Archiv für August 2010

Geschafft!

Montag, 02. August 2010

Hamburg, den 2.8.2010

Trotz eines verspäteten Auslaufens in Holland ist die DADDELDU pünktlich am Freitagabend im Hamburger Yachthafen in Wedel eingelaufen! Ein herzlicher Empfangdurch unsere Lieben hat uns für die letzten Strapazen reich entschädigt.

Ärmelkanal

Montag, 02. August 2010

Breskens, NL, den 26. Juli 2010

Moin, ihr Lieben!

Die Helden sind müde, die Helden gehen von Bord. Henning und Christian haben leider in Holland abmustern müssen. Dafür ist unser Freund Ingmar spontan eingestiegen, was den Vorteil hatte, dass die beiden Jungs am Samstagabend mit Ingmars Auto von hier zurück nach Hamburg fahren konnten, wo sie kurz vor Mitternacht wohlbehalten von den versammelten Frauen empfangen wurden.

Doch auch bis Holland mussten wir erst einmal kommen. Das Auslaufen in Falmouth ohne Motorhilfe klappte besser als der vorhergehende Versuch mit Schlepphilfe durch einen Nachbarlieger. Aber abgehakt. Entlang der Englischen Südkste gab es genug zu gucken, viel Verkehr im nahen Verkehrstrennungsgebiet des englischen Kanals und passablen, wenn auch etwas schwachen, Segelwind. Von Mittwochmorgen an ging es unter Blister entlang der Isle of Wight bis nach Dover, wobei wir am Mittwochabend den 0-ten Lägengrad, den Meridian von Greenwich überquerten.

Donnerstagmittag waren wir kurz vor Dover und holten vor den White Cliffs den Blister ein, setzten die Genua und das Groß und nahmen Kurs auf die Französische Küste. Von Dover nach Calais sind es nur 20 sm, von denen das Verkehrstrennungsgebiet etwa 10 sm beansprucht. Wir hatten Glück und fanden eine gute Lücke im endlosen Dampfertreck. Mit Amwindkurs zogen wir mit 6 Knoten auf Cap Blanc Nez zu. Auf halber Strecke gerieten wir dicht an drei Kanalschwimmer mit ihrem jeweiligen Begleitboot. Es gibt also Leute, die noch verrückter sind als wir!

Nach gut eineinhalb Stunden konnten wir die Schoten auffieren und Kurs auf Dunkerque nehmen. Der Blister ging wieder hoch und zog uns mit anfangs vier, dann drei, schließlich noch zwei Knoten voran. Um kurz vor zwei Uhr morgens  trieben wir ohne Wind mit der Tide nach Nordosten. „Vadder, kannst Du mal kurz hochkommen!“ rief Henning. Als ich aus meiner Koje torkelnd den Niedergang raufschaute, blinkten direkt über mir 2 rote Lichter und darum herum diverse weiße und gelbe, und etwa 2 Meter neben dem Rumpf ragte ein 15 m hoher Turm in die Höhe, wärend voraus neben dem Rumpf eine Kette von Bojen, soweit das Auge sah, reichte. „Ð’lister bergen!“  dachte und sagte ich, denn mit dem großen  flappenden Tuch da vorne konnten wir keine Mannöver fahren. Also runter mit dem Blister, Genua ausgerollt und versucht zu Wenden. Das gelang dann auch mit Mühe. Allerdings waren wir da schon bis an das Ende des unheimlichen, in der Seekarte nicht verzeichneten, Feldes gelangt. Nach und nach setzte auch wieder etwas Wind ein, so daß wir Fahrt aufnehmen und Kurs auf Oostende anliegen konnten. Aufregendes Intermezzo!

Der Wind nahm weiter zu auf N 3-4. Christian und ich übernahmen die Wache und klärten das weitere Vorgehen. Unter Zuhilfenahme des Reeds Nautical Almanach, the sailors Bible, rechneten wir aus, wann wir mölicherweise welchen Hafen anlaufen und unter den gegebenen Bedingungen auch unter Segeln einlaufen könnten. Es kam dann eigentlich nur Breskens in der Scheldemündung in Frage. Dort sollte kurz vor 1500 Uhr Hochwasser sein und die Hafeneinfahrt war breit genug, um unter Segeln reinzugehen. Tatsächlich waren wir kurz nach drei vorm Hafen, bargen die Genua und fuhren vor dem Wind unter Groß in den Handelshafen. Eine Halse über Backbordbug und dann in den Yachthafen eingebogen, wo wir beim Vorbeifahren einen Platz von ca. 30 m Länge längsseits am Steg erspäht hatten. Noch eine Hals über Steuerbord und ein butterweicher Aufschießer in die Lücke, Vorspring fest und das war’s. Wir waren in Breskens angekommen.

Dass die verbleibenden 18 m Lücke einer 15-m-Motoryacht mit zwei Schrauben und Bugstrahlruder trotz dreier Helfer an Land nicht zum Anlegen reichte und wir deshalb verholen mussten, stört keinen großen Geist. Wir waren heil angekommen und genossen unseren verdienten Anleger.

Wie geht es jetzt weiter?

Heute haben wir Nordwind, das ist sehr ungünstig. Morgen soll der Wind auf West drehen, das ist sehr günstig. Wenn dem so ist, werden wir morgen mit dem Hochwasser entweder um 3 Uhr früh oder am Nachmittag auslaufen und hoffen dann entlang der holländischen und Ostfriesischen Küste am Freitag in die Elbe einzulaufen und entweder Freitagabend oder Samstag in Wedel festzumachen. Die Party im Citysporthafen muss deshalb leider ausfallen. Aber wenn jemand mal nach Wedel kommen will…  Wir sagen rechtzeitig telefonisch im Bleckering bescheid!

Wäre doch gelacht, wenn wir den Rest nicht auch noch schafften.