Join the Navy!

A. B. d. Daddeldu, Portsmouth, VA, 13. Mai ’10

Das erste Etappenziel ist geschafft! Wir liegen sicher in der Tidewater Marina in Portsmouth, gegenüber von Norfolk mit einem recht netten Blick auf die Skiyline. Aber bis hierher waren es noch 48 Seemeilen von Coinjock. Über diesen Weg werde ich euch nun berichten.

Tidewater Marina mit der Norfolk Skyline.

Um sieben Uhr fünfzehn hieß es Leinen los und ich fuhr meinen erstes Ablegemanöver seit vier Jahren. Die Bedingungen waren denkbar günstig und so klappte auch alles reibungslos. Wir fuhren noch einige Meilen bei leichtem Wind und angenehmen Sonnenschein auf dem Kanal bevor sich vor uns der Currituck Sound öffnete. Hier färbte sich das Wasser allmählich ins gräuliche und eine sehr schmale Fahrrinne führte durch den breiten aber flachen Sund. Am Ufer Wiesen und Wälder, eine Atmosphäre wie im Wattenmeer. Es war wenig Wind angesagt aber als wir die Landabdeckung verließen frischte es buchstäblich aus heiterem Himmel auf. Eine nicht sehr hohe aber steile See baute sich auf. Obwohl wir ja kein einziges Segel gesetzt hatten schoben wir ganz schön Lage.

Wieder so'n Schrottfoto.

Nach ca. 10 Seemeilen auf dem offenen Sund kamen wir wieder in die Landabdeckung und fuhren, nun windgeschützt, in den North Landing River ein. Der N. L. River ist ein wenig breiter als die Kanäle, aber nicht viel, und schlängelt sich sehr hübsch durch die Landschaft. Da unsere schönen Fotos von gestern ja versehentlich gelöscht wurden, wollten wir heute ein paar neue machen um euch die schöne Natur zu zeigen. Leider ist der Fluss ein wenig breiter, folglich sind die Tiere auch weiter weg. Auch war das Licht nicht so schön wie Dienstag morgen aber wir haben trotzdem einige tolle Fotos machen können. Ich wollte auch mal die Kamera bedienen, hatte aber keine vernünftige Einweisung bekommen und alles macht die Automatik nun auch nicht. So sind traurigerweise ein paar wirklich starke Möglichkeiten durch mein Unvermögen versaut worden. Egal, dafür hab ich ’nen Weisskopfseeadler erwischt!

North Landing River.

Das Wappentier...

...landet!

Hightech vs. nature.

Nach einigen Stunden mündete der Fluss in den Albemarle and Chesapeake Canal und die ersten industriellen Vorbooten von Norfolk tauchten auf. Trotzdem gab es noch einiges am Ufer zu sehen und Virginia scheint vor Schildkröten nur so zu wimmeln. Im Fluss war auf fast jedem Seezeichen ein Adlerhorst gewesen aber auch unter der Autobahnbrücke vor Norfolk nisten diese mächtigen Tiere. Unter der Brücke durchzufahren war übrigens sehr unheimlich, denn der Strassenbelag bestand nur aus einem Gitterrost und so konnte man die Autos von unten sehen, die über einen hinwegbrausten. Eine Schleuse, das Great Bridge Lock, war noch zu passieren. Ich fuhr das Schleusenmanöver. Leider war ich beim Aufstoppen etwas zaghaft und so ist der Rumpf ein wenig an die Wand gerummst. Aber so was passiert eben. Vorbei an einer Abwrackwerft und vielen Schüttgutverladestellen kamen wir dann in den Industriehafen von Norfolk. Ein echt merkwürdiges Gefühl nach so vielen Tagen in der Natur wieder in eine Großstadt einzulaufen. Wie das wohl erst nach der Atlantikquerung in Hamburg wird? Kann ich mir noch gar nicht vorstellen.

Ne Schildi...

Ein Reiher.

Ein anderer Reiher.

Seltsame Schilder...

In der Schleuse.

Und noch so'n Schrottbild...

Der Hafen von Norfolk ist echt groß! Und hier ist ja der Hauptstützpunkt der Atlantikflotte. Wir fuhren an einigen Marinewerften vorbei. Hier lagen, teilweise uralte, Kriegsschiffe von denen einige so aussahen als wären sie schon im Vietnamkrieg im Einsatz gewesen. Sogar ein kleiner Flugzeugträger war da. Aber ich glaub die Ammis stehen nicht drauf wenn man ihre ihre Kriegsschiffe direkt fotografiert und so haben wir uns einige wirklich spektakuläre Perspektiven lieber so eingeprägt.

Marinewerften soweit das Auge reicht.

Reethe-Hubbrücke in Wilhelmsburg?

Dann kamen wir in den Stadthafen und hatten die Qual der Wahl, welche der Marinas wir anlaufen sollten. In unserem Atlantikhandbuch war nur die Downtown Marina in Norfolk näher beschrieben, aber die liegt direkt an der Hafenautobahn am Bankenviertel und schon im Vorbeifahren war es tierisch laut und dauernd fuhren Polizei und Feuerwehr mit Sirenen vorbei. So folgte der Skipper lieber seinem Instinkt und steuerte auf die andere Flussseite. Jetzt liegen wir an der Altstadt von Portsmouth und ich glaube hier ist es echt ganz nett. Nachdem wir sicher vertäut waren und die Formalitäten beim Hafenmeister erledigt hatten, machten wir uns zu Fuß auf den Weg die Stadt zu erkunden.

Portsmouth wurde irgendwann im 18. Jahrhundert gegründet und wirkt wie eine Mischung aus Frankreich und England. Kleine alte Häuser und die Nebenstraßen sind echt hübsch. Sogar Bürgersteige gibt es hier noch. Wir kehrten in einem Chinesischen Restaurant ein, da es heute ja außer Pringels noch nichts vernünftiges zu beißen gab. Sehr billig und sehr lecker. Während wir aßen brach ein tierisches Gewitter los und Sturzbach artige Regenfälle brachen über die Stadt herein. Aber wir saßen ja im trockenen, die Daddeldu lag sicher vertäut im Hafen und so konnten wir uns auch das Deckschrubben sparen. Als der Regen aufhörte bummelten wir noch ein wenig die Highstreet hinunter. Hier gibt es viele Kneipen und Cafes im französischen Stil und man kann, prima geschützt, draußen sitzen. Nach zwei Bieren ging es wieder an Bord und ab ins Bett.

Heute ist ja Seemannssonntag und so schliefen wir aus. Bis acht. Nach einer Dusche machte ich mich ans Eierkochen und Jens bearbeitete derweilen die Fotos damit sie nachher auch schön in den Blog passen. Ich geh jetzt mal an Land und such mir ein Plätzchen mit Empfang. Heute Nachmittag geht’s in die Stadt um eine neue Funkantenne etc. zu kaufen. Ab morgen wird wieder geschuftet damit wir auch einsatzbereit sind wenn am Sonntag unsere Badegäste kommen.

Take care,

Henning

3 Responses to “Join the Navy!”

  1. christian sagt:

    Moinsen,

    eure Badegäste haben heute schon die Badehose und ein paar Adiletten eingepackt. Ich für meinen Teil bin schon einwenig nervös und hoffe das uns der Vulkan in Ruhe läßt am Sonntag. Immerhin haben wir Januarwetter hier in Hamburg, was mit viel Regen verbunden ist und somit den Himmel Aschefrei werden läßt.

    Also, habt euch wohl und bis Sonntag dann.
    Christian

  2. Rob sagt:

    Henning mein bester,

    schön dass es euch gut geht!!
    Wann geht´s denn eigentlich los übern großen Teich??

    Liebste Grüße und bis baldigst
    Robin

  3. steffi sagt:

    Tolle Bilder! Post ist abgegeben und bin mit aufgeregt, jetzt gehts ja bald richtig los…

    Grüße an euch beiden vom Bodensee

    Die Steffi

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