Ostern, die Fortsetzung

Beaufort, NC, 5.April 2010

0404 2.0

Ostern 2.0

Noch mal zurueck zur Kirche: Wer immer schoen aufmerksam die Simpsons gesehen hat, ist eigentlich recht gut vorbereitet auf das was einen in Amerika erwartet. Homer sass in der ersten Reihe. Ein Mann der so aussah als wuerde er die Woche ueber koerperlich arbeiten, wirkte leicht angetrunken und schlief den Gottesdienst ueber in Betposition. Zum Abendmahl liess er sich dreimal von der Kuesterin wecken. 1. Zum Brot nehmen. Gegessen hat er es dann selbststaendig. 2. Erweckung zum Wein nehmen, (der ist hier Traubensaft und wird in Einweg Schnapsglaesern verteilt- safety reasons wie ich vermute) und das 3. Wecken, um diesen dann zu trinken. Gefallen hat mir auch die duerre Organistin, die sich ein paar mal verspielte, was nicht so schlimm ist aber ich hatte das Gefuehl sie wuerde bei den laengeren und etwas rockigeren Liedern jeden Moment zusammenbrechen (Simpsons). Ansonsten alle Archetypen vertreten. Die braven Familien mit ihren kleinen blonden Toechtern, die Marinefamilien, bei denen Vater und Sohn in Uniform steckten und mein persoenlicher Liebling: Familie Speck. Vater, 2 Soehne Anfang 20 und eine Frau bei der ich nicht sicher bin ob sie die alt aussehende Tochter oder die jung aussehende Frau war. Wie auch immer, jedenfalls wogen die 4 jeweils zwischen 120 und 180kg. Die Pastorin sang gegen Ende des Gottesdienstes ein sehr langes und engagiertes Solo bei der sie scheinbar so etwas wie einen spirituellen Orgasmus erlebte. Ich hatte auf jeden Fall genug zum gucken.

Als der Gottesdienst dann beendet war, machten wir uns dann auf den Weg in die Handle-Bar. Wir wollten naehmlich ein wenig Kontakt zu den Einheimischen haben. Schliesslich waren wir ja eingeladen zu einem richtig Amerikanischen Hausmannskost Festessen. Carol die 60 Jahrige Altrocker-Wirtin hatte selbst gekocht und das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Wir waren so ziemlich die ersten und vertrieben uns die Zeit bis zum Essen mit drei zuenftigen Osterpartien Poolbillard. Is klar wer gewann!?! Icke nartuerlich. ((mit viel glueck))
Da noch nicht so viel los war konnte Vaddern sich einen neuen Mitgliedsausweis ausstellen lassen und ich bin auch gleich Mitglied in diesem exklusiven Rauch- und Trinkverein geworden. Jetzt hab ich endlich n Laden wo ich nicht jedesmal den Ausweis zuecken muss wenn ich n Bier bestelle. Als Mitglied soll man angeben an was fuer Clubaktivitaeten man am meisten interessiert ist. Ich interessiere mich selbstverstaendlich fuer Nascarrennen, Golf- und Billardturniere.
(Kurzer Einschub zu den Alterskontrollen, die hier so eine Art Volkssport zu sein scheinen: Zigaretten sind ab Achtzehn und als wir am 1. Tag unseren Boxenstop einlegten, damit der Skipper sich neue Kippen kaufen konnte, wollte die Verkaeuferin natuerlich einen Altersnachweis von Jens sehen. Er sieht ja wirklich noch recht jugendlich aus. Charmant wie mein Vater ist hat er stattdessen ein Foto von seinem Enkelsohn gezeigt. Fand sie auch echt suess aber den ID wollte sie trotzdem. Als Vaddern das fuer einen Scherz hielt, drohte die Situation zu eskalieren. Aber nachdem er dann doch sein Geburtsdatum angab bekam er sie Zigaretten und rettete das Gespraech indem er ihr sagte er hoffe jetzt doch sehr, sie auf seiner naechsten Geburtstagsparty zu sehen. Also nicht nur ich leide darunter mit meinen 30 Jahren wie ein 15 Jaehriger behandelt zu werden.)
Zurueck zum Osterfest. Nach und nach trudelten die anderen Barbesucher ein und es ging ans Essen. Es gab ein undefinierbares Gemuese (suesskartoffeln oder so) das in in einer Sirup artigen Sosse schwamm und wirklich zuckersuess war. Ausserdem im Angebot der Easterham (dicke Scheiben Kochschinken mit Sauerkraut), ein echt lecker Erbsensalat mit Kaese, schwarz gefaerbtes Weissbrot, Nachos mit Kaesesosse, backed Beans, diverse Kuchen (unter anderem zuckerfreier Kaesekuchen), Soleier und gefaerbte Ostereier mit verschiedenen Dips. Insgesamt gewoehnungsbeduerftig, aber so ist es halt im Ausland.
Die Handle-Bar wird von recht unterschiedlichen Menschen frequentiert. Hier findet man viele weisse und schwarze Arbeiter, Segler, Farmer, Biker und Leute die ich eher der Trailerpark-Fraktion zurechnen wuerde. Also ne Menge zu beobachten.

Nicht viel zu sehen,...

...aber so sieht's drinnen aus.

Nach einiger Zeit wurde uns aber doch langweilig und da ich auf ja inzwischen auf Budweiser umgestiegen bin, beschloss ich, die Brauerei hat recht. „Responsibility Matters! I’m the designated driver.“ Soll heissen, ich darf hoechstens 24 Bier (oder so aehnlich) trinken bevor ich mich ans Steuer setze. Also mal langsam machen und bald nach Haus zum Mittagschlaf. Aber durch die Dauerberieselung aus der Glotze neugierig geworden wollten wir doch noch raus finden wo und wann man sich denn hier mal n Footballspiel angucken kann. Also hab ich die beiden Typen neben uns am Tresen angequatscht. Ein Segler und ein ein echter Redneck den man wirklich kaum verstehen konnte. Der Segler hatte keine Ahnung war aber sehr an uns und unserer Reise interessiert. Und so kamen wir ins Gespraech. Er will uns Freitag mal an Bord besuchen. Waehrend wir am palavern waren mischte sich dann ploetzlich ein weiterer Schnurbarttraeger ein, der wohl mit einem Ohr zugehoert hatte und unseren deutschen Akzent erkannte und sich als der legendaere und verschollen geglaubte Rusty vorstellte. (Rusty hat wohl damals sowohl Jens als auch Christian mit Rat und Tat zur Seite gestanden und war waerend unserer Abwesenheit mit allerlei Auftraegen betraut die sich um die Daddeldu drehen. Leider weiss weder er noch Jens so genau wie diese Verabredungen genau lauteten. Klar ist nur, dass er mindestens die Haelfte dieser Auftraege nicht erfuellt hat und so ist man sich an Bord nicht sicher ob man ihm dankbar sein soll oder sauer auf ihn ist.) Vaddern und Rusty hatten sich natuerlich einiges zu sagen und ich schnackte ganz nett mit dem anderen Segler und dem Farmer. Der Skipper gab noch einen aus und von irgendwoher wurde eine weitere Runde geschmissen und so blieben wir noch ein Stuendchen. Ich wurde ueber mein Leben in Deutschland ausgefragt und man war sich einig, dass ich ja mit einem Uni-Abschluss in social-works bestimmt viel Geld verdienen muesste. Einen echten Redneck-Spruch hab ich auch noch bekommen. Auf die Frage was ich denn gemacht habe in Deutschland, antwortete ich „I worked with drug addicted people.“ kam die Erwiederung: „Huh… and what do you do with them? Shoot them?“. Naja ihr wisst ja, ich bin Diplomat, und als ich dem Farmer, der schon leicht einen sitzen hatte, erklaerte das Alkohol auch eine Droge ist, war Ruhe im Karton. Wenig spaeter stellte ich dann die Frage die auf meinem Bierdeckel stand: „wanna go home with ME tonight? I’m the designated driver.“ und puenktlich um 1700 Uhr waren wir wohlbehalten zu Hause und begaben uns zum wohlverdienten Mittagsschlaf. Am Abend hatten wir beide keine rechte Lust mehr nochmal die 10 Meilen in den Ort zu fahren und so blieben wir an Bord um uns den Abend mit recht tief schuerfenden Maennergespraechen zu vertreiben und Briefe zu schreiben.

Das war mein Ostern 2010.

Henning

3 Responses to “Ostern, die Fortsetzung”

  1. Anke sagt:

    Lieber Henning,

    ich danke Dir für diese schönen Osterberichte…es ist sehr erfrischend und ich finde es toll, dass Du jetzt so tolle amerikanische Erfahrungen machen darfst. Wir tauschen uns aus, wenn du wieder da bist.

    Liebe Grüße Anke

  2. Steffi sagt:

    …macht echt richtig Spaß zu lesen!

  3. HEiN Mueck sagt:

    Das freut mich. Dann schreib ich weiter.

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