begibt sich der Herr Vater zum wohlverdienten Mittagsschlaf und ich hocke mich wieder mal vor den Rechner um Mails zu schreiben und mich meiner Facebook Mafia zu widmen. Zwischendurch beobachte ich draußen noch ein paar Vögel, die heute sehr aktiv und fröhlich sind. Scheinbar hat ihnen der Regen sehr gefallen und die Luft ist prima. Die Sonne scheint und alles ist gut. Gegen frühen Abend laufen wir ein paar Schritte zum Wasser um die Delphine beim Abendbrot zu beobachten. Wir haben zwar beide schon öfter Delphine und Schweinswale etc. gesehen aber ich finde das trotzdem immer wieder schön.

Abend am North River.

Mittlerweile ist es dunkel geworden und so füllen wir unsere Petroleum Lampe mit dem neuen amerikanischen Petroleum damit wir Licht zum kochen haben. Ich will nämlich endlich mal wieder Nudeln. Nun gut, die Lampe brennt wie sie soll. Aber plötzlich gibt es ein Zischen und die Flamme schlägt hoch. Es gibt eine Serie von kleineren Verpuffungen und eine sich haltende Stichflamme schlägt bis an die Decke. Während ich überlege ob man mit dem Feuerlöscher wohl lieber in Richtung der Sitzpolster oder in Richtung Pantry sprüht oder doch das Schiff verläßt bevor die Scheiße explodiert, greift Jens sich die Lampe und trägt sie raus ins Cockpit. So weit so gut, leider brennt das Teil immer noch ziemlich wild. Aber gottseidank haben wir gestern unseren Sack mit Putzlappen im Regen stehen lassen und die liegen jetzt noch halb nass im Cockpit zum trocknen. Also zwei Lappen oben drauf und ein paar außen drum gewickelt um die Luftzufuhr zu unterbrechen und die Flammen zu ersticken. Klappt auch ganz gut aber als wir Lappen wieder weg nehmen entzündet sich der vergaste Brennstoff durch die Hitze wieder von alleine. Das ganze nochmal und das Feuer ist aus. Wir denken erst es liegt an dem Rest Lampenöl der noch in der Lampe war. Dieser hat wohl eine ungünstige Mischung mit dem gebildet, was wir für Petroleum hielten. Nach ein paar Minuten versuchen wir es noch einmal. Diesmal aber draußen und ohne Lampengestell. Es brennt alles wunderbar und friedlich wie es soll. Also holen wir die Lampe nach zehn Minuten wieder rein. Das Teil steht keine 5 Minuten auf dem Tisch da geht der Spuk von vorne los. Diesmal sitze ich am Niedergang und so ist es an mir den Feuerteufel zu entfernen und zu löschen. Heute sitzen wir im Dunkeln. Aber Nudeln will ich trotzdem!
Deswegen mag meine Mama auch nicht so gerne Segeln. Denn wenn man mal fünf Minuten in Ruhe sitzt, muss man gleich wieder irgendwo dran rum fummeln oder es geht was kaputt und muss repariert werden.
Das Problem ist wohl das wir kein Petroleum gekauft haben sondern irgendwas anderes. Fuel, also Brennstoff. Der laut Beschriftung für Kocher wie unseren Petroleumherd und Öllampen geeignet ist. Aber die Ammis sind trotz ihres Sicherheitswahns leider nicht davon überzeugt ihre Produkte mit vernünftigen Inhaltsangaben zu versehen und die Verkäufer wissen, auch in Fachgeschäften, nicht was sie da verkaufen. Auch bei alkoholischen Getränken steht nicht drauf wieviel Prozent zum Beispiel ein Bier (mein Lieblingsthema) hat.

Egal alles ist gut und wir haben noch eine Kerze und Taschenlampen. Morgen kauf ich ’ne billige Baulampe, die man direkt ans 110V Netz anschließen kann.
So das war’s von mir. Jens hat gleich die Nudeln fertig…

Schönes Wochenende.
Henning

5 Responses to “0409 Irgendwas is‘ immer…”

  1. Steffi sagt:

    …ist ja alles schon sehr abenteuerlich, bevor es überhaupt los geht!

  2. Ralf v Hafe sagt:

    Moin ihr beiden!
    Irgendwie beneide ich euch, wenn auch nicht unbedingt der Arbeit wegen. Oder doch? Wuerde jedenfalls lieber am 15ten April statt Mai fliegen und noch den crash-course als Schrauber bei euch mitmachen.
    Und Henning: Bitte mach weiter…. besser als jedes Buch, was ich in der Vergangenheit in die Hand nahm. Werde regelmaessig reinschauen und auch gerne den ein oder anderen Kommentar loslassen.

    Und auf diesem Wege noch einen nachtraeglichen Glueckwunsch an Christian.

    Weiterhin viel Erfolg,
    Gruss aus D’dorf, Kuddl

  3. Ralf v Hafe sagt:

    … wer ist der Typ mit dem ‚Christian-Radio‘ Schild…. ?!?!

  4. Philip sagt:

    Hi Daddeldu-Crew,

    es macht großen Spaß den Blog zu lesen.

    Viele Grüße, Philip

  5. Mone sagt:

    Hilfe, da kriegt man ja Angst!
    Also ich bin ganz froh das ich das nicht direkt miterleben muss und Mama geht es bestimmt genauso. Passt bitte auf euch auf!

    Bis bald, Mone

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