Las Palmas die zweite, 12. September ’06

nun bin ich also auf Gran Canaria und nicht gerade in der schönsten Ecke (so hoffe ich mal). Las Palmas ist wirklich eine potthässliche Stadt! Francois hatte mich ja gewarnt. Schon der Flug hierher war besonders. Noch nie bin ich in einer prolligen Gesellschaft gereist. Mone hat mich ja bis zum Abflug begleitet und konnte sich einen Eindruck verschaffen. Irgendwie habe ich mir die Zeit mit Zeitunglesen und Sudoku vertrieben und mit leichter Verspätung kam ich gesund und müde an. Die Zeit am Kofferband wurde mir sehr lang, aber danach war alles gut und ich konnte meinen (ziemlich schlank gewordenen) Liebsten in die Arme schließen.

Bus und Taxi fuhren an superhässlichen Bauten vorbei, das Hotel Astoria auch keine Augenweide, aber das Zimmer war ok. Nach dem Einchecken und Umziehen (noch immer 27 Grad) gingen wir auf die Strandpromenade und setzten uns in ein Lokal, dass ausschließlich von Spaniern besucht war. Der Ort und das Personal wirkten etwas schmuddelig und ich entwickelte gleich wilde Phantasien von Hepatitis C. Vielleicht lag es auch an meiner blütenweißen Hose, dass ich so ängstlich war. Das Essen schmeckte jedenfalls ganz gut, nur dem Salat traute ich bis zum Schluss nicht.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen (Buffet mit 100 Sachen, die ich nicht mochte) checkten wir aus, kauften in einem nahe gelegenen Supermarkt ein (vor allem Mineralwasser) und nahmen ein Taxi zum Hafen. Ab da war es dann wunderbar. An Bord fühlte ich mich sofort zu Hause, packte meine riesige neue Reisetasche aus, freute mich über den Platz, der nur für mich und meine Sachen reserviert war und genoss die ersten Stunden auf der Daddeldu. Die laute Stadt ist hier an Steg 18 weit genug weg, es weht ein leichtes Lüftchen und die von Jens bereiteten Tapas schmecken mindestens so gut wie im Restaurant.

Ein Mittagsschlaf in meiner Hundekoje gab mir die nötige Energie, um zu unserem ersten richtigen Stadtbummel aufzubrechen. Wir fuhren mit dem Bus in die Altstadt. Dort buchte ich mir ein Hotelzimmer für den 30. September, das direkt neben dem Busbahnhof liegt. So muss ich am 1. Oktober nicht mitten in der Nacht aufstehen. Anschließend bummelten wir durch die Fußgängerzone. Hier gibt es noch ältere Häuser und das Ganze hat wenigstens einen Anflug von Charme. Sehr begeistert waren wir von der Casa Colon, ein Museum, dass Kolumbus gewidmet ist. Das Haus erinnerte mich an das Isabella Stuart Gardner Museum in Boston, aber wer weiß, wer beim wem abgeguckt hat. Nach dem Besuch war ich deutlich versöhnlicher gestimmt und fand, dass es doch ein paar hübsche Ecken hier gibt.

Die Pause in einem kleinen Cafe zog sich bis lange hin, weil wir uns so viele wichtige Sachen zu erzählen hatten und so brachen wir erst auf, als es fast neun und schon ziemlich dunkel war. Noch immer waren die Geschäfte offen und reges Treiben belebte die Straßen. Wir kamen an einer Konditorei vorbei und kauften zwei Stück köstliche Kuchen. Also das können die Spanier!!

Geschlafen habe ich prima, nur so richtig wach werden mochte ich heute morgen nicht. Aber als ich erstmal raus war aus der Koje (nach 9, was für mich wirklich spät ist), genoss ich es sehr, bei der Morgentoilette mal nicht zu frieren, wie ich es von der Ostsee gewohnt bin. Zum Frühstück gab es Kaffee, Pampelmuse, trockenes Brot und sehr leckeren Quezo (Käse). Der Kühlschrank ist ja kaputt und es ist wirklich ein Problem, hier Lebensmittel zu lagern. Außer Hartkäse und luftgetrocknetem Schinken eignet sich kaum etwas.

Sehr spät machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Wir besuchten die Markthallen und staunten vor allem über das Angebot an Fisch. Tintenfisch, Doraden, Thunfisch, Schwertfisch und was weiß ich noch glänzte auf der Auslage und wurde von sachverständigen Hausfrauen gekauft. Die Auswahl an Schinken war auch eindrucksvoll, Obst und Gemüse eher enttäuschend.

Zwischendurch versuchten wir immer Auskünfte über Fährverbindungen zu bekommen, aber das ist gar nicht so einfach, weil die Reisebüro-Angestellten so gut wie kein Englisch konnten. Sie kapierten einfach nicht, dass ich Ende des Monats von El Hierro oder La Gomera aus mit der Fähre nach Las Palmas zurückkommen will. Als ich endlich nach mehrfachem mühsamem Fragen an verschiedenen Stellen die Auskünfte hatte, die ich brauchte, wollte ich noch wissen, von wo der Bus Nr. 1 dann abfährt, der mich ins Hotel Parque bringen soll. Ich will das jetzt wissen und nicht erst in Erfahrung bringen, wenn ich allein mit schwerem Gepäck hier ankomme. An der Bus-Station gab es keine funktionierende Anzeigentafel, keinen Plan, gar nichts, was einem Besucher helfen könnte, sich zurecht zu finden. Immerhin war ein Schalter besetzt. Ich fragte auf Englisch, wo denn der Bus Nr. 1 abfährt. Der junge Mann antwortete mit der Frage, wohin ich denn wolle. Zum Parque San Telmo (das ist die andere große Bus-Station, wo mein Hotel ist). Dann fragte er, ob ich Französisch, Englisch; Holländisch oder Deutsch sprechen wollte. Ich sagte, dass mir das egal sei, solange ich nur die Information bekäme, die ich wollte. Da sagte der freche Kerl doch glatt auf Deutsch zu mir „Wenn Sie Deutsche sind, warum sprechen Sie dann so schlecht Englisch?“ Eine ballern konnte ich ihm nicht, weil die Scheibe dazwischen war. Ich schluckte meinen Ärger also hinunter und versuchte ihm zu erklären, was ich wann vorhabe. Am Ende erzählte er mir tatsächlich, wo der Bus Nr. 1 hält, nur das war meine Frage. Ich war reichlich bedient und beschloss, nicht noch länger hier zu bleiben, wo die Leute so mit ihren Gästen umgehen.

Auf dem Rückweg hatten wir noch Mühe, Brot einzukaufen, weil inzwischen Siesta angebrochen war. Von halb 2 bis halb 5 sind fast alle Läden geschlossen. Wir fanden dann aber nicht nur Brot sondern wieder leckeren Kuchen, u. a. eine Vanilleschnitte, die stark an Onkel Jo erinnerte.

Zwei Stunden später (halb 10): wir haben zu Abend gegessen und sitzen jetzt in einem Cafe am Hafen, das Internet-Anschluss hat. Es wird von Schweden geführt und hängt voller Segler-Utensilien. Jens regelt gerade die Formalitäten. Im TV ist Fußball (Chelsea gegen Bremen). Morgen spielt HSV gegen Arsenal. Vielleicht bleiben wir doch noch?

Auf jeden Fall grüßen wir Euch sehr lieb.

Geli und Jens

One Response to “Las Palmas die zweite, 12. September ’06”

  1. christian sagt:

    Der Text kam per eMail von den lieben Eltern schon vor einigen Tagen. Da die Copyright Rechte nicht geklärt waren gibts diesen leider erst jetzt.

    Kann ich schonmal verraten, dass ein zweiter in der Warteschleife hängt…klingt auch schon viel Zufriedener aber auch mit einem Hauch…(na ihr werdet schon sehen).

    Viel Spass beim lesen
    Gruß
    Christian

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