Tag 2. Ankunft auf der Daddeldu

Baufort,NC, 3. April 2010
0401 (04 steht fuer April und 01 eins natuerlich fuer den Tag)

So wie gings denn dann weiter?
Dem Jetlag sei dank standen wir in aller fruehe, d.h. Gegen 7 Uhr Ortszeit auf, um uns durch ein durchaus annehmbares Fruehstuecksbuffet zu fressen. Leider gibt es ja in Amerika nur Heissgetraenke mit Kaffee aehnlichen Geschmackszusaetzen. Aber immerhin.
Jedenfalls haben wir uns bei strahlendem Fruelingswetter wieder auf den Highway begeben und unseren Weg, vorbei an zahlreichen Fastfoodrestaurants und seltsamen christlichen Kirchen, in richtung Kueste fortgesetzt.
Gegen halb 12 erreichten wir dann endlich das Jarret Bay Boatworks Gelaende in Baufort, NC. Und siehe da, direkt hinter der Einfahrt auf dem Besucherparkplatz stand sie dann. Die Daddeldu. Bunt gesprenkelt mit silbernen Rostschutzfarbflecken die Christian letztes Jahr aufgetragen hatte. Leider weit weg von Wasser- und Stromanschluessen, aber sonst unversehrt. Auf dem Tisch noch der Brief von Chris an den Techniker mit der dazu gehoerigen Flasche Schnaps. Es sah alles so aus als waehren Christian und Anke die letzen Menschen, die das Schiffsinnere betreten haben und nach jetzigem Erkenntnissstand ist es wohl auch so. Naja, wenigsten hat keiner was mitgehen lassen. Wir also erstmal zum Lager-Service wo unsere 4 Paletten Ausruestung saeuberlich aufgereiht im Lager standen und noch immer auf Abholer warten. Dann weiter ins Werftbuero und uns angemeldet. Die Sache mit dem Strom ist kein Problem. Wir sollen wahrscheinlich morgen umgeparkt werden, an einen Platz wo wir Strom und Wasser Zugang haben. Ist wohl kein Problem. Die haben hier n Paar Portalkraene, fuer die unser 12t Schiff ein Leichtgewicht ist. Ausser 2/3 anderen Seglern stehen hier hauptsaechlich 20-30m lange Hochseesportangler Boote rum, die wohl um einiges mehr wiegen als wir. Ok, alles klar. Wir also zurueck an Bord und erst mal Grossreinemachen und Betten beziehen. Leider ist unsere Bordnetzbatterie im Arsch und wir haben folglich keinen Strom. Selbst mit Landstromanschluss funktioniert hier keine Lampe. Das ist nichts was man mal eben in einer viertel Std. beheben kann und wir beschliessen mit der ernsthaften Arbeit erst am Montag zu beginnen.
Lieber erstmal im Ort orientieren. Ich jetzt. Vaddern kennt das hier ja noch von seinem Aufenthalt von vor 3 Jahren. Baufort besteht aus den typischen, billig gebauten, amerikanischen Holzhaeusern mit riesigen Grundstuecken ,die sich Meile um Meile an der Landstrasse entlang erstrecken. Einigen Supermaerkten mit obligatorischen Megaparkplaetzen und dem Herzstueck der Stadt. Die Beaufort Waterfront. Eine hoelzerne Promenade mit Schiffsliegeplaetzen und dahinter Restaurants und Tourishops im Westernstadtstyle. Im Dockyard-Cafe an der Waterfront gab es dann den ersten richtigen Burger. Echt lecker. Sogar die Tomaten haben nach Tomaten geschmeckt.

Danach ein kurzer Besuch im Royal-James-Cafe. Der oertliche Billard Salon, wo man vor drei Jahren noch rauchen durfte. Jetzt leider nicht mehr. What ever. Nachdem ich mich wieder mal mit meinem deutschen ID ausweisen musste gab es dann auch ein Bier. Zum rauchen mussten wir dann raus aber selbst auf der Bank vor der Kneipe ist Alkoholverzehr verboten. Der Barkeeper meinte die Chance dabei erwischt zu werden sei relativ gering und so nahmen wir draussen Platz. Sofort waren die Blicke der Passanten weniger freundlich aber wir Quades haben ja manchmal Spass an sowas. Einige Zeit haben wir von unserem Plaetzchen aus das Treiben in und vor der Kneipe betrachtet und uns durchaus amuesiert. Die Sache mit dem Rauchen liess Jens dann aber doch keine Ruhe und so ging es dann weiter zur Handle-Bar, der letzten Bastion aufrechter Kneipenkultur in den Staaten. Von aussen eher Hippiekneipe aber von innen mehr Billardsalon fuer Biker und Arbeiter. Tapeziert mit Rauchverbotsschildern aber die Luft spricht eine andere Sprache. Jedenfalls ein Club in dem nur Mitglieder bedient werden. Jens wollte natuerlich, stolz wie Oskar, seine Mitgliedskarte vorzeigen. Leider ist die wohl in Hamburg geblieben und seine Beteuerungen wirklich ein Member zu sein wurden nicht so wirklich geglaubt. Aber nachdem das schlaue Buch befragt wurde war klar Dschens Cwaedie ist Mitglied und wir wurden sehr freundlich aufgenommen. Ich habe sogar mein bisher einziges Bier ohne ID bekommen und wir wurden zum Osteressen eingeladen.
Gegen 8 wird es hier recht ploetzlich dunkel und wir auch muede. Also ab nach Hause. Man kommt hier ohne Auto nirgendwo hin und die Jarrett-Bay liegt ca. 10 Meilen ausserhalb der Stadt. Aber das ist alles nicht so schlimm denn besoffen Autofahren ist in Amerika echt leichter als in Deutschland. Breite Strassen, die immer geradeaus gehen und Automatikschaltung erleichtern den Heimweg. 😉
Noch schnell am Supermarkt das Noetigste besorgt: Kaffee, Fruehstueck und Eis fuer den kaputten Kuehlschrank etc. und dann ab in die Koje.

0402

Am naechsten morgen dann festgestellt, dass der Herd wohl nicht so will wie wir und der Wasserkocher mangels Strom auch keine Hilfe ist. Was solls. Cornflakes mit Banane reichen auch. Danach noch ein bischen am Schiff rum gepuzzelt und uns danach erkundigt wann das Schiff verholt werden soll. After Lunch. So gegen 1. Wir also in die Stadt um noch rechtzeitig bei der Post zu sein. Ein kleiner Kaffee (ca. 0,4l) an der Waterfront und schoen Karten an unsere Maedels schreiben. Als Wir um halb 1 wieder in der Jarrett-Bay ankommen ist leider das Schiff weg. Zu spaet. Aber macht nichts die tun hier ja den ganzen Tag nichts anderes als Schiffe hin und her zu schieben und haben alles zu unserer Zufriedenheit erledigt. Bei der Suche nach etwas Essbarem zum Mittag dann die Entdeckung. In einer Proviantkiste liegt eine Plastiktuete mit einem undefinierbaren Inhalt. Schokobraun und ca. 1mm dick. Ungefaehr 10 mal 30cm gross. Durchsetzt mit mumifizierten Maden. Das bleibt uebrig wenn man amerikanisches Toastbrot zu lange liegen laesst. Sah ein bischen aus wie Packpapier. Egal die Dosen (seit 2-3 Jahren abgelaufen) waren noch gut und so sind wir nach einem deutschen Mittag guter Dinge aufgebrochen um uns mal den Atlantik anzusehen. Nach Beaufort und dann weiter durch Moorehead-City nach Atlantik-City an den Strand.

Da wollen wir hin!

Dort schon maechtig Osterwochenendbetrieb. Herrliche Sonne (wir haben ca. 22 Grad im Schatten) und feiner weisser Sand wie auf Sylt. Irgendwann hab ichs nicht mehr ausgehalten und bin dann doch ins Wasser. Die Badesaison ist eroeffnet. Am 2. April! Frisch aber angenehm.

Nach dem Bad dann noch ein bischen Kultur. Wir haben uns ein altes Fort angeguckt das wohl im Buergerkrieg hart umkaempft war.

Auf dem Rueckweg dann Abendbrot im Captains-Table wo Vaddern damals nach seinem Krankenhausaufenthalt gefruehstueckt hat und so begeistert war. Ein altes Dinner im klassischen Stil. Ich hatte Schrimps und Pommes mit Pepsi die allerdings wie so oft hier total verchlort war. (Die haben alle solche anlagen wo Leitungswasser mit Sirup und Kohlensaeure versetzt wird und das schmeckt dann halt je nach Wasserqualitaet mehr oder weniger gut). Der Skipper hatte einen Countryham, der total versalzen war, und Kaffee satt zum Essen. Auf jeden fall hatten wir beide ein paar Stunden Magengrimmen. Sind wohl noch nicht so dran gewoehnt uns ausschliesslich von Fritiertem zu ernaehren. Und immer nur Pepsi oder Yuengling-Bier haengt mir auch schon ein wenig zum Hals raus. Ich glaub morgen steig ich um auf Coke und Bud. Aber immerhin ein ganzer Tag ohne Kneipe. Zurueck an Bord haben wir uns dann ums Internet gekuemmert. Ja es laeuft! Leider nur mit 5,5MBit pro s und man fliegt dauernd raus. Egal zum mailen reichts aber irgendwie koennen wir uns noch nicht in den Blog einloggen. Kommt noch.

So es ist spaet. Der Skipper pennt seit ner Stunde und ich bin auch muede. Morgen geht’s in die Kirche zum Ostergottesdienst, danach Festessen in der Handle-Bar. Wenn Jens danach noch fit ist schreibt er euch bestimmt gerne was heute und morgen so passiert ist.

Gute Nacht. Henning

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