Crash back…

ICW, Jarrett Bay Docks, Beaufort, NC, 4. Mai ’10

Es ist viel, sehr viel passiert, in den letzten Tagen. Dies wird also ein längerer Artikel. Aber das wichtigste vorweg:

Wir sind im Wasser und das Schiff schwimmt!

ICW steht übrigens für Intra Coastal Waterway. Aber der Reihe nach:

Am Sonntag sind wir nach einer kurzen Nacht sehr früh aufgestanden und haben uns um acht ans Werk gemacht. Leider kommen wir grade beim besten Willen nicht drauf was wir taten außer, dass der Skipper den Wasserpass nachgebessert hat wo das Malerkrepp die frische Farbe wieder zerstört hatte. What ever, wir hatten jedenfalls viel zu tun. Um eins sind wir dann das letzte Mal in unseren Chevy gestiegen und nach New Bern gefahren um ihn dort abzugeben.

(Nachtrag: Wir installierten die Sprayhood und befestigten die Grätings in der Plicht und stellten fest, dass das Pink doch recht extrem war, also nochmal schnell in saphire blue nachgebessert.)

In New Bern dann, gab es endlich Frühstück. Es war der heißeste Tag bisher und wir suchten uns ein schattiges Plätzchen am Hafen. Direkt neben einem Hotelpool mit gutem Blick über die Bucht. Kühle Getränke und ein recht gutes Essen. Nachdem unser Hunger gestillt war ging es dann zu Fuß zum sight seeing im historischen New Bern. Nicht ganz ohne bei der Hitze aber schließlich galt es so besondere Sehenswürdigkeiten wie die Geburtsstätte von Pepsi Cola zu besichtigen. Nach ca. eineinhalb Stunden hatten wir genug und unser Rückgabe Termin rückte näher. Auf dem Weg zum Flughafen noch schnell ein Halt beim örtlichen Food Lion um das Essen für unsere Abschiedsparty zu besorgen.

Ne Kirche,...aus richtigen Steinen!

Home of Pepsi Cola.

Pünktlich um fünf vor vier parkten wir unseren Wagen auf dem Hertz Parkplatz und während wir noch das Fahrtenbuch ausfüllten hielt schon Big John (der bestellte Taxifahrer) neben uns. Big John ist ein tätowierter Altrocker in den sechzigern und sieht genauso aus wie sein Name vermuten lässt. Ein Handle-Bar Kontakt übrigens. 😉
Er fuhr uns, mit Hilfe seines Radarwarngerätes, recht zügig nach hause…

Wieder an Bord ging es gleich weiter mit der Arbeit: Rettungsinsel und Aussenborder montiert, Ankerkette an Bord geholt und gestaut, Großsegel angeschlagen und das neue Segelkleid drüber usw. usf. Bis zum Dunkelwerden.
Montag morgen um acht Arbeitsbeginn, wie es sich gehört. Unsere Schraube musste noch montiert und unsere neuen „Hanburg“-Schriftzüge sollten aufgeklebt werden, dann galt es die Festmacher und so einiges mehr wieder an Bord zu schleppen und das Schiff klar zum Slippen zu machen. Um zwei Minuten vor elf waren wir dann startklar und ich hatte Zeit uns eine kleine Stulle zu schmieren, die sollte noch dringend gebraucht werden…

Punkt elf kam der Mann von der Werft und fragte ob wir soweit wären. Na klar! OK, dann schickt er jetzt den Portalkran. Wir noch schnell die Klebereste vom Malerkrepp am Wasserpass entfernt. Dabei half uns ein Reinigungsmittel von Bill sehr. Und als wir einmal ‚rum waren stand auch schon der Kran hinter dem Schiff. Mit dabei ein Kranführer und Sebastian der brasilianische Assi. Im null Komma nichts stand der Travellift über dem Schiff, Sebastian hatte die Gurte unterm Rumpf durch und aufwärts ging’s. In wenigen Minuten hing die Daddeldu dann über dem Wasser und wir durften wieder an Bord.

Los geht's...

Ob sie wohl schwimmt?

Ab jetzt waren wieder boating skills gefragt und wir beide hatten ja seit 3 Jahren kein Schiff mehr gesehen, waren folglich ein wenig aus der Übung. Na ja, wird schon schief gehen. Zwei Knoten Strom und fünf Windstärken (in Böhen mehr) aus der gleichen Richtung, direkt von der Seite…
Der Skipper startet die Maschine, die auch sofort anspringt und ich stehe mit dem Kugelfender bewaffnet auf dem Vorschiff. Sebastian und sein Kollege ziehen das Schiff aus den Krangurten und dann gibt der Skipper Gas…
Trotz Seitenwind etc., der Ableger läuft fehlerfrei. Wir schwimmen!!!

Wir drehen ein paar Kringel auf dem Fluss, legen die Leinen klar und beobachten die Maschine. Sie arbeitet zwar ein wenig stark auf den neuen Motorfundamenten, die ja angeblich für viel schwerere Maschinen gedacht sind, läuft aber ansonsten rund. Wir drehen unsere Kringel und suchen uns eine geeignete Box zum anlegen. Beim ersten Anlauf stellen wir fest, dass der Strom- und Windversatz noch wesentlich heftiger ist als wir gedacht haben. Aber gar kein Problem. Wir drehen wieder ab und starten einen neuen Anlauf. Leider ist der untere Relingsdraht nicht durch gesetzt und ich Idiot habe den Kugelfender einfach an Deck liegen lassen ohne ihn zu sichern. Der macht den Abflug und geht baden. Gute Gelegenheit ein Boje über Bord Manöver zu fahren. Leider wird der Fender viel zu schnell ins Flachwasser getrieben und wir müssen abbrechen bevor wir auflaufen. Egal, da kann man sich später noch drum kümmern und außerdem haben wir schon zweimal Fender von anderen Schiffen geborgen und so ist es nur ausgleichende Gerechtigkeit wenn wir auch mal einen verlieren.

Wir wollen endlich an den Steg. Also neuer Anlauf auf die Box. Die ist für wesentlich größere Schiffe gedacht. Von daher leicht zu treffen aber die Pfähle stehen weit auseinander, sind hoch und die äußeren bestehen aus drei dicken Dalben. Nicht so leicht da ’ne Leine drum zu kriegen. Der Plan ist: als erstes soll ich die Heckleine auf der Luvseite belegen und dann schnell mit der Vorleine übersteigen. Leider kriege ich die Heckleine nicht beim ersten Versuch um Pfahl und dann ist er auch schon vorbei. Der Skipper ist mit ziemlich hoher Geschwindigkeit in die Box gefahren um gegen die Strömung eine Chance zu haben. Ich schnell auf’s Vorschiff an die Vorleine. Ich sehe den Steg verdammt schnell näher kommen und höre wie Jens Vollgas zurück gibt um das Schiff aufzustoppen. Wir haben ja keine Heckleine. Der Motor heult aber das Schiff wird nicht langsamer. Und dann kracht es… Der Bugkorb bohrt sich ’n guten halben Meter in den Steg, das Schiff steht und ich kann bequem mit der Vorleine an Land. Schnell die Leine belegt und die Heckleine gegriffen. Mit ihr dann über das zwanzig Meter Angelboot das neben uns liegt geturnt, um an unseren Luvpfahl ran zu kommen. In der Zwischenzeit ist die Daddeldu natürlich längst vertrieben und hängt jetzt quer in der viel zu großen Box. Schnell die Achterleine belegt und mit vereinten Kräften schaffen wir es dann das Schiff gegen den Wind und die Strömung in eine halbwegs vernünftige Position zu ziehen.

Der Skipper öffnet den Maschinenraumdeckel und flucht…
Die Schraubenwelle ist gebrochen! Ich stehe noch Deck des Nachbarschiffes und denke: Scheiße, Scheiße und Doppelscheiße! Das war’s dann wohl mit den Bermudas…
Während uns noch der Schweiss läuft und wir es gar nicht fassen können tönt es vom Steg her: What are you doing in this slip?! Der Hafenmeister. Wir sind beide total sprachlos und können nicht antworten. Also nochmal: What are you doing in this slip?! Wonach sieht’s denn aus? Ich wäre ihm am liebsten an die Gurgel gesprungen. Der Skipper reißt sich zusammen und antwortet ihm irgendwas von serious engine Problems. Das scheint ihn nicht sonderlich zu interessieren die Box sei reserviert und wir dürfen hier nicht liegen. Wir beide, immer noch voll auf Adrenalin faseln irgendwas von serious engine Problems und we broke your dock. Versuchen auf englisch zu erklären was passiert ist. Er fragt nur What are you doing in this slip?! Und wo wir herkommen und was das alles soll? Irgendwie schaffen es ihm zu erklären, dass wir grade erst aus der Werft, zu der sein Steg gehört, gekommen sind und hier zwei Tage liegen wollen aber jetzt echt keinen Bock auf ihn haben und erst mal sehen wollen was mit dem Schiff ist und wir seinen Steg kaputt gemacht haben und das er uns bitte einfach ’ne Minute in Ruhe lassen soll.
Das mit dem Steg sei kein Problem und wir sollen einfach zu ihm ins Büro kommen wenn wir soweit sind, antwortet er.

Wir vertäuen erst einmal die Daddeldu anständig und sehen dann nochmal richtig nach der Schraubenwelle und der Maschine. Es stinkt nämlich ziemlich verbrannt.
Die Welle ist doch nicht gebrochen, sondern die Schraube hat beim Rückwärtslaufen lediglich die Welle aus dem Motor raus gezogen. Kein Wunder also, dass wir nicht aufstoppen konnten und den Steg gerammt haben. Aber das ist ja der Vorteil von Stahlschiffen, es geht nur der Steg kaputt, das Schiff bleibt heil.
Der komische Geruch kam von der übergekochten Kühlflüssigkeit. Das neue Schnüffelstück an der Kühlwasserleitung war nicht richtig zu gedreht, und so wurde nicht genügend Kühlwasser angesaugt und die Maschine ist heiß gelaufen.
Wir müssen halt Mittwoch nochmal tauchen gehen und nachsehen ob die Schraube noch OK ist. Wir sind aber ganz zuversichtlich das mit Bordmitteln beheben zu können. Na gut, vielleicht müssen wir noch ein paar Tage länger hier bleiben aber noch können wir es rechtzeitig nach Philly schaffen.

Jetzt hieß es erst mal die Gastlandsflagge setzen und anschließend zog ich meine Badehose und die Sandalen an, um dem verloren gegangenen Fender hinterher zu schwimmen. Der war ca. 300 m weiter ans Ufer getrieben worden und über Land kommt man da nicht hin. Das ist ein Moor. Den Hinweg bin ich mit der Strömung geschwommen und den Rückweg über schlickige Austernbänke gewatet. Da waren die Sandalen ganz gut.

Baywatch.

Puh! Jetzt erst mal ein Bier auf den Schreck. Jens ist dann zum Hafenmeister und hat nochmal in Ruhe mit ihm gesprochen. Alles überhaupt kein Problem. Er heißt auch Bill (ich glaube unser fünfter Bill) und wir können so lange bleiben wie wir wollen.
Dann ab in die Koje zum Mittagsschlaf, wir wollen ja auf der Party heute Nachmittag nicht gleich zusammenbrechen. Dann eine kleine Dusche und ’nen Kaffee.

Um Punkt vier, waren wir dann frisch und gut gelaunt mit einem Topf voll marinierter Rindersteaks, einem Eimer sehr leckerem Kartoffelsalat und ein paar Maiskolben bei Bill und Roy (Jesus) vor der Werkstatt. Wir hatten schon morgens zwei Sixpacks Becks, ein Sixpack Pilsener Urquell und ’ne Palette Yuengling bei denen im Kühlschrank eingelagert. Der Grill stand bereit und Bill, Roy und Wilson warteten schon ganz ungeduldig auf uns. Wenig später trudelten dann noch Sebastian der Weftarbeiter, Dan der Einhand-Weltumsegler und Rusty ein. Ich stand am Grill und bereitete die Steaks und Maiskolben und alle waren gut drauf. Es war eine sehr nette Runde und die Grüppchen haben sich prima gemischt und es wurde nicht nur Seemannsgarn gesponnen.

The Becks experience. (Von re: Bill, Roy, Rusty, Dan, Wilson.)

Grillmaster.

Am kalten Buffet. (von re: Roy, Wilson, Sebastian.)

Nach zwei, drei Stunden verabschiedeten sich so nach und nach die Ersten aber Dan blieb noch bis zum Dunkelwerden. Dann räumten wir kurz zusammen und nahmen noch einen Absacker an Bord, fielen uns sehr bewegt in die Arme und um zehn schliefen wir den Schlaf der Gerechten.

Wir haben echt viel geschafft in den letzten Wochen und diese schöne Abschiedsparty haben wir uns redlich verdient.

Wir werden morgen sehen wie es um unseren Antrieb bestellt ist und noch die letzten Arbeiten abschließen aber das kriegen wir auch noch gebacken…

Wir haben wieder ein schwimmendes Schiff!!!

Endlich zu Hause...

Henning und Jens

3 Responses to “Crash back…”

  1. Mone sagt:

    Oh man, das sind ja wieder aufregende Geschichten!
    Aber erstmal herzlichen Glückwunsch zum schwimmenden Schiff!!!
    Ich bin froh das es so einigermaßem geklappt hat. Hoffe ihr bekommt die Probleme noch in den Griff und die nächsten Anlegemanöver werden wieder besser.
    Viele Grüße, Mone

  2. christian sagt:

    Moin ihr beiden,

    auch von meiner Seite erstmal riesige Glückwünsche, dass ihr in so knapper Zeit so viel geschafft habt. Bin echt Stolz auf euch und derbst Froh, dass wir unserem Plan wieder ein Stück näher sind. Mir ist für kurze Zeit tierisch der Kackstift gegangen, als ich von der gebrochenen Welle las. Zum Glück ist die Geschichte nochmal glimpflich ausgegangen, war ja nicht unser erster Steg den die Daddeldu näher kennengelernt hat.

    Henning, dein bleicher Unterhemdabdruck auf deinem Körper gefällt mir übrigends sehr gut… 😉

    Lasst euch drücken und liebe Grüße aus Braunschweig.
    euer Chris

  3. Steffi sagt:

    Oh ja, ich hab auch ganz schön mitgefiebert und werde das weiter tun! Wie ist das denn jetzt ausgegangen??

    Viele Grüße aus dem eisig kalten Hamburg.

    Die Steffi

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