Geschafft!

02. August 2010

Hamburg, den 2.8.2010

Trotz eines verspäteten Auslaufens in Holland ist die DADDELDU pünktlich am Freitagabend im Hamburger Yachthafen in Wedel eingelaufen! Ein herzlicher Empfangdurch unsere Lieben hat uns für die letzten Strapazen reich entschädigt.

Ärmelkanal

02. August 2010

Breskens, NL, den 26. Juli 2010

Moin, ihr Lieben!

Die Helden sind müde, die Helden gehen von Bord. Henning und Christian haben leider in Holland abmustern müssen. Dafür ist unser Freund Ingmar spontan eingestiegen, was den Vorteil hatte, dass die beiden Jungs am Samstagabend mit Ingmars Auto von hier zurück nach Hamburg fahren konnten, wo sie kurz vor Mitternacht wohlbehalten von den versammelten Frauen empfangen wurden.

Doch auch bis Holland mussten wir erst einmal kommen. Das Auslaufen in Falmouth ohne Motorhilfe klappte besser als der vorhergehende Versuch mit Schlepphilfe durch einen Nachbarlieger. Aber abgehakt. Entlang der Englischen Südkste gab es genug zu gucken, viel Verkehr im nahen Verkehrstrennungsgebiet des englischen Kanals und passablen, wenn auch etwas schwachen, Segelwind. Von Mittwochmorgen an ging es unter Blister entlang der Isle of Wight bis nach Dover, wobei wir am Mittwochabend den 0-ten Lägengrad, den Meridian von Greenwich überquerten.

Donnerstagmittag waren wir kurz vor Dover und holten vor den White Cliffs den Blister ein, setzten die Genua und das Groß und nahmen Kurs auf die Französische Küste. Von Dover nach Calais sind es nur 20 sm, von denen das Verkehrstrennungsgebiet etwa 10 sm beansprucht. Wir hatten Glück und fanden eine gute Lücke im endlosen Dampfertreck. Mit Amwindkurs zogen wir mit 6 Knoten auf Cap Blanc Nez zu. Auf halber Strecke gerieten wir dicht an drei Kanalschwimmer mit ihrem jeweiligen Begleitboot. Es gibt also Leute, die noch verrückter sind als wir!

Nach gut eineinhalb Stunden konnten wir die Schoten auffieren und Kurs auf Dunkerque nehmen. Der Blister ging wieder hoch und zog uns mit anfangs vier, dann drei, schließlich noch zwei Knoten voran. Um kurz vor zwei Uhr morgens  trieben wir ohne Wind mit der Tide nach Nordosten. „Vadder, kannst Du mal kurz hochkommen!“ rief Henning. Als ich aus meiner Koje torkelnd den Niedergang raufschaute, blinkten direkt über mir 2 rote Lichter und darum herum diverse weiße und gelbe, und etwa 2 Meter neben dem Rumpf ragte ein 15 m hoher Turm in die Höhe, wärend voraus neben dem Rumpf eine Kette von Bojen, soweit das Auge sah, reichte. „Вlister bergen!“  dachte und sagte ich, denn mit dem großen  flappenden Tuch da vorne konnten wir keine Mannöver fahren. Also runter mit dem Blister, Genua ausgerollt und versucht zu Wenden. Das gelang dann auch mit Mühe. Allerdings waren wir da schon bis an das Ende des unheimlichen, in der Seekarte nicht verzeichneten, Feldes gelangt. Nach und nach setzte auch wieder etwas Wind ein, so daß wir Fahrt aufnehmen und Kurs auf Oostende anliegen konnten. Aufregendes Intermezzo!

Der Wind nahm weiter zu auf N 3-4. Christian und ich übernahmen die Wache und klärten das weitere Vorgehen. Unter Zuhilfenahme des Reeds Nautical Almanach, the sailors Bible, rechneten wir aus, wann wir mölicherweise welchen Hafen anlaufen und unter den gegebenen Bedingungen auch unter Segeln einlaufen könnten. Es kam dann eigentlich nur Breskens in der Scheldemündung in Frage. Dort sollte kurz vor 1500 Uhr Hochwasser sein und die Hafeneinfahrt war breit genug, um unter Segeln reinzugehen. Tatsächlich waren wir kurz nach drei vorm Hafen, bargen die Genua und fuhren vor dem Wind unter Groß in den Handelshafen. Eine Halse über Backbordbug und dann in den Yachthafen eingebogen, wo wir beim Vorbeifahren einen Platz von ca. 30 m Länge längsseits am Steg erspäht hatten. Noch eine Hals über Steuerbord und ein butterweicher Aufschießer in die Lücke, Vorspring fest und das war’s. Wir waren in Breskens angekommen.

Dass die verbleibenden 18 m Lücke einer 15-m-Motoryacht mit zwei Schrauben und Bugstrahlruder trotz dreier Helfer an Land nicht zum Anlegen reichte und wir deshalb verholen mussten, stört keinen großen Geist. Wir waren heil angekommen und genossen unseren verdienten Anleger.

Wie geht es jetzt weiter?

Heute haben wir Nordwind, das ist sehr ungünstig. Morgen soll der Wind auf West drehen, das ist sehr günstig. Wenn dem so ist, werden wir morgen mit dem Hochwasser entweder um 3 Uhr früh oder am Nachmittag auslaufen und hoffen dann entlang der holländischen und Ostfriesischen Küste am Freitag in die Elbe einzulaufen und entweder Freitagabend oder Samstag in Wedel festzumachen. Die Party im Citysporthafen muss deshalb leider ausfallen. Aber wenn jemand mal nach Wedel kommen will…  Wir sagen rechtzeitig telefonisch im Bleckering bescheid!

Wäre doch gelacht, wenn wir den Rest nicht auch noch schafften.

Der letzte Schlag.

19. Juli 2010

Moin ihr Lieben,

sorry dass ich euch nicht diesmal nicht aufuerlichen Berichten versorgt habe aber ich bin echt zu fertig zum schreiben. Jens hat das ja auch ganz gut zusammengefasst. Wenn ich euch ausfuehrlich berichten wuerde, wuerdet ihr es eh nicht glauben und fuer seemannsgarn halten. Wir haben echt so dermassen den Arsch versohlt bekommen, dass wir echt einfach nur froh waren wieder im Hafen zu sein. Als der Wind wieder auf normale Sturmstaerke abgeflaut ist und die Wellen nur noch acht meter hoch waren haben wir angefangen uns wieder zu entspannen und Kaffee und Essen zu machen. Nur mal so, damit ihr nen Eindruck bekommt.

Wir haben leider Probleme mit der Maschine und werden jetzt nonstop richtung Hamburg segeln. Mal sehen wie weit wir kommen. Wir werden uns wohl Sa irgendwo abholen lassen. Ohne Maschine sind die Chancen die Elbe hoch zu kommen nicht allzu gross aber vielleicht schaffen wir es bis Cuxhaven oder so.

Wenn ich wieder zu hause bin und ne Woche lang ausgeschlafen habe werde ich mir nochmal das Logbuch vornehmen und versuchen den ausfuehrlichen Bericht nach zu reichen aber jetzt bin ich zu fertig. Wir freuen uns auf zu hause!
Jetzt geht’s „einmal noch nach Bombay (…)“ und dann „(…) wieder nach St. Pauli, Hamburg Altona“

02-Einmal noch nach Bombay

Bis bald, Henning

Azoren – Falmouth, die etwas andere Überfahrt

18. Juli 2010

Falmouth, UK, Sonntag der 18.7.2010

Moin, moin!

Ihr Lieben daheim, ich glaube es wird so schnell nichts mit Hennings Reportage. Die Crew liegt nach einer durchzechten Nacht noch im Koma. Der Skipper hat sich, vernünftig wie er nun einmal sein muss, gegen halb vier Uhr morgens in die Koje verholt und im Halbschlaf noch mitbekommen, dass seine Mannschaft sich um 0900 h aufgemacht hat, um irgendwo zu frühstücken. Also versuche ich nun mal wieder selbst, euch einen kleinen Eindruck von unserer letzten Etappe zu vermitteln.

Es ging bei herrlichstem Segelwetter am Nachmittag des 30. Juni von Horta los. Mit einem tollen Blick auf den Pico fuhren wir nur unter Genua in die Nacht durch die Passage zwischen den Inseln Pico und Sao Jorge. Der Wind legte langsam zu und drehte dabei auf Südwest, so dass wir hinter Sao Jorge auf Nordkurs gehen konnten. Inzwischen hatten wir auf die Fock gewechselt und das Groß mit einem Reff gesetzt. Bei 6 Bft. ging es mit 7 bis 8 Knoten super voran. Am frühen Morgen passieren wir Terceira. Entsprechend war die Stimmung an Bord. Doch dann begann die Misere: gegen Mittag dreht der abnehmende Wind auf Nord und dann Nordost, und das sollte für die kommenden sechs Tage so bleiben. Mit 3 bis 4 Knoten kreuzten wir bis zum 6. Juli mühsam gegen Wind und Strom (der Azorenstrom – ein Ausläufer des Golfstroms – setzt mit knapp einem Knoten nach Südost). Das hieß, 24 Stunden möglichst nach Osten und dann wieder 24 Stunden nach Norden. Die Tage zogen sich hin, unterbrochen nur durch gelegentliche Walsichtungen oder unsere treuen Delphine. Am 3. Juli können wir immer noch den Widerschein des Leuchtfeuers von Sao Miguel, der östlichsten der Azoreninseln am Nachthimmel erkennen. Frust! Alternativen zu Irland werden diskutiert. Sollen wir ostwärts nach La Coruña gehen? Aber bei den herrschenden Winden können wir nicht einmal Kurs auf Lissabon anliegen. Also weiter wie gehabt. Am 6. Juli nimmt der Nordostwind auch noch auf 2 Windstärken ab um dann gegen Mitternacht ganz einzuschlafen. Wir starten die Maschine und motoren sechs Stunden nach Norden, in der Hoffnung, endlich den eigentlich normalen Westwind zu finden.

Bild fertig? Dann können wir ja los

Werner und der Pico

Der kommt dann auch, aber leider nur ganz schwach. Wir machen die Maschine aus und versuchen mit dem Blister zu Segeln. Leider ist der Wind noch zu schwach, um das Segel richtig zu füllen und die Dünung ist nach wie vor heftig, so dass der Blister ständig einfällt um sich anschließend mit einem lauten Knall wieder zu füllen. Das hält ein Segel auf Dauer nicht aus. Also wieder runter damit und eine Badepause eingelegt. Nach einer Woche im eigenen Saft eine entspannende Sache.Nachmittags legt der Wind auf knapp drei Bft. zu. Jetzt klappt es mit den 90 Quadratmetern Vorsegel. Als der Wind weiter zunimmt wechseln wir auf die Genua und erreichen im Laufe der Nacht gute sechs Knoten. Das hebt die Stimmung trotz der einsetzenden Schauer erheblich. Am 8. Juli dreht der Wind auf SW zurück um am folgenden Tag als Starkwind aus NW zu wehen. Werner opfert noch einmal Neptun, aber wir kommen in dem böigen Wetter gut voran.Am Mittag des 10. Juli beruhigt sich der Wind ein wenig und wir segeln mit gefierten Schoten Richtung Irland.

Am Sonntag, den 11. Juli, sind es noch 560 sm bis zur Irischen Küste. Das WM-Finale findet nun leider ohne uns statt. Wir laufen währenddessen nur noch unter der halb eingerollten Genua. Einige Böen erreichen lockere 9 Bft; Daddeldu surft teilweise mit 10 Knoten die Wellenberge hinab. Leider kommt dabei ab und zu auch mal etwas Wasser über Deck und findet auf geheimnisvolle Weise seinen Weg in die Kojen. Besonders Hennings Koje wird gerne von oben durchnässt.

Starkwind

Sturm

Am Montag beruhigt sich das Wetter wieder. Der Wind dreht auf Nord, wir können lüften, setzen wieder volle Segel, Mittags sogar für eine Stunde den Blister! Es ist allerdings inzwischen deutlich frischer geworden, so dass wir auch tagsüber den Pullover nicht mehr ausziehen. Das Barometer beginnt das erste Mal seit unserer Abreise deutlich zu fallen. Um Mitternacht binden wir das erste Reff ein, vier Stunden später bergen wir das Großsegel ganz und rollen die Genua weiter ein. Es weht inzwischen mit 7 bis 8 Bft. aus SW, einige Schauerböen liegen deutlich darüber. Mittags fällt unser Windfahnensteuerung aus, eine Schraube hat sich gelöst und verabschiedet. Bei dem Seegang nicht zu reparieren. Also: selbst ist der Seemann. Am Mittwochmorgen haben wir dann einen echten Sturm. Es weht mit bis zu 10 Bft. Eine Welle holt Christian von den Beinen und läßt ihn auf die Sprayhood krachen, deren Gestänge das nicht überlebt. Aber wir sind ja gottseidank mit den Lifebelts angeschnallt. Die Logge steht mehrfach am Anschlag, also bei über 12,5 Knoten, gelegentlich füllt eine brechende See das Cockpit, reißt das Notlicht vom Rettungsring oder verschiebt unsere Rettungsinsel samt Halterung nach achtern. Unter Deck ist alles mistnass. Wir schaffen es gerade noch einen Kaffee zu kochen und eine Dose Ravioli aufzuwärmen. Am Donnerstagmorgen haben wir mit Orkanartigen Böen den Höhepunkt erreicht. Wir stehen inzwischen ca. 50 sm vor den Scilly Islands. Unsere bisherige Wacheinteilung wird aufgegeben. Ab sofort bleibt jeder im Ölzeug mit Rettungsweste. Der Skipper bleibt stand-by. Die Crew geht reihum eine Stunde Ruder, eine Stunde Ausguck und dann eine Stunde auf die Salonbank zum Ausruhen. Mittags tritt eine deutliche Beruhigung ein, allerdings fängt es an zu regnen. Der Wind dreht wieder zurück auf Ost und dann sogar auf Süd. Moderate 5 bis 6 Windstärken, während wir die Scillys passieren. Wir setzten das Groß wieder und lassen das Vorsegel ein wenig raus. Das Barometer steigt leicht – doch nur, um in den kommenden drei Stunden geradezu abzustürzen. Wir bekommen von Rasmus noch einmal Nachschlag. Der Wind dreht schlagartig auf SW und legt auf 7 bis 8 zu um dann noch einmal für eine halbe Stunde mit Orkanstärke zu wehen. Beim Reffen reißt das Unterliek der Genua ab, aber wir können das Segel mit erheblichem Kraftaufwand noch einrollen. Es langt aber jetzt wirklich!

Es reicht, Henning verlegt seine Koje kurzerhand in den Gang

Ausguck

Der Spuk ist vorbei

Mit einsetzender Dunkelheit ist der Spuk vorbei. Der Himmel reißt ein wenig auf, vereinzelte Sterne sind zu sehen, sogar der Mond zeigt sich mal wieder. Wir sind alle hundemüde aber glücklich, es überstanden zu haben. Voraus leuchtet Wolf Rock Lighthouse, welches wir bei Sonnenaufgang passieren, in der Ferne ist Landsend, die Südwestecke von Cornwall, mehr zu ahnen als zu sehen. Als wir dann Lizard Point, die südlichste Spitze von England, runden, haben wir schon Handyempfang und können uns zurückmelden. Bei herrlichstem Segelwetter laufen wir gegen Mittag in die Bucht von Falmouth ein. Dass dann die Maschine nicht anspringt und wir zur Begrüßung noch einen heftige Regendusche abbekommen, kann uns nicht mehr erschüttern. Wir gehen unter Segeln in den River Fal, drehen eine Runde durch den Hafen um die lokalen Wind- und Stromverhältnisse zu erkunden und nach einem Ankerplatz Ausschau zu halten. Es ist recht eng im Hafenbereich durch die Unmenge an Bojenliegern. Aber wir entdecken vor dem Visitors Yachthaven eine geeignete Lücke und fahren ein sauberes Ankermanöver unter Segeln. Kurz das nötigste aufgeklart und dann zu einem Anleger in der Plicht versammelt. Wir schließen uns gegenseitig stumm in die Arme und lassen mit abnehmender Anspannung unseren Tränen freien Lauf. Glück ist, wenn ….

euer Jens

Einer behält den Überblick

Ohne Worte

Land in Sicht

P.S.: Die Crew ist mittlerweile wach und steuert dem Artikel die Fotos bei (20:00h)

Die Plicht ruft!

18. Juli 2010

Liebe Freunde der christlichen Seefahrt. Der liebe Gott hat uns nach einigen Mühen heil den europäischen Kontinent, bzw. deren Vvorgelagerte Insel erreichen lassen. Nach fast 1.800 gesegelten Meilen sind wir endlich da! Es war eine harte Überfahrt. Die erste Woche praktisch nur Gegenwind und die zweite Woche drei Stürme mit zunehmender Heftigkeit und Dauer (der letzte dauerte fast zwei Tage und bescherte uns Orkanboen). Die Crew und das Schiff haben aber alles gut gemeistert. Allerdings sind unsere Reserven auch nicht mehr groß. Inzwischen aben wir uns aber schon ein wenig erholt. Demnächst hoffentlich wieder ein paar Einzelheiten von unserem bewährten Reporter Henning.

Also bis dann

Euer Jens

Bermuda-Azoren II

30. Juni 2010

Horta, 30.06.06.

Ich fasse noch mal kurz zusammen was uns auf der zweiten Atlantik Hälfte so widerfahren ist.

Sonntag der 13. Juni war Angelverbot, wie künftig jeden Sonntag. Nicht das wir schon was gefangen hätten, aber das ist unsere Geste an den Wal. Wir sichten viele Delphine und sie sind sehr aktiv und springen viel. Es gibt hier viele unterschiedliche Delphinarten aber ich kann sie leider nicht benennen. Der Wind nimmt ab aber unter Blister laufen wir immer noch vier Knoten. Als es dunkel wird bergen wir ihn wieder, leider bin ich etwas nachlässig und belege das Fall nicht richtig. Es rauscht aus und als ich den Fehler bemerke ist es schon zu hoch um noch dran zu kommen. Also müssen wir es wohl oder übel ganz wegnehmen. Schöne Scheisse! Wenn der Seegang es zu lässt muss wohl einer in den Mast um es wieder ein zu fädeln. Is‘ klar, wer der dumme ist und auf See in den Mast muss!?!

Drollige Gesellen.

Schon am nächsten Tag herrscht wieder Flaute. Wir sichten eine Schule Pilotwale und machen eine Badepause. Kommt gut, sich nach über einer Woche mal wieder zu waschen. Nach dem Bad ist die See ruhig genug und ich darf endlich in den Mast. Ich habe manchmal ein wenig Höhenangst aber ich hab’s verbockt und bin auch noch der Leichteste. Also einfach nicht nach unten sehen und ab in den Bootsmannsstuhl. Christian zieht mich hoch. Ich bin mit dem Lifebelt an den Mast gesichert damit ich nicht zu weit auspendeln kann. Aber trotz der relativ ruhigen See schauckelt man mehrere Meter zu beiden Seiten wenn man so hoch oben ist. Trotz des Lifebelts muss man sich festhalten da man sonst zu hart einruckt und das ist schmerzhaft. Sehr anstrengend. Ich brauche meine ganze Kraft um mich an den Mast zu klammern trotzdem verliere ich zwei, drei mal den Halt. Als ich wieder unten bin, bin ich total fertig und außer Atem, aber wir können den Blister wieder einsetzen. Nächstes mal werde ich besser auf Fallen achten.

Von oben.

Am Dienstag kommt wieder Wind auf und wir machen richtig gute Fahrt. Der Blister schiebt uns mit Kraft nach vorne und die Laune steigt. Der Wind wird immer mehr aber wir wollen die Geschwindigkeit ausnutzen. Das Segel ist am Limit aber wir lassen es stehen. Das Schiff gleitet sonst über die Wellen hinweg aber es ist soviel Druck im Rigg das uns der Blister einfach durch die Wellen hindurch drückt. Wir rauschen ruhig wie auf Schienen voran. Wir laufen Spitzengeschwindigkeiten von über zehn Knoten. Das ist weit über der Rumpfgeschwindigkeit (Wikipedia) und das Rigg vibriert. Es ist auch unsere alte Rekordmarke, allerdings wurde der Rekord mit einem zwei Meter höheren Mast unter Genua aufgestellt. Wir sind euphorisiert und drücken uns die Daumen, dass das Segel nicht platzt oder uns den Mast weg reißt. Wird schon gut gehen. Dann fällt eine Böh ein und die Selbsteueranlage kann das Schiff nicht mehr halten. Es gibt einen lauten Knall und das Segel fällt ein. „Bergen!!!“ Tönt das Kommando und Christian und ich stürzen aufs Vorschiff. Ich glaube so schnell war noch nie ein Blister im Sack. Regatta tauglich. Na gut dann eben die Fock. Wir reffen das Gross und machen immer noch 6-7 Knoten. Ein richtig guter Tag und es ist ja nochmal gut gegangen.

Ruhig wie im ICE. Briefeschreiben.

Oh happy day!

Der Wind legt auch am Mittwoch weiter zu und es herrscht Dauerregen. Mit gerefftem Gross und Fock kratzen wir in einer Schauerböh wieder die zehn Knoten Marke. Diesmal aber nur von unten. Trotz des kräftigen Windes bleibt die See für Atlantik Verhältnisse relativ ruhig und der ungemütliche Regen lässt sich auch verkraften wenn man auf die Logge schaut. Leider zerfleddert uns der Starkwind das Achterliek unserer zehn Jahre alten Fock.

Der nächste Tag wird wieder ungemütlich. Flaute und drei bis vier Meter Dühnung. Das macht echt keinen Spass und das Schiff rollt unangenehm, aber wir nutzen die Zeit um die Fock zu reparieren. Der Salontisch wird zur Nähstube.

Tage vergehen ohne Ereignisse. Wir sichten viele Delphine und auch die Schiffsbegegnungen werden mehr. Wir nähern uns Europa und sehen im Schnitt 3-4 Schiffe in 24 Std. Mal ist das Meeresleuchten intensiv mal der Sternenhimmel. Eintönigkeit.

Halbzeit.

Langsam geht uns der Strom aus und so will unser Bordelektriker Christian die Multifunktionanzeige der Kompassanlage vom Netz nehmen. Dabei fällt plötzlich der Hauptkompass und somit auch die Cockpitanzeige aus. Das ist jetzt nicht so cool. Ohne Kompass auf dem Ozean. Wir haben zwar noch GPS und zwei Handkompasse aber die Handgeräte haben natürlich ne starke Ablenkung durch den Stahlrumpf. Egal Christian findet den Fehler und diagnostiziert, dass der Hauptkompass durchgebrannt ist. Er tauscht ihn gegen ein Reservegerät aus und wir können wieder navigieren. Die See ist zu unruhig um die Deviationstabelle (Wiki) für den neuen zu erstellen aber wir gleichen ihn jetzt eben bei jedem Kurswechsel mit dem GPS ab.

Portugisische Galeere...

Wir baden nochmal an einem der folgenden Tage ansonsten passiert nicht viel. Bordroutine. Langsam nähern wir uns den Azoren und sichten jetzt alle drei Stunden Delphine oder Wale. Auch gibt es wieder Vögel zu beobachten. Weit draussen auf dem Meer gab es nur die Wellenreiter (keine Ahnung wie die wirklich heissen). Das sind große Möwen ähnliche Vögel die immer ein paar Zentimeter über der Wasseroberfläche segeln und die uns den ganzen Törn begleitet haben. Ich glaube die kommen nie an Land. Wahrscheinlich brüten die auf Gischtkämmen.

Wir befinden uns im Azorenhoch und es herrscht Flaute. Wir müssen drei Tage Motoren. Als ich am Montag den 24. Mai aus meiner Koje krabbel ist Fajal zu sehen. Steil wächst der Vulkan aus dem Meer. Die Insel ist herrlich grün und von schwarzen und roten Lavaströmen durchzogen. Wir sind alle tief bewegt und… keine Ahnung… geht euch nichts an!

Entering Portugal.

Fajal

Fajal.

Mann am Rohr.

Als wir schon den Badestrand von Horta sehen können macht die Maschine komische Geräusche. Der Skipper reagiert blitzschnell und reißt den Stop-Baugenzug. Wir öffnen den Maschinenraum und stellen fest: Die Maschine ist trocken gelaufen. Kein Öl mehr. Obwohl wir regelmäßig nachgefüllt haben. Es raucht aus dem Ölnachfüllstutzen. Das wär’s noch. ‚N Kolbenfresser an der neuen Maschine. Fünf Meilen vor dem Hafen. Gott sei Dank springt sie wieder an nachdem wir Öl nach gefüllt haben. Wir schaffen das letzte Stück in den Hafen auch noch, ich fahre mit reichlich Lampenfieber einen perfekten Anleger und den Rest kennt ihr…

Klarmachen zum Einlaufen.

Ich möchte nochmal allen Leuten die mir geschrieben haben von ganzem Herzen danken. Ihr habt es echt, jeder auf seine Art, geschafft mir wieder ein wenig Kraft zurück zu geben und mich auf zu bauen. Den Rest schaffen wir auch noch! Ist ja nicht mehr weit.

Henning

Letzter Tag Azoren

30. Juni 2010

A. B. d. Daddeldu, Horta Marina, Azoren, Portugal, 28.06.’10

Guten morgen Europa.

Heute ist der erste morgen an dem ich nicht wie erschlagen aufwache. Vielleicht bin ja über den Berg und die Tiefenerschöpfung lässt langsam nach?
Ich habe in einer persönlichen Mittteilung um Nachsicht gebeten, falls der Blog in Zukunft nicht mehr ganz so liebevoll gepflegt wird, aber ich merke wie mir das alles zu viel wird. Also seit nicht traurig aber das ist alles sehr, sehr anstrengend und die Erlebnisse und Gefühle sind mir oft zu persönlich fürs Netz.

Inzwischen ist unser neues Crewmitglied Werner vom Hotel ins Vorschiff gezogen und wir haben die Zeit mit Erholung verbracht. Abends haben wir es meistens noch geschafft uns aufzuraffen und etwas essen zu gehen aber den Tag haben wir mehr oder weniger schlaff in der Bar da Marina, im Bett oder der Dusche verbracht. Wir waren echt total KO. Gott sei dank gab’s Fussball, da konnte man wenigstens Fernsehen. Richtiges WM Fieber kam allerdings nur beim Deutschland Spiel auf, selbst in einer großen Gruppe Oranjes zu sitzen konnte mich nicht wirklich mit reißen mich für eine oder die andere Seite zu begeistern.

Die Insel ist wirklich schön, zumindest nehme ich das an, hab ja noch nichts gesehen. Aber wir haben heute ’nen Mietwagen und werden gleich mal zu dem neuen Vulkan am anderen Inselende fahren und danach einkaufen und Baden. Es tut wirklich gut wieder in Europa zu sein. Das Essen ist größtenteils super und es gibt wieder so zivilisatorische Errungenschaften wie Kaffee, die noch nicht in der neuen Welt angekommen zu sein scheinen.

Heute Abend werden wir natürlich noch Portugal gegen Spanien anschauen müssen und dann werden wir wohl morgen RICHTUNG IRLAND AUSLAUFEN. Wir werden sehen wie das Wetter ist aber wenn Rasmus es zulässt werden wir nach Cork oder Baltimore segeln. Das sind ungefähr 1200 Seemeilen, also ca. knappe 2000 km die wir in langsamer Fahrradgeschwindigkeit bis Hamburg zurück legen werden, wenn alles gut geht.

Wir haben inzwischen auch die Genua…

Horta, 30.06.’10

Ich musste weg zur Inseltour. Jetzt bin ich wieder da und in wenigen Stunden werden wir auslaufen. Das übliche. Klar Schiff machen Wasser bunkern etc. Ambivalente Gefühle. Aber das positive überwiegt. Der letzte lange Schlag steht bevor. Irland liegt ja quasi an unserem Heimatteich der Nordsee. Von da aus ist es nur noch ein Katzensprung nach hause.

Ja wir haben die Insel doch noch besichtigt. Den „neuen“ Vulcan gesehen der erst vor 50 Jahren ausgebrochen ist und waren baden in den Eiskalten Natur Pools im Vulkan. Abends haben die anderen Fussball gesehen und zu geguckt wie unsere Gastgeber ausgeschieden sind. Ich habe die Ruhe an Bord genutzt um Liebesbriefe zu schreiben, wurde dann aber nachdrücklich von Christian weg beordert um unser Bild an der Kaimauer vor zu bereiten. Ich hatte zwar keine Lust aber als wir erstmal dabei waren hat es doch sehr viel Spaß gemacht.

Vulkan.

Am späten Abend sind wir noch in Peters Cafe Sport um einen letzten Drink zu nehmen und auf heute an zu stoßen. Bei Peter gibt es den besten Gin Tonic in 1000 Meilen Umkreis und bei einem Preis von 2,25€ haben wir uns nicht lumpen lassen. Also nicht das ihr denkt wir würden immer nur Bier trinken. 😉 Wir haben zusammen mit Igor und Robert getrunken. Den Polen die wir auf Bermuda kennen gelernt haben. Die sind eigentlich schon vor fünf Tagen ausgelaufen. Leider ist ihnen das Ruder gebrochen und so kamen sie nach ein paar Stunden zurück. Selber Schuld. Die haben kein Bild hinterlassen und das bringt bekanntlich Unglück. Kann uns nicht passieren.

Horta

So ich schreibe jetzt im anderen Artikel weiter.

Henning

PS.
Die Genua ist repariert und umgenäht. Wir haben also jetzt ein viertes Vorsegel und gehen davon aus sie ausgiebig ein zu setzen. (Blister, Genua, Fock und Sturmfock)

Das war England 4:1,…

27. Juni 2010

Moinsen,

gerade zurück an Bord, nachdem großartigen Spiel gegen unsere Inselfreunde. Einige Impressionen.

Jens, Balthasar und irgendwer - 3. Generationen Segler

Blick nach draußen...

Schwarz - Rot - Gold

http://www.youtube.com/watch?v=m2EkFYmX3NU

Nun sitzen wir mit Balthasar, unserem schwedischem Freund, und lassen alles Revue passieren…

gruß euer
Christian

Bermuda-Azoren I: Atlantik Crash Kurs.

26. Juni 2010

Bar da Marina, Horta, Azoren, Portugal, 26.06.’10

Inzwischen läuft hier wieder Fussball und es ist recht laut. Ich bin auch nicht so wirklich motiviert zu schreiben aber ich kann euch ja jetzt nicht hängen lassen. Ich fang‘ mal an, vielleicht kommt die Motivation ja bei der Arbeit.

Es war Sonntag der 06.06.’10, der erste Geburtstag meines Neffen, als wir in St. George, Bermuda ausgelaufen sind. Morgens noch letzte Arbeiten, Wasser bunkern, Besuch beim Zoll und so weiter. Um 16:15 dann Leinen los und ein paar hundert Meter zur Tankstelle. Für viel Geld nochmal den Dieseltank auffüllen und dann weg. Über Funk: „Bermuda Radio! Bermuda Radio! This is sailing vessel Daddeldu. We aquire clearence for Town-Cut-Channel outbound.“ „Sailing vessel Daddeldu! Daddeldu for Bermuda Radio! We expect no comercial vessels at the moment. You are clear to pass Town-Cut-Channel outbound. […] Have a safe trip and good by.“

Das war’s. Ein letzter Blick zurück über die türkise Bucht. Einfahrt in den engen Kanal und dann wurde das Wasser wieder tiefblau. Eine leichte Welle steht auf der See, wir setzen Segel und lassen die Insel hinter uns. Kurs 50 Grad. Fast 2000 Meilen liegen vor uns. Das letzte kalte Bier wird geöffnet und langsam versinkt Bermuda im Meer. Ein schönes aber auch seltsames Gefühl. Wir machen fünf Knoten, sind zufrieden und die Gedanken gehen in Richtung Heimat und das große Wasser das vor uns liegt. Was uns wohl erwartet? Man weiß es nicht, aber wir sind zuversichtlich. Wir passieren die Ansteuerungstonne Bermuda und jetzt sind wir wirklich wieder alleine auf dem Ozean…

Vorwärts!

Zum Abendbrot gibt es Spagetti alio al oilio, schmeckt gut aber wir waren zu lange an Land. Christian und ich sind wieder leicht Seekrank. Aber ohne kotzen. Als der Abwasch gemacht ist sitzen wir zusammen im Cockpit und sprechen über die neuen Wacheinteilungen. Ralf musste uns ja leider vorzeitig verlassen und jetzt sind wir nur noch zu dritt. Wir wollen also Einzelwachen gehen. Von 21-06 Uhr. Jeder drei Stunden. Ist vielleicht auch nicht schlecht wenn man ein bisschen Zeit alleine sein kann.

Wie gesagt, das Wasser ist relativ ruhig und wir machen gute Fahrt. Aber um 20:05 passiert es dann.
Wir hören ein dumpfes Blasen direkt vor dem Bug. Definitiv kein Delphin. Bevor irgendjemand reagieren kann gibt es plötzlich einen heftigen Stoß und lautes Poltern am Rumpf. Das Schiff wird schlagartig von über fünf Knoten Fahrt auf unter einen Knoten abgebremst. Das Wasser unter uns beginnt zu brodeln und färbt sich braun vom Blut. Wir sehen noch eine flache Rückenflosse abtauchen. Das Schiff nimmt wieder Fahrt auf und wir stürzen an die Reling. Zwei Bootlängen hinter uns taucht er nochmal kurz auf. Eine Möwe stürzt sich gierig auf das verletzte Tier. Wir haben tatsächlich einen schlafenden Wal gerammt! Ich dachte immer so etwas gibt es nur in Büchern, aber es ist tatsächlich passiert. Kein Seemannsgarn!

Wir vermuten das es ein Pilotwal gewesen ist. Aber sicher sind wir nicht. Jedenfalls kann er so klein nicht gewesen sein, wenn er unser 13 Tonnen Schiff aus voller Fahrt fast zum Stillstand bringt. Da zahlt es sich für uns aus ein Stahlschiff zu haben. Für den Wal wohl nicht. Der hat mit Sicherheit einige gebrochene Knochen und so wie der geblutet hat wird ihm die scharfe Kielspitze wohl die Seite aufgerissen haben. Ich glaub nicht das er das überlebt. Da werden sich wohl die Haie drum kümmern.

Ein anderer Pilotwal.

Wir segeln mit einem ganz schön beschissenen Gefühl im Bauch weiter. Gott sei dank scheint nichts kaputt gegangen zu sein. Auch die Windfahnensteuerung hat es wohl unbeschädigt überstanden. Aber ob das ein schlechtes Omen gewesen sein soll? Die Crew von Columbus hätte das wohl so gedeutet. Wir wissen es noch nicht.

Ich habe immer noch einen Kater und das fragwürdige Glück die erste Wache zu haben. Aber wenigstens hat der Adrenalinstoß durch den Crash meine Übelkeit vertrieben. Ich bin hundemüde aber ungefähr in der Mitte meiner Wache höre ich einen weiteren Wal in der Dunkelheit blasen. Das Geräusch ist unverkennbar und nicht mit Delphinen oder Wellen zu verwechseln. Das macht mich schlagartig wieder wach.
Als ich endlich in die Koje darf und der Skipper die Verantwortung trägt werde ich vom poltern des schlecht gestauten Proviants wach gehalten. Ja, wir müssen uns noch ein wenig einrichten bevor wieder ruhige Bordroutine einkehren kann. Mitten in der Nacht löst sich wieder der Spiebaum, der mir damals den Lüfter weg geschlagen hat. Jens schlägt ihn ab und sichert ihn an Deck. Jetzt sollte er fürs erste Ruhe geben.

Der Montag verläuft ruhig. Wir machen zwischen vier und sechs Knoten Fahrt und sind alle noch müde. Der ungewohnte Seegang ist noch anstrengend und wir schlafen alle drei recht viel. Die beiden kleinen sind noch ein wenig seekrank und essen nur mit Mühe. Wir sind mit unserem Etmal von 134 Meilen netto Annäherung an die Azoren sehr zufrieden. Am Nachmittag streichen wir die Bermuda Gastlandsflagge. Jetzt sind wir wirklich wieder im Blauwasser. Nachts habe ich wieder eine unheimliche Begegnung. Das Meeresleuchten ist sehr intensiv. Die Bugwelle sieht aus wie eine grüne Wunderkerze und das Kielwasser wie die Milchstraße. Dann fahren wir plötzlich durch eine Wolke von Elektrikern die wie ein einziger Organismus blinkt. Sie ist ca. zwei mal drei Schiffslängen groß und es kommt mir so vor als wäre ich auf den Schwarm gestoßen, den Frank Schätzing in seinem Buch beschrieben hat.

Am Dienstag gibt es Steaks. Christian und mir geht es langsam besser aber durch das Fleisch wird uns wieder leicht übel. Trotzdem schaffen wir es die Mahlzeit bei uns zu behalten. Es gibt einen ersten Regenschauer aber wir sind froh über unser gutes Etmal von 150 sm.

Am Mittwoch wird das Wetter schlechter. Es gibt heftige Regengüsse und im dicksten Schauer müssen wir natürlich reffen. Machen mit gerefftem Groß immer noch über sechs Knoten. Mittags flaut der Wind wieder ab und wir reffen aus. Christian liest angeblich 500 Seiten in seinem Buch und macht die Angel klar. Leider erfolglos. Jens bereitet uns sehr leckere Bratkartoffeln und ich habe jetzt seit über 16 Stunden seltsame Kopfschmerzen. Nicht so schön. Ich schlafe viel aber das hilft auch nicht. Drei Aspirin schaffen schließlich Abhilfe aber das kann es irgendwie nicht sein.

Es gibt kein schlechtes Wetter...

Donnerstag bleibt der Wind weg. Wir angeln aber fangen immer noch nichts. Die segeln schlagen und wir machen mit mühe und Not ein bis zwei Knoten. Das nervt und leichter Frust kommt auf zumal die Dühnung noch recht hoch ist und nicht mal dem Blister setzen können. Der würde nur tierisch schlagen und das bringt dann auch nichts.

Aber schon am Freitag sind die Bedingungen komplett verändert. Der Wind legt immer weiter zu und es gibt wieder starke Schauer. Wir werden immer schneller und müssen am frühen Abend wieder im Strömenden Regen reffen. Wir haben an die acht Beaufort und die See baut sich auf. Wer vom Vorschiff kommt ist wieder durchgeweicht. Aber das kennt ihr ja schon. Wir erreichen Spitzengeschwindigkeiten von über neun Knoten! Und das mit gerefftem Groß. Das ganze Schiff vibriert aber wir freuen uns über die Rauschefahrt. Am Abend wagt sich Jens an den Herd und bereitet uns ein Gulaschsuppe, was wirklich eine Leistung ist bei der Lage und dem Stampfen. Gierig verschlingen wir das Dosenessen. Wer weiß wann es das nächste mal was zu Essen gibt?

Ein bisschen Wind...

...schadet nicht.

Wir kommen gut voran und Samstag Mittag fällt die Logge wieder auf „lahme“ fünf Knoten. Wir reffen wieder aus und stellen fest: Wir sind so weit nach Osten gekommen, dass es Zeit wird die Borduhr wieder eine Stunde vor zu stellen.

Logbucheintragungen.

So, mir reicht’s jetzt für heute. Ich werd‘ noch ein paar Fotos hochladen aber das sollte kein Problem sein. Wir sind wieder in Europa und hier ist das Netz zwar immer noch langsam aber es funktioniert!

Liebe Grüße, Henning

Ankuft in Europa

26. Juni 2010

Bar da Marina, Horta, Azoren, Portugal, 26.06.’10

Hier ist er wieder, der Auslandskorrespondent ihres Vertrauens. Back in the EU! 🙂

Es war wieder ’ne lange Überfahrt aber wir haben sie gut überstanden und sind ohne Probleme nach Horta gekommen. Wir hatten diesmal günstigere Winde als auf dem letzten Schlag und sind auch beinahe auf der direkten Kurslinie geblieben. So haben wir die ca. 1800 Seemeilen in guten siebzehn Tagen geschafft. Der letzte Wetterbericht in St. George hat den Skipper dazu bewogen unseren ursprünglichen Plan mit der stürmischen Nordroute, die eigentlich der klassische Weg gewesen wäre, fallen zu lassen und lieber direkten Kurs zu fahren. Hat sich ausgezahlt. Wir hatten genug Wind, sind gut voran gekommen und die Polen, die wir noch aus St. George kennen, haben uns erzählt sie hätten auf der Nordroute permanent auf die Mütze gekriegt.

A long way home...

Ich melde mich jetzt erst bei euch weil ich erst mal ankommen musste und abwarten wollte bis der feste Boden unter meinen Füssen aufhört zu schwanken. Jetzt geht’s wieder und der Kater vom Ankunftstag ist weg. Nachdem wir am Do den 24.06. gegen 15:45 an der Rezeption der Marina zum Einklarieren fest waren gab es natürlich erst mal einen kleinen Rum. Dann wurde getankt und an einen der letzten Stegliegeplätze verholt. Nach einem weiteren Rumcocktail ging es dann auf Landgang. Horta ist ein kleines charmantes Städtchen mit einer netten Marina und tollem Blick auf den Pico, den Vulkan auf der Nachbarinsel. Man merkt sofort, dass man wieder in Europa ist. Die Stadt ist hübsch aber alt und teilweise ein wenig rustikal. Nicht so Disney mäßig wie Amerika oder die Bermudas.

Warten auf den Zoll.

Unser erster Weg führte uns natürlich zu Peters „Cafe Sport“, der berühmtesten Kneipe im Atlantik. Hier kehren seit hundert Jahren die Fahrtensegler ein. Leider war der Laden wegen eines Feiertages geschlossen. Genau so wie auch alle anderen Lokalitäten in Hafennähe. Aber wir hatten echt Hunger und vor allen Dingen ordentlichen Brand. Also nicht aufgeben sondern weiter suchen. Am Badestrand fanden wir dann ein kleines Strand Cafe das uns symphatisch war. Hier gab es ’ne schöne Terrasse mit Meerblick, den hausgemachten Azoren Frischkäse, Quische (keine Ahnung wie man das schreibt), wirklich leckeren portugiesischen Kuchen und vor allem endlich wieder richtiges Bier aus echten Gläsern! Das beste Bier seit Hamburg. Na ja was soll ich sagen? Wir haben uns nicht lumpen lassen und nach zweieinhalb Wochen Abstinenz hat das Bier auch recht schnell Wirkung gezeigt. Wir haben die Reise Revue passieren lassen und uns danach das erste WM-Spiel angesehen. Kamerun vs Holland. Is‘ klar für wen wir waren, ne? Jedenfalls nicht für Holland!

Bier und Käse.

Nett haben wir es hier.

Nach dem Spiel sind wir gut angeditscht wieder an Bord. Auf dem weg zum Steg hat der Skipper ein wenig die Orientierung verloren kam aber wenig später doch noch an Bord und hatte auch noch unseren „Neuen“ dabei. Werner! Eigentlich wollten wir ja in die Koje aber das musste natürlich begossen werden. Es gab noch Rum und ich habe keine Ahnung mehr wann und wie wir ins Bett gekommen sind. Müsst ihr Werner bei Gelegenheit mal nach fragen der weiß wahrscheinlich als einziger noch wie der Abend geendet ist.

Am nächsten Tag alle ’ne dicke Birne und Frühstück bei Peter viel auch aus. Stromausfall. Egal Kaffee kochen können wir auch an Bord. Werner und seine Freundin Irene kamen zu Besuch. Ich glaube wir waren schon mal fitter am Frühstückstisch, aber da muss man dann durch. Gegen Mittag gab es wieder Strom und wir mussten leider ins Cafe da Marina zum Fussi gucken. Portugal vs Brasilien war Pflicht. Der Laden war gerammelt voll und überraschend viele Brasilianer hatten sich eingefunden. Mir brummte noch etwas der Kopf aber gegen Abend ging es wieder. Wir waren mit Irene und Werner im Cafe Sport zum essen verabredet. Sehr lecker und diesmal ist es nicht ganz so ausgeartet.

Hooligans!

Jedes Schiff hinterlässt ein Bild an der Kaimauer.

Heute morgen wurden dann die Fotos gesichtet und verkleinert und das große Putzen gestartet. Ich bin jetzt frei gestellt und schreibe hier in der Bar während nebenan die Wäsche läuft. Wir sprechen zwar kein Portugiesisch und das Englisch der Leute hier ist schlecht aber wir geben uns Mühe und kommen mit ein paar Brocken aus dem Reiseführer ganz gut klar. Es tut gut wieder in Europa zu sein.

Henning