Beaufort, NC, 7. April ’10

0406

Vorab moechte ich mich bei allen Leuten, die mir gemailt haben, recht herzlich bedanken. Heimweh waehre uebertrieben, aber ich freue mich trotzdem sehr von euch zu hoeren was in der Heimat so los ist und ausserdem weiß ich ja gar nicht wer und ob ueberhaupt jemand meine Artikel liest. Also sehr gerne weiter mailen.

Dann kamen immer Fragen wann wir denn endlich los segeln und Aehnliches. Natuerlich dann, wenn die Daddeldu seeklar ist. Christian und Ralf (die beide mit ueber den Teich sollen) kommen am 15. Mai nach Philadelphia und wir wollen sie mit dem Schiff dort abholen. Ansonsten werde ich an dieser Stelle mit Sicherheit rechtzeitig vor dem Auslaufen Bescheid geben.

Auch wurde mir nahe gelegt nicht so sehr ueber die Ammis her zu ziehen. Das muss wohl ein Mißverstaendnis sein. Ich stelle lediglich liebevolle Betrachtungen an. Mir als Europaer kommt hier manches ein wenig seltsam vor, und wenn ich dann darueber berichte, kann vielleicht der Eindruck entstehen ich wuerde mich ueber dieses großartige Land, seine wirklich netten Bewohner und ihre durchaus sinnvollen Gepflogenheiten lustig machen. Es kann ja wirklich sein, dass jemand wie Jens unter der gleichen Krankheit wie Benjamin Button leidet und in Wirklichkeit ein ABC-Schuetze ist der sich unberechtigter weise Zugang zu legalisierten Drogen verschaffen will.
Also nichts wie ungut liebe Ammis. God bless America.

God bless this wonderful country.

Aber weiter im Text:
Nachdem wir ja bereits gestern mit den Arbeiten am Schiff begannen sollte es jetzt ernst werden. Das große Ziel, Ende naechster Woche die neue Maschine eingebaut und zum Laufen gebracht zu haben wird schließlich nicht mit Bier trinken alleine erreicht werden.

(Dazu noch eine kleine Erklaerung: Einige boese Zungen merkten an, es koennte so ausgelegt werden, dass wir uns mehr fuer die lokale Kneipenkultur als fuer unser Schiff interessieren wuerden. Dazu kann ich aus der Warte eines diplomierten Sozial-Paedagogen nur sagen: Wir sind hier leider Ortsfremd und daher auf die Hilfe und Tips von oertlichen Experten angewiesen und wenn man Sozialraum orientiert arbeiten will, muss man auch auf die Ressourcen von inoffiziellen Instanzen und Institutionen zurueckgreifen. Kneipen sind da nicht der schlechteste Ort um Kontakt zu diesen Experten zu knuepfen, wie unser zufaelliges Treffen mit Rusty beweist.)

Wie auch immer. Also sind wir frueh aus den Kojen und nach einem sehr leichten Morgenimbiss frisch ans Werk. Jens machte sich, nachdem er einige Kleinigkeiten wie die Rettungsinselhalterung zum Schweißer zu bringen erledigt hatte, daran die Maschine auseinander zu nehmen. Ich kuemmerte mich derweil um die Backschaft um danach Werkzeug an zu reichen und nebenbei die Schraube von alten Antifoulingresten zu befreien und sie dann auf hochglanz zu polieren. Die Sache mit der Schraube hat mich 6 Std. effektive Arbeitszeit gekostet und ich hab immer noch 1,5 Blattseiten ueber. Eine sehr meditative Arbeit, bei der einem genug zeit bleibt die Adler ueber einem zu beobachtet und ueber schoene, blonde Frauen die Steffi heißen nach zu denken. Im Maschinenraum rumzuklettern (wenn man das bei der Daddeldu so nennen darf) und bei ueber 30 Grad unter Deck auf engstem Raum zu schrauben war wohl kein solches Vergnuegen. Aber wir sind voran gekommen und gegen 1700 hatten wir beide die Schnauze voll. Ab zum duschen. Der eine komplett mit altem Maschinenoel eingesaut, der andere Antifouling- und Messingstaub in allen Poren.

Working class.

Zum Abendbrot haben wir uns dann bei Dominos-Pizza eine Large Pizza mit Pepperoni eingepackt und uns an der unbelebten Seite der Waterfront auf einen Bootssteg gesetzt um dort zu speisen und den Sonnenuntergang zu genießen. Die Landschaft hier ist echt schoen. North Carolina liegt ja bekanntlich am Wasser und ist von vielen Fluessen und tiefen, verzeigten Buchten gepraegt. Dazwischen ist die Landschaft moorig mit vielen Nadelwaeldern. Angeblich gibt es hier ne menge Aligatoren und Schildkroeten aber die hab ich noch nicht gesehen. Nur die Adler am Himmel und die Waschbaeren in flacher Form am Strassenrand.

Navy seals beim dinner.

Als die Sonne weg war noch EIN Feierabendbier im Backstreet-Pub. Danach neues Eis fuer den Kuehlschrank besorgt und ab an Bord. Jens hat seine Fotos bearbeitet, damit ich sie dann nachher hochladen kann und ihr auch was zu gucken habt. Es ist ja nicht so, dass er gar nichts tut um euch zu unterhalten. Ich habe noch ein wenig, beim Schein der Petroliumlampe, gelesen und dann ab in die Koje.

Henning

2 Responses to “”

  1. HEiN Mueck sagt:

    Die Bilder sind leider zerzerrt aber da ich jetzt 3 Tage gebraucht hab sie ueberhaupt mit dieser scheiss wackeligen verbinung, die mich dauernd rausschmeisst, und den kompabilitaetsproblemen ins netz zu kriegen werde ich in weiteren drei tagen wohl auch das noch hinkriegen.
    Mfg Henning

  2. HEiN Mueck sagt:

    Yeah, I did it! In Farbe und mit alles. Wenns naechstes mal auch so klappt dann is alles super.

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